Sport : Frühes Spiel, spätes Tor

Hertha BSC gewinnt durch ein Tor von Bartosz Karwan in der Nachspielzeit 1:0 bei Apoel Nikosia

André Görke

Nikosia. Frühe Anstoßzeiten haben im Uefa-Cup eine Tradition. Immer dann, wenn Mannschaften aus dem hinteren Osten Europas noch im Wettbewerb sind, werden Spiele angepfiffen, wenn die meisten Menschen bei der Arbeit sind oder aber lieber Kaffee trinken. Gründe dafür gibt es einige. Entweder verfügt die gastgebende Mannschaft nicht über eine Flutlichtanlage, oder aber diese einigt sich mit einem Sender aus dem Land des Gastes auf einen frühen Anstoß, damit am Abend Spiele gezeigt werden können, die von größerem Interesse sind. Das Spiel von Hertha BSC, das gestern Nachmittag unter der Sonne Nikosias angepfiffen wurde, zählt nicht dazu. Hertha beendete das Hinspiel in der zweiten Runde des Uefa-Cups bei Apoel mit einem 1:0 (0:0)-Sieg, die ARD aber hätte sich die Übertragung sparen können.

Vielleicht waren es 4000 Menschen, die sich gestern recht übersichtlich in der GSP-Arena zu Nikosia verteilt hatten. Am Dienstagabend noch war das 23 000 Zuschauer fassende Stadion rappelvoll. Zu sehen gab es ein Spiel in der Champions League zwischen Maccabi Haifa und Manchester United. Die Israelis, die ihre Heimspiele ausweichsweise hierher nach Zypern verlegt haben, gewannen 3:0 und wollen wiederkommen. Die Zyprer sind nämlich ein fußballverliebtes Völkchen. Nur muss die Uhrzeit stimmen – und der Gegner. Hertha ist nicht Manchester. Der Bekanntheitsgrad Herthas auf der Mittelmeerinsel hält sich in Grenzen. Einen Tag vor dem Spiel suchte Apoels Trainer Eugen Gerards ein Gespräch mit Huub Stevens. Gerards, wie Stevens Limburger, wollte vom Berliner Trainer wissen, warum denn der Iraner Ali Daei nicht dabei sei. Ali Daei bestritt sein letztes Spiel für Hertha im April.

Das, was der aktuelle Kader der Berliner gestern bot, kann auch schnell in Vergessenheit geraten. In der ersten Halbzeit ließen die Herthaner drei Großchancen ungenutzt. Erst scheiterte Alex Alves völlig frei stehend vor Torwart Morphis, dann segelten er und auch noch Nené an einer schönen Flanke von Marcelinho vorbei. Später vergab auch noch Herthas Spielmacher ungewohnt kläglich. Gut, dass von Apoel gestern so gut wie nichts zu sehen war.

Was haben die Berliner den Gegner im Vorfeld stark geredet und keinen Vergleich gescheut. Vom FC Bayern Zyperns war da die Rede. Tatsächlich dürfte der 16-malige Meister Zyperns in der 2. Bundesliga Schwierigkeiten kriegen. Noch nie erreichte der Verein die dritte Runde im Uefa-Cup. „Das 0:0 wäre eine Sensation gewesen“, sagte Trainer Gerards nach dem Spiel.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild kaum. Hertha drückte, erspielte sich Chancen, doch wurden diese nicht genutzt. Auch nicht von Luizao, der für Alves gekommen war. „Mit der Chancenverwertung kann ich nicht zufrieden sein“, sagte Stevens später. Pech hatte Stefan Beinlich, dessen Kopfball von der Lattenunterkante gegen den Pfosten sprang. Die 90 Minuten waren längst abgelaufen, als Bartosz Karwan doch noch traf. Der Pole, der vorigen Sonnabend gegen Leverkusen nicht eingewechselt werden konnte, weil er sein Trikot in der Kabine vergessen hatte, köpfte eine Flanke von Michael Hartmann ein.

Vermutlich wird Hertha auch das Rückspiel in einer Woche irgendwie gewinnen. In der 3. Runde dürfte ein attraktiverer Gegner warten. Torschusstraining wäre für die Berliner nicht der schlechteste Zeitvertreib.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben