Sport : Frust statt Fiesta

Confed-Cup: Spaniens Serie reißt gegen die USA

Bloemfontein - Während die Spanier nach der ersten Niederlage seit mehr als zweieinhalb Jahren und 35 ungeschlagenen Länderspielen in Serie frustriert in die Kabine flüchteten, tanzten die amerikanischen Helden ausgelassen über den Rasen. Unter den „USA, USA“-Rufen der 35 369 Zuschauer im Free State Stadium von Bloemfontein konnten sie das Gefühl genießen, die Mannschaft geschlagen zu haben, die zumindest seit dem EM-Sieg vor einem Jahr als die beste der Welt gegolten hatte. „Das ist vielleicht der größte Tag des US-Fußballs“, sagte der amerikanische Profi Landon Donovan. Nur wenige Tage zuvor hatten die Amerikaner vor dem Aus beim Confed-Cup gestanden – durch das 2:0 (1:0) am Mittwoch zogen sie nun sogar ins Finale am Sonntag in Johannesburg ein. Der Gegner wurde am Donnerstagabend nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe zwischen Gastgeber Südafrika und Brasilien ermittelt.

„Das war eine große Nacht für uns, Wahnsinn!“, schwärmte Trainer Bob Bradley nach dem Sieg des Außenseiters. „Nur noch zwei Teams haben die Chance, den Pokal in Händen zu halten – und eine davon sind wir.“ Auch der deutsche Bundestrainer Joachim Löw staunte als Tribünengast im frostig-kalten Bloemfontein über das US-Team und sprach von einer „großen Überraschung“. Die amerikanische Mannschaft sei „sehr gut organisiert“ gewesen und habe „mit riesigem Engagement“ gespielt, sagte Löw: „Den Spaniern merkte man ein wenig die Müdigkeit einer erfolgreichen und langen Saison an.“ Der Europameister hatte eine Fülle von guten Torchancen, die aber keiner der beiden Angreifer Fernando Torres und David Villa verwerten konnte. Jozy Altidore und Clint Dempsey schossen die Amerikaner dann mit ihren Toren erstmals ins Endspiel eines großen Turniers.

„Wir haben die Nummer 1 der Welt geschlagen, da haben wir natürlich auch eine Chance im Finale“, sagte Donovan. Der Mönchengladbacher Michael Bradley ergänzte: „Das ist ein großer Tag – aber unser Job hier ist noch nicht erledigt.“ Für Bradley allerdings schon. Der Sohn des Trainers wurde kurz vor Schluss nach einem Foul im Mittelfeld vom Platz gestellt. „Die Rote Karte ist egal. Das Team ist im Finale, das allein zählt“, erklärte Bradley junior. Die Aggressivität, die Leidenschaft und das Tempo, mit dem die Amerikaner den Spaniern zugesetzt hatten, waren der Schlüssel zum Erfolg. „Die anderen Mannschaften haben zu viel Respekt vor den Spaniern gezeigt. Wir waren aggressiver, wir haben ihnen auch mal wehgetan. Sie waren frustriert, sie haben geschimpft auf dem Platz“, berichtete Donovan stolz.

„Die Fiesta ist vorbei“, schrieb die spanische Zeitung „El País“, fügte aber hinzu: „Die Schlappe war jedoch nur ein Ausrutscher und sollte keine Grundsatzdebatte über das Spiel der spanischen Nationalelf auslösen.“ Der Europameister muss sich nun auf das ungeliebte Spiel um den dritten Platz vorbereiten. „Die Niederlage schmerzt. Es ist eine Schande, aber wir müssen deswegen nicht in Panik verfallen“, sagte Spielmacher Xavi. „Dieses Team hat trotzdem eine große Zukunft vor sich“, erklärte auch Nationaltrainer Vicente Del Bosque nach dem ersten Rückschlag seiner einjährigen Amtszeit. „Eines Tages musste die erste Niederlage kommen“, meinte Xabi Alonso nach der ersten Pleite seit dem 0:1 gegen Rumänien im November 2006. Aber schließlich sei der Confed-Cup nur die WM-Generalprobe, beruhigte Stürmer Torres: „Jetzt müssen wir eine neue Serie starten. Und 2010 wollen wir hier Weltmeister werden.“ dpa

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