Sport : Fritz rettet sich in Remis

Kramnik überrascht Computer mit System-Schach

Martin Breutigam

Bonn - Fritz’ Väter standen beisammen und staunten, was Schachweltmeister Wladimir Kramnik ihrem Geschöpf abverlangt hatte in den vorangegangenen viereinhalb Stunden. „Mann, das ist ja beängstigend, wie weit die das alles vorbereitet hatten“, sagte der Programmierer Matthias Wüllenweber nach der ersten Partie zwischen dem Computer Deep Fritz und dem Weltmeister in der Bonner Bundeskunsthalle am Samstagabend. Der über acht Millionen Züge pro Sekunde berechnende Computer hatte sich nach 47 Zügen in ein Remis retten können. Wüllenwebers Kollege Mathias Feist beruhigte: „Fritz sah sich höchstens mal mit 0,3 Bauerneinheiten im Nachteil.“ Das sei nicht schlimm, sagte Feist, der die Züge des Computers ausführte.

Sein Gegenüber Kramnik lehnte sich in seinem Stuhl mit Kopfstütze so weit zurück, als wartete er auf den Zahnarzt. In Wirklichkeit musste eher die andere Seite leiden, während Kramnik sinnierte. „Ich war nah dran, aber leider war es nie genug, um zu gewinnen“, sagte Kramnik. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich hätte besser machen sollen.“ Der 31-jährige Russe sagte, er habe solides, positionelles Schach spielen wollen und eine ungewöhnliche Variante der katalanischen Eröffnung gewählt. Schon bald verbrauchte Deep Fritz eine halbe Stunde Rechenzeit; Kramnik hingegen spielte die ersten 20 Züge flott. Offenbar hatte er alles vorbereitet gehabt. In der zweiten Partie am heutigen Montag wird er die schwarzen Steine führen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben