Sport : Frühbuchung storniert

Den Hockey-Damen fehlt immer noch ein Punkt für Olympia

Andreas Morbach

Köln/Auckland. Beim Einspielen im Stadion Lloyd Elsmore war Marion Rodewald noch bester Dinge. „Super“ sei ihr Gefühl vor der Partie gewesen, berichtete die Spielführerin der deutschen Hockey-Damen, als sie drei Stunden nach dem 1:1 gegen Irland geknickt im Mannschaftsquartier hockte. „Ein ganz anderes Spiel“ hatte sie erwartet, zumal nach dem erfreulichen Start in die Olympia-Qualifikation mit den beiden 2:1-Erfolgen gegen die Ukraine und vor allem gegen England, den Angstgegner der jüngeren Vergangenheit. Ein dritter Sieg, und die DHB-Auswahl hätte vorzeitig die Flüge nach Athen buchen und sich in Auckland einen angenehmen Turnierausklang gönnen können.

Ein schöner Ausblick, der Markus Weises Spielerinnen gegen Irland die Beine aber offensichtlich sehr schwer machte. „Ich weiß nicht, ob es die Angst vor dem Matchball war“, fragte sich der Bundestrainer, „aber heute war die Mannschaft durch die Bank nicht locker genug.“ Eine unangenehme Folge der Anspannung: Nach einer halben Stunde lenkte Tina Bachmann vom Club Raffelberg Duisburg einen eher harmlosen Schuss der Irin Eimear Cregan ins eigene Tor. Rodewalds Ausgleich nach einer Strafecke Sekunden vor dem Halbzeitpfiff blieb für das deutsche Team anschließend das einzige Glücksgefühl des Tages.

Der erste Matchball ist verspielt, heute gibt es gegen Neuseeland (8 Uhr MEZ) den nächsten und vorerst letzten. Die Ausgangsposition vor dem Duell mit den Gastgeberinnen ist dabei durchaus pikant: Beiden Mannschaften genügt ein Remis für einen der ersten zwei Gruppenplätze. Damit wären Deutschland und Neuseeland in Athen dabei. Ein abgekartetes Spiel wie einst bei den Fußballern aus Deutschland und Österreich in Gijon bei der Fußball-WM 1982 hätten die lauernden Engländerinnen und Irinnen aber nicht zu befürchten, sagt Marion Rodewald. „Im Hockey habe ich so etwas noch nicht erlebt“, betont die 27 Jahre alte Sportstudentin aus Köln. „Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Beide wollen das Spiel unbedingt gewinnen.“

Diese Auffassung vertritt auch Trainer Weise. „Das Irland-Spiel wird abgehakt“, befahl der Chefcoach, als die erste Enttäuschung abgezogen war, und verwies auf die nach wie vor günstige Ausgangslage: „Wir haben es weiterhin selbst in der Hand. Gegen Neuseeland werden wir ein deutlich besseres Spiel abliefern, und ich bin ganz sicher, dass wir dort die Qualifikation packen.“

Es wäre der Lohn für die feinen Fortschritte, die Deutschlands Hockeyspielerinnen trotz knapper Vorbereitung in Auckland immer wieder nachweisen konnten. „Gegen England haben wir phasenweise sehr gut gespielt“, erinnert sich Rodewald an ein zentrales Erlebnis in der neuseeländischen Metropole. Schließlich waren die von der Australierin Tricia Heberle trainierten Britinnen in den vergangenen Jahren an der deutschen Mannschaft vorbei gezogen. „Wenn wir die gleiche Dynamik zeigen wie gegen England, müsste es eigentlich auch zu einem Sieg gegen Neuseeland reichen“, glaubt Rodewald. Mit der damit geglückten Olympia-Qualifikation ginge auch der dringlichste Wunsch von Bundestrainer Weise in Erfüllung: „Ins Halbfinale kommen und dann noch ein paar schöne Spiele machen.“

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