Sport : Frohe Sieger und Verlierer

Nach dem 3:1 des FC Bayern gegen Mönchengladbach sind alle zufrieden

Michael Neudecker[München]

Und dann lief Lukas Podolski einfach los, er lief und lief, mit dem Ball am Fuß. Die 69 000 Zuschauer in der Arena wurden lauter und lauter, es war, als würde Podolski mit jedem Schritt auf eine unsichtbare Fernbedienung treten, und dann war Podolski vor dem Tor, er schoss, doch Gladbachs Torhüter Christofer Heimeroth konnte abwehren. Es war die erste sehenswerte Aktion im Pokalspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach – und es war nicht die letzte: Bayern siegte mit 3:1.

Die wichtigste Frage beim FC Bayern wurde schon vor dem Spiel beantwortet: Nein, Franck Ribéry konnte nicht spielen, er leidet noch immer an einer Muskelverhärtung in der Kniekehle. Zudem nahmen auch Miroslav Klose und Mark van Bommel den ungewohnten Platz auf der Reservebank ein. Sie sahen einen engagiert auftretenden Zweitliga-Tabellenführer, der dem Erstliga-Tabellenführer ein gleichwertiger Gegner war.

Abgesehen von Podolskis Lauf waren es zunächst sogar die Gladbacher, die die besten Chancen hatten: Zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff etwa tauchte Oliver Neuville unbedrängt vor Bayerns Torwart Michael Rensing auf, doch der hatte aufgepasst, er rutschte Neuville am Boden entgegen und wehrte dessen Schuss ab.

Als die zweite Halbzeit gerade zwei Minuten alt war, wurde es dann wieder laut in der Arena: Nach einer Flanke von Podolski flog der Ball in den Fünfmeterraum, er sprang einmal auf, Heimeroth hechtete am Ball vorbei, und auf einmal stand da Luca Toni – 1:0.

Nun hatte das Spiel so richtig begonnen. Erst kam Neuville nach einem Fehler von Bayerns Kapitän Lucio allein vor dem Tor zum Schuss, beförderte den Ball aber knapp am rechten Pfosten vorbei ins Aus. Kurz darauf spielte Lucio den eigenen Mitspieler frei, doch Luca Toni scheiterte an Heimeroth. In der 57. Minute dann jubelte Toni wieder, er schraubte mit der Hand vor seinem Ohr herum, wie er es immer macht, wenn er jubelt und den anderen damit zu verstehen gibt: Habt ihr es verstanden? Aus zwanzig Metern hatte er aus der Drehung aufs Tor geschlenzt, der Ball war geflogen, Heimeroth auch, doch diesmal war Gladbachs Torwart machtlos. 2:0. Es war Tonis 13. Tor im 14. Pflichtspiel für die Bayern. Lukas Podolski ist seit ebenso vielen Spielen ohne Tor.

Entschieden war das Spiel deshalb aber noch nicht, die Borussen hatten einfach schon zu viel Kraft investiert, als dass sie nun einfach aufgeben konnten. Allerdings bedurfte es auch der Hilfe von Michael Rensing, dass die Spannung wieder ins Spiel zurückkam: Marcel Ndjeng schoss aus etwas mehr als zwanzig Metern aufs Tor, und er traf – der Schuss wäre haltbar gewesen. Die Spannung währte dann aber doch nicht bis zum Ende. In der 75. Minute wurde der geschonte Miroslav Klose für Toni eingewechselt, er entschied acht Minuten später die Partie: per Kopf erzielte er nach einer Flanke von Hamit Altintop das 3:1.

Als das Spiel zu Ende war, feierten die Fans beider Mannschaften, die Bayern den Sieg, die Gladbacher ihre gut mitspielende Mannschaft. Und Lukas Podolski ging zum Trikottausch, erschöpft, aber erleichtert.

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