Sport : Fröhliche Krieger

Der Karibikstaat Trinidad & Tobago ist der kleinste aller 32 WM-Teilnehmer

-

Berlin - Am Mittwochmittag verlief die Parlamentssitzung auf der Karibikinsel Trinidad ungewöhnlich. Die Versammlung im Roten Haus musste für eine halbe Stunde unterbrochen werden, weil Regierung und Opposition das Ende des entscheidenden WM-Qualifikationsspiels ihres Landes im Fernsehen miterleben wollten. Als die Parlamentsmitglieder wieder zurückkehrten, „in fröhlicher Stimmung“, wie der „Trinidad Guardian“ bemerkt hat, ergriff der Leiter der Regierungsgeschäfte das Wort: „Mister Speaker, ich möchte Sie wissen lassen, dass T&T siegreich waren.“

Mit „T&T“ kürzen die Einheimischen ihren Karibikstaat Trinidad & Tobago ab, in dem es nun einen neuen Festtag gibt. Präsident Patrick Manning hat den Donnerstag, den Tag der Rückkehr der Nationalmannschaft in die Hauptstadt Port-of-Spain, zu einem nationalen Feiertag erklärt. Das Team des holländischen Trainers Leo Beenhakker hatte sich durch ein 1:0 (Hinspiel 1:1) gegen Bahrain für die Fußball-WM in Deutschland qualifiziert. Anschließend hatte Bahrain wegen eines nicht gegebenen Tores Protest eingelegt. Trinidad & Tobago nehmen zum ersten Mal an einer WM teil, zum vierten Mal schaffte es ein Land aus der Karibik zu einer WM-Endrunde. Kuba, 1938, Haiti, 1974, und Jamaika, 1998, haben es vorgemacht.

T&T haben etwas mehr als eine Million Einwohner. Es ist das kleinste Land aller 32 WM-Teilnehmer. Die beiden Inseln liegen nordöstlich Venezuelas, die Wirtschaft lebt von der Öl- und Gasproduktion und vom Tourismus. Das Land wird allerdings zunehmend von Kriminalität geplagt. Ein Problem, das durch den Erfolg von Bahrain für ein paar Tage in den Hintergrund tritt. „Heute sind wir alle eins“, sagte ein Fußball-Fan dem „Trinidad Guardian“, „heute kannst du deinen Feind treffen und ihn in die Arme nehmen“. Die Feier auf den Straßen von Port-of-Spain erinnerte viele Beobachter an Karneval. Nur ohne Masken.

Der bekannteste Spieler der Mannschaft, die von ihren Fans „Warriors“ genannt wird, heißt Dwight Yorke. Dieser Krieger hat 1999 mit Manchester United die Champions League gewonnen und lässt nun beim FC Sydney in Australien seine Karriere ausklingen. Trinidad & Tobago besitzen allerdings auch einen umstrittenen Fan: den Multifunktionär Jack Warner. Dieser stammt aus Trinidad & Tobago und kam durch Gelder des Fußball-Weltverbandes (Fifa) zu Reichtum. Immer wieder erheben Verbandskritiker Korruptionsvorwürfe gegen den Fifa-Vizepräsidenten. Dieser will nun in Deutschland mit seinen Spielern und Fans karibisches Lebensgefühl verbreiten. Der „Trinidad News“ sagte er: „Wir werden Deutschland aufhellen wie es kein anderes Land zuvor getan hat.“ ben

Mehr zur WM-Qualifikation: Seite 2

0 Kommentare

Neuester Kommentar