Früherer DFB-Präsident wurde 82 Jahre alt : Gerhard Mayer-Vorfelder ist tot

Als Präsident hat Gerhard Mayer-Vorfelder den Deutschen Fußball-Bund (DFB) geprägt und polarisiert. Nun ist er mit 82 Jahren verstorben.

Der frühere DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder verstarb mit 82 Jahren.
Der frühere DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder verstarb mit 82 Jahren.Foto: dpa

Gerhard Mayer-Vorfelder ist immer seinen Weg gegangen. Der langjährige Spitzenfunktionär war ein kampflustiger Machtmensch. „MV“ sagte einmal über sich selbst: „Ich bin ein Stück stolz darauf, dass ich mich in all den Jahren nicht habe verbiegen lassen.“ Gerhard Mayer-Vorfelder hat gerne polarisiert. „Ich bin fast täglich im Schützengraben gestanden, um mich herum sind die Giftpfeile geschwirrt“, sagte der Machtmensch und Multifunktionär einmal über seine tagtäglichen Kämpfe.

Wie seine Familie am Dienstag mitteilte, starb der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag im Alter von 82 Jahren in einem Stuttgarter Krankenhaus im Kreise seiner Angehörigen. Details wurden
nicht genannt. „MV“, wie Mayer-Vorfelder oft nur genannt wurde, hinterlässt seine Frau und vier Kinder. Mayer-Vorfelder war von 1975 bis 2000 Präsident des VfB Stuttgart. Von 2001 bis 2006 war der gebürtige Mannheimer auch DFB-Präsident, ab 2004 gemeinsam mit Theo Zwanziger. Der langjährige CDU-Politiker hatte sich in den vergangenen Jahren auch aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

„Mit Gerhard Mayer-Vorfelder geht eine prägende Figur des deutschen Fußballs“, erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einer DFB-Mitteilung. „Seine Ideen und sein Einsatz haben dem Fußball wichtige Impulse
gegeben, von denen wir alle heute profitieren“, erklärte Niersbach weiter. „Die aktuellen Erfolge mit dem Gewinn der WM als Höhepunkt gehen auf richtungsweisende Weichenstellungen der Vergangenheit zurück, die Gerhard Mayer-Vorfelder maßgeblich mitgestaltet hat.“ In Würdigung seiner Leistungen wurde „MV“ unter anderem das Bundesverdienstkreuz verliehen. Als Lebensziel hatte er nach eigenen Angaben die Ausrichtung der WM 2006 im eigenen Land bezeichnet.

Egal ob als Präsident des Bundesligisten VfB Stuttgart und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) oder als CDU-Minister im Ländle - Mayer-Vorfelder kannte sich mit extremem Gegenwind aus. Und der Jongleur der Macht verstand es blendend, sich jahrelang in den diversen Spitzenpositionen zu halten. Taktisches Gespür, glänzende Vernetzung, immenses Stehvermögen - das waren nur drei Zutaten, die der knallharte und auch kompromisslose Konservative einsetzte.

Patriarch zwischen Politik und Fußball
Gerhard Mayer-Vorfelder und Joachim Löw. Mit dem allmächtigen Präsidenten des VfB Stuttgart hatte es Löw nicht immer leicht. Trotz Pokalsieg 1997 und Europapokalfinale 1998 wurde der spätere Bundestrainer von MV entlassen - weil er angeblich nicht so gut mit den Stars konnte. Löw nahm es ihm nicht lange übel und sagte in seiner Beileidsbekundung: "Er war eine starke Persönlichkeit mit einer riesigen Fußballkompetenz, mit ihm konnte man wunderbar über Fußball diskutieren, auch kontrovers. Ich bin ihm für Vieles sehr dankbar.“Alle Bilder anzeigen
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18.08.2015 16:01Gerhard Mayer-Vorfelder und Joachim Löw. Mit dem allmächtigen Präsidenten des VfB Stuttgart hatte es Löw nicht immer leicht. Trotz...

„Ich war immer der, der ich war - mit allen guten und weniger guten Seiten“, beschrieb der Mann mit dem knackigen Markenkürzel „MV“ sich selbst. „Ich bin ein Stück stolz darauf, dass ich mich in all den Jahren nicht habe verbiegen lassen.“ Aufsteigerwillen zeigte er schon früh. Mayer-Vorfelder wurde am 3. März 1933 in Mannheim geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg und Heidelberg verschlug es den Badener beruflich nach Württemberg, zunächst 1959 als Regierungsrat nach Nürtingen. Nach seinem Wechsel ins Innenministerium startete der ehrgeizige und intelligente Jurist als persönlicher Referent des damaligen Ressortchefs und späteren Ministerpräsidenten Hans Filbinger seine politische Laufbahn.

Bei Doping-Vorwürfen gegen Stuttgart geriet auch "MV" in Verdacht

Mehrere Spitzenpositionen folgten. Nicht selten musste sich „MV“ mit dem Vorwurf auseinandersetzen, seine Geschäfte nach Gutsherrenart zu führen. 1975 putschte sich der frühere Mittelläufer des SV Waldshut an die Spitze des VfB Stuttgart - und blieb ein Vierteljahrhundert ein schillernder und bisweilen auch selbstverliebter Boss. Bei Doping-Vorwürfen zuletzt gegen die Schwaben geriet auch der Präsident in Verdacht.
„Ohne ihn würde es den Verein gar nicht mehr geben“, sagte der ehemalige VfB-Trainer Jürgen Sundermann einmal über den Workaholic, der sich in den vergangenen Jahren jedoch merklich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

Bei seinem Abgang vom VfB 2000 hinterließ Mayer-Vorfelder einen Schuldenberg in Millionenhöhe. „Man konnte bei allen Ämtern, die er ausgefüllt hat, immer spüren, dass sein Herz für den VfB schlägt“, bescheinigte ihm der aktuelle DFB-Chef Wolfgang Niersbach. „MV“ sei ein Mann von Welt gewesen, der „immer Stuttgarter geblieben ist“.
Und ein Genussmensch. Ein feines Essen, ein edler Tropfen - dem Gaumenkitzel war der langjährige DFB-Boss nie abgeneigt. „Von 'MV' kann man einiges lernen“, erzählte Bundestrainer Joachim Löw dem „kicker“ einmal. „Er hat alles aus Überzeugung getan und konsequent danach gehandelt.“ Mayer-Vorfelder war für Löw eine entscheidende Person, schließlich verschaffte der Mannheimer dem Freiburger beim VfB 1996 den ersten Posten als Chefcoach - die spätere Entlassung war inklusive.

Sein „Lebensziel“ hatte der Vater von vier Kindern nach eigenen Angaben mit der Ausrichtung der WM 2006 im eigenen Land erreicht. Das Spiel um Platz drei gewann die DFB-Auswahl damals gegen Portugal ausgerechnet in Stuttgart. „Das war das Highlight in meinem Leben“, erinnerte sich „MV“ an dieses WM-Sommermärchen. (dpa)

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