Sport : Frühlingserwachen

Bayer Leverkusen gewinnt wieder: 4:2 gegen Wolfsburg

Erik Eggers

Leverkusen. Wirklich heißblütig sind sie nicht, die Anhänger Leverkusens. Oft genug muss der „Arbeitskreis Stimmung“ in der BayArena für Atmosphäre sorgen, etwa mit vororganisierten Plakataktionen. Gestern straften die Fans ihre Mannschaft für die zuletzt gezeigten Leistungen mit Liebesentzug.

Als Schiedsrichter Torsten Kopp pünktlich um 15.30 Uhr das Spiel gegen den VfL Wolfsburg anpfiff, gähnte auf der Südtribüne das Nichts aus grünen Hartschalensitzen, dort verloren sich gerade einmal 200 Zuschauer. „Halbvier: Aufwachen“, stand dagegen auf einem prominent platzierten Plakat geschrieben. Neunzig Spielminuten später waren es die Fans auf dieser Tribüne, die ihre Mannschaft nach dem 4:2 (3:1)-Heimsieg am lautesten feierten.

Die Pointe zum Anfang setzte ausgerechnet Dimitar Berbatow. Dem bulgarischen Mittelstürmer wird ein ausgesprochener Hang zur Lethargie nachgesagt, doch gestern war er sofort hellwach. Erst eine halbe Minute war vorüber, als er ein Zuspiel Francas aufnahm, sich um den hüftsteifen Gegenspieler Thomas Rytter drehte und aus 12 Metern zur Leverkusener Führung einschoss. Das hatten die protestierenden Fans nun verpasst.

Als sie nach acht Minuten auf die Südtribüne strömten, sahen sie einen Gastgeber, der extrem konzentriert und aggressiv agierte. Schon in der 9. Minute musste Franca eigentlich einen Kopfball aus fünf Metern verwerten. Das 2:0 durch einen 18-Meter-Freistoß von Marko Babic (13.) entsprach den Spielanteilen. Für Wolfsburg, das vorher auf einen zunehmend entnervten Gegner spekuliert hatte, war in diesem Moment laut ihrem konsternierten Trainer Jürgen Röber „alles über den Haufen geworfen“.

Erstaunlich genug, dass Wolfsburg danach dennoch zu Chancen kam und Marko Topic nach einer schönen Flanke des Argentiniers D’Alessandro per Kopf auf 1:2 verkürzte (21.). Zuletzt war Leverkusen, das ohne den angeschlagenen Nowotny antrat, bei solchen Rückschlägen eingebrochen. Nun aber konterte der glänzend aufgelegte Bernd Schneider, der zentral hinter den Spitzen spielte, nach einer Kopfball-Vorlage Berbatows mit dem 3:1 (31.). So richtig klar war die Angelegenheit indes erst nach dem Kopfball-Tor Francas zum 4:1 (63.), das aus stark abseitsverdächtiger Position fiel.

Vor allem über die Zuordnung regte sich Röber auf, denn hinter Franca hatte auch noch der völlig frei stehende Lucio gelauert. „Das ist eine Katastrophe“, maulte Röber, den auch das 2:4-Anschlusstor durch Klimowicz nicht zu trösten vermochte. Denn bei acht Punkten Rückstand braucht sein Team schon „eine Riesenserie“, um noch einen UEFA-Cup-Platz zu erreichen. Bayer-Coach Augenthaler hingegen freute sich über den ersten Sieg in der Rückrunde: „Wir haben gezeigt, dass unsere Kameradschaft intakt ist.“

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