Frostige Stimmung : Bayern bei minus 14 Grad

Der FC Bayern hat schlechte Laune. Selbst Hertha steht vor dem Rekordmeister. Ein Besuch an der Säbener Straße, wo Dieter Hoeneß samt Turban immer noch präsent ist.

Helmut Schümann[München]

Training bei minus 14 Grad ist auch kein pures Vergnügen. Weswegen es etwas frösteln machte, dass Luca Toni und zwei, drei andere Spieler vom FC Bayern München gestern in kurzen Hosen ihre Übungen absolvierten. Toni ging dann aber nach einer Stunde, wegen Problemen an der Achillessehne, von denen zuvor nichts zu sehen war und auch beim Abgang nicht, der lachend und aufrecht erfolgte. Könnte sein, dass am Samstag Lukas Podolski gegen den 1. FC Köln für Toni aufläuft, könnte aber auch nicht sein. Na ja, dieses Dauerthema bei den Bayern hat sich bald erledigt.

Es gibt im Moment eine Menge Themen beim Rekordmeister und die klingen an, werden interpretiert und diskutiert im Presseraum der Münchner. Ein grauer, fensterloser Raum ist das, und alleine diese hermetische Abschottung von der Außenwelt hat ihre diskutable Grundsätzlichkeit. Statt Fenster hängen Schwarz-Weiß-Fotos an der Wand. Alte Helden sind darauf, Bulle Roth, Katsche Schwarzenbeck, der Bomber Müller. Und, natürlich, Turban-Dieter, ein Foto aus dem legendären Spiel, in dem Herthas Manager Hoeneß mit Kopfverband ein Tor köpfte. Es wird ihn freuen, dass er auf diese Weise noch präsent ist auf dem Bayern-Gelände. Dass es umgekehrt die Bayern freut, dass ihr alter Haudegen mit seiner Hertha derzeit an der Tabellenspitze präsent ist, darf bezweifelt werden. Hertha-Konkurrent – wie sich das schreibt, wie sich das liest? Aber so steht es nun mal in der Tabelle, und die lügt nicht.

Bei den Bayern verursacht sie hörbares Grummeln und fast greifbare Missstimmung. Man darf das Veto von Vorstandschef Karlheinz Rummenigge, den Amerikaner Landon Donovan nach der Ausleihfrist fest zu engagieren, durchaus als leise Kritik an Trainer Jürgen Klinsmann werten. Der wollte Donovan haben. Und dass Rummenigge auch einer vorzeitigen Vertragsverlängerung mit dem Trainer seine derzeitige Zusage verweigerte – man wolle jetzt erstmal die Ziele erreichen, „entscheidend ist immer das Sommerzeugnis“ –, ist auch nicht gerade vertrauensfördernd. Für andere Sätze bedarf es nicht mal Kenntnis vom Sprechcode der Fußball-Funktionäre. Philipp Lahm sagt ganz offen und öffentlich, was verantwortlich ist für zuletzt zwei Niederlagen: „Es hat jetzt jeder gesehen, dass man nicht mit 80 Prozent mal eben Deutscher Meister wird.“ Und: „Es wird ja bei uns durch einen Pass mehr als die Hälfte unserer Spieler ausgespielt. Sicher ist das auch eine Sache der taktischen Ausrichtung.“ Einstellung und Taktik sind Sache der Trainer.

Einer von den vielen, Martin Vasquez, der Kotrainer, gibt seine Anweisung polyglott. Als ein deutscher Nationalspieler (sein Name ist der Redaktion bekannt) mehr als eine Ballberührung braucht, um einen versprungenen Ball weiterzuleiten und dafür von Vasquez angepfiffen wird, dreht er sich weg und brummt, mehr zu sich, aber doch für den Zaungast gut hörbar: „One contact, fuck one contact.“

Vor Beginn der Saison wurde allgemein konstatiert, dass sich Klinsmann und sein Team mit all den Neuerungen und Umwälzungen auf dünnes Eis begeben. Nun ist die Luft wesentlich kälter geworden, das Eis aber noch dünner. Und wenn der Erfolg ausbleibt, bricht es. Das bringt dann den Manager in Rage. Der, Uli Hoeneß, war gestern wegen eines wichtigen privaten Termins nicht zu sprechen. Aber dass es ihm ob all der Umstrukturierungen – und erscheinen sie noch so marginal wie die Schließung der Gastwirtschaft für die Fans – angesichts des sportlichen Ertrages intern immer öfter den Magen umdreht, ist nicht mal mehr ein offenes Geheimnis.

Nein, souverän tritt die Hertha-Konkurrenz zurzeit nicht auf. Am Ende hängen sie noch Turban-Dieter von der Wand.

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