Sport : Frühes Abstiegsduell

Leverkusen – Lautern: Toppmöller beschwört böse Geister

Erik Eggers

Köln. Die Ahnung klingt düster. „Wer verliert“, orakelt Klaus Toppmöller, „der wird es schwer haben, vor Weihnachten wieder aus dieser Situation herauszukommen.“ Eine vornehme Umschreibung des Trainers des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen dafür, dass sich der Verlierer des Duells seiner Mannschaft mit dem 1. FC Kaiserslautern am Ende dieses Spieltags in jedem Fall auf einem Abstiegsplatz wiederfindet. Wenn auch weniger dramatisch, erinnert vieles an den letzten Spieltag der Saison 1995/’96, als diese Mannschaften im direkten Duell gegen die Zweite Liga kämpften und Leverkusens damaliger Torjäger Rudi Völler am Schluss den Lauterer Andreas Brehme in den Arm nahm. Kaiserslautern musste absteigen.

Doch so weit in die Vergangenheit soll die Zeitreise nicht reichen, beide Mannschaften sehnen sich vielmehr in die letzte Spielzeit zurück. Die Begegnung beider Teams am zwölften Spieltag, sagt Toppmöller fast wehmütig, „fand unter völlig anderen Voraussetzungen statt“. Seinerzeit spielte der Zweite gegen den Dritten (Leverkusen siegte 2:1), jetzt trifft der Fünfzehnte auf den Siebzehnten. Es hat seinen Grund, wenn Klaus Toppmöller vom „Abstiegsduell“ redet.

Doch es ist nicht allein der derzeitige Tabellenstand, der dem Coach Sorgen bereitet. Schließlich spielen seine Schützlinge momentan Fußball verkehrt. Die dürftigen acht Punkte holte Leverkusen fast ausnahmslos gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel (gegen Bayern und Dortmund, in Rostock), in Spielen also, in denen das Team nicht die Initiative ergreifen musste. In den Spielen gegen die vermeintlich kleinen Teams aber ging Bayer Leverkusen teilweise schlimm unter, so im letzten Spiel beim VfL Wolfsburg (0:2), vor allem aber in den beiden Heimspielen gegen Bochum (2:4) und Hannover (1:3). Von dieser Warte aus betrachtet, erscheint selbst der angeschlagene 1. FC Kaiserslautern, selbst wenn dieser die letzten sieben Spiele gegen Bayer verloren hat, gefährlicher als der FC Bayern oder Borussia Dortmund.

Fakten dieser Art geben deutlich Zeugnis davon, dass die Mannschaft – ganz anders als noch vor wenigen Monaten – zurzeit nicht dazu in der Lage ist, einen spielerisch an sich unterlegenen Gegner zu beherrschen. Deswegen hat diese Partie am heutigen Sonnabend den Charakter eines Schlüsselspiels. Falls die Mannschaft erneut zu Hause die Erwartungen nicht erfüllt, droht bald neues Ungemach, denn in den nächsten 18 Tagen warten vier weitere Heimspiele mit ähnlichen Konstellationen: In der Champions League muss Bayer gegen Haifa und Piräus gewinnen, danach kommt der VfB Stuttgart zu Liga- und Pokalspiel in die Bayarena. Nur im Auswärtsspiel nächste Woche bei Hertha BSC darf Leverkusen auf Räume für Konter hoffen.

„Wir haben bisher zu wenig abgeliefert“, sagt auch Toppmöller kleinlaut. Doch nun ist er guter Dinge, dass „wir zu Hause bald wieder eine Macht sein werden“, und er wagt gar das Bild von einer „Festung Leverkusen“. Sein Optimismus scheint indes eine solide Basis zu haben: Juan, Placente, Sebescen und Franca sind wieder einsatzbereit, laut Toppmöller werden indes „nicht alle vier von Anfang spielen“. Im Kader fehlen also nur noch Nowotny, der seine Knieblessur weiterhin auskurieren muss, und Berbatow mit einer Sprunggelenksverletzung. Außerdem, meint Toppmöller, „werden beide Mannschaften voll auf Sieg spielen“. Wenn da mal nicht der Wunsch als Vater seiner Gedanken agiert.

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