Sport : Fröhliche Illusion aus Schweden Siebenkämpferin Klüft

ist der große WM-Star

Frank Bachner

Berlin - Die Bilder gelten als Kunstwerke, weil Jason Bell, der Star-Fotograf, Carolina Klüft in Szene gesetzt hat. Mit einer Kugel, beim Start, mit einem Speer, und immer hat die Schwedin diesen stechenden Blick. Man kann ihren Ehrgeiz darin lesen. Aber die Bilder sind gestellt, sie wurden extra zur Leichtathletik-WM in Helsinki hergestellt, und deshalb ist auch dieser Blick nur die halbe Wahrheit über die Siebenkämpferin Klüft aus Växjö, Schweden.

Zur Wahrheit gehört auch, dass die Psychologiestudentin herzlich lachen kann und unbekümmert ist. Dieser Mix aus Ehrgeiz, Talent und Fröhlichkeit macht Carolina Klüft zum Star dieser WM. Kein anderer gibt der Leichtathletik so sehr ein Gesicht wie diese 22-jährige Frau, Europameisterin, Olympiasiegerin, Weltmeisterin. Ihre Bestleistung liegt bei 7001 Punkten sie ist die Top-Favoritin im Mehrkampf, auch wenn sie sich im Abschlusstraining leicht verletzt hat. Zugleich ist sie eine Frau mit gelb-blau lackierten Fingernägeln, die beim Warmmachen Rad schlägt, dauernd vom „Spaß“ redet und sagt, „dass es uncool ist, ein Star zu sein“.

Sie ist einer, natürlich, deshalb werden ihre Bilder bei der WM ja auch überall präsentiert. Sie nährt die Illusion, dass Spitzensport wenig mit Schweiß und Schmerzen, aber viel mit Lässigkeit und Freude zu tun hat. „Ich bin nur ein kleines Mädchen in einer großen Welt“, sagt sie gern. Dass sie sechs Tage pro Woche vier Stunden täglich trainiert, sagt sie nicht. In Schweden sind ihre Wettkämpfe fürs Fernsehen ein Quotenhit, Königin Silvia ernannte sie zur „Persönlichkeit des Jahres 2004“.

Aber zur Persönlichkeit machen sie erst die Dinge hinter dem Bild des fröhlichen Mädchens. Bei der EM 2002 in München besuchte sie die Gedenkstätte für das Konzentrationslager Dachau, die Fotos von Bell lässt sie versteigern und gibt den Erlös „armen Kindern in aller Welt“. Irgendwann will sie nach Afrika, „um dort den Menschen zu helfen“. Carolina Klüft wirkt gern wie ein Mädchen. Aber sie ist eine sehr erwachsene junge Frau.

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