Sport : Fritz bleibt die Nummer eins

Bei der EM denkt Brand derzeit noch konservativ

Erik Eggers

Bergen - Die Zahlen sprachen eigentlich für sich. Als Torwart Henning Fritz im EM-Auftaktspiel des deutschen Teams gegen Weißrussland in Bergen ausgewechselt wurde, hatten die Statistiker nur fünf Paraden von ihm notiert. Das entsprach gerade einmal 22 Prozent gehaltener Bälle. Auch deshalb führte der Weltmeister zu diesem Zeitpunkt gegen den Außenseiter nur mit zwei Toren. Dann kam Johannes Bitter für Fritz – und das Spiel wendete sich zum Guten für die Deutschen. Bitter hielt sofort ein paar schwere Bälle, darunter auch einen Siebenmeter. Am Ende konstatierte der Report zehn Paraden bei 18 Würfen für Bitter. Mit 56 Prozent kam der Torhüter vom HSV Hamburg auf einen Weltklassewert. So blieb die Frage an Bundestrainer Heiner Brand vor dem Spiel gegen Ungarn (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe beendet) nicht aus: Wird Bitter nun von Anfang an im Tor stehen?

„Das kann immer eine Option sein“, brummte Brand, denn die Diskussion gefiel dem 55-Jährigen absolut nicht. Weil sie nur ein oberflächliches Detail darstellt im komplexen Gebilde Handballsport. Die Abwehr insgesamt habe ihm in dieser Phase nicht gefallen, fügte er ungefragt hinzu: „Wenn ich in einem solchen Spiel mit einer Auswechslung reagiere, dann bedeutet das nicht, dass der Torwart schlecht gespielt hat.“ Und dann kam der entscheidende Satz: „Ich mache meine Aufstellung sicherlich nicht von einmaligen Leistungen abhängig.“ Übersetzt hieß das: Fritz bleibt Torwart Nummer eins in der Nationalmannschaft.

Sollte Fritz bei dieser EM aber weiterhin nur durchschnittlich halten, Bitter hingegen ständig auf Weltklasseniveau, dann wird eine Wachablösung im Tor die Folge sein müssen. Aber ein großer Auftritt in einem Spiel verändert nicht viel in einem Turnier, in dem acht Spiele in elf Tagen die Erinnerung an die ersten 60 Minuten schnell verblassen lassen. Ein schneller Wechsel auf dieser Position, weiß Brand, und ein sensibler Torwart wie Fritz wäre innerhalb kürzester Zeit verbrannt. Brand setzt nicht alles auf einmal 60 Minuten, für ihn zählt die Langstrecke, das Ergebnis am Ende eines solchen Turniers.

Die konservative Philosophie, verdiente Profis nach schlechten Leistungen nicht plötzlich infrage zu stellen, ist eine der Grundlagen von Brands Erfolg. „Man braucht eine gewisse Hierarchie im Team“, sagt Brand. Und Fritz? „Wir werden sehen, wie sich der Bundestrainer entscheidet. Aber das ist schon eine angenehme Sache, das Vertrauen vom Trainer zu bekommen.“ Erik Eggers

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