Sport : Früher Rückschlag für Jan Ullrich

Hartmut Scherzer

Es ist wie beim "Dinner for one": "The same procedure as last year." Jan Ullrich (28) gibt im Trainingslager auf Mallorca Ausblick auf die neue Saison und kann über seine Planung und sein Programm nur eines mit Bestimmtheit sagen: "Ich will noch einmal das gelbe Leibchen." Also alles wie gehabt. Er werde sich diesmal noch gewissenhafter auf die Tour de France vorbereiten. "Noch professioneller" - das hatte der Telekom-Star bereits im Januar 2000 und 2001 versprochen und nach den zweiten Plätzen im Juli hinter Lance Armstrong dann jeweils eingeräumt: "Ich war zwar sehr gut drauf, aber die Form war noch nicht optimal. Ich war ein bisschen spät dran."

Früh hat sich bereits die obligatorische Grippe eingestellt. Zwischen den Trainingslagern in Südafrika und auf Mallorca hatte es Jan Ullrich zum Jahreswechsel zu Hause in Merdingen wieder erwischt. "Über Silvester habe ich drei, vier Tage im Bett gelegen. So richtig mit hohem Fieber. Das haut rein." Anderthalb Wochen lang keine Pedalumdrehung auf dem Rad. Was er in zweieinhalb Wochen am Kap gewonnen habe, klagt Sportdirektor Rudy Pevenage, das habe er in Merdingen wieder verloren. Ullrich aber sieht den Rückschlag auch als Vorteil, hofft er doch, das übliche Maß an Grippe pro Saison nun hinter sich zu haben. Und zwar früher als früher. "Wenn ich einmal zehn Tage lang richtig flach gelegen habe, bin ich selten ein zweites Mal krank geworden."

Peter Becker, sein Entdecker, Kinder-, Jugend- und Amateurtrainer, wurde vom Team Telekom engagiert, sich wieder ausschließlich um Jan Ullrich zu kümmern. "Becker kennt mich und hat den absoluten Blick. Er sieht am Tritt, wie es mir geht", sagt Ullrich. Seit Wochenbeginn, fünf Tage später als geplant, strampelt Jan Ullrich mit 16 Kollegen über Mallorca. Acht Telekom-Profis (Bartko, Heppner, Hondo, Hundertmarck, Julich, Klöden, Kopp, Wesemann) sind bereits nach Australien aufgebrochen, wo sie am 15. Januar bei der Rundfahrt "Down Under" in die neue Rennsaison starten. Das Trainingscamp auf Mallorca dauert bis zur offiziellen Präsentation der Mannschaft am 28. Januar in Berlin. Doch Jan Ullrich setzt sich vorher ab, rollt sich ab 21. Januar in der Wüste, bei der neuen Fünf-Etappen-Fahrt in Katar, ein. Ullrich freut sich darauf. "Abwechslung und ein paar schnelle Kilometer tun mir gut." Denn drei Wochen Mallorca, zumal im unfreundlichen Januar, sind ihm zu monoton. Im Februar fliegt er wieder in die Sonne Südafrikas, Anfang März, bei der Valencia- oder Murcia-Rundfahrt, geht es richtig los. In Murcia steigt auch Lance Armstrong in die Saison ein zur ersten Begegnung des dreimaligen Tour-Siegers mit dem deutschen Herausforderer, der es noch einmal wissen will.

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