Sport : Frust statt Finale

Bayern München blamiert sich beim 0:4 in St. Petersburg und verpasst das Endspiel um den Uefa-Cup

St. Petersburg - Wenn Erfolg zur Gewohnheit wird, dann schleicht sich schon mal Übermut ein. So erzählte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, gestern Nachmittag in St. Petersburg, dass seine Spieler „nach zwei Titeln nun unbedingt noch den Uefa-Cup gewinnen wollen“. Bis jetzt haben die Bayern erst einen Titel – auch wenn der Pokalsieger wohl Deutscher Meister werden wird. Mehr allerdings werden die Bayern in dieser Saison nicht mehr, denn der Uefa-Cup endete für die Münchner mit einer ungeahnten Blamage: Wenige Stunden nach den optimistischen Worten Rummenigges verloren die Bayern ihr Halbfinal-Rückspiel bei Zenit St. Petersburg 0:4 (0:2).

Dabei waren die Münchner gewarnt. Die gestrige Aufgabe erschien selbst für ihre Verhältnisse als eine hohe Hürde. Der Russische Meister hatte immerhin im Hinspiel ein 1:1 in München erkämpft und hatte in der Runde zuvor Bayer Leverkusen bezwungen. Zudem ist im Umfeld der vom niederländischen Trainer Dick Advocaat betreuten Mannschaft eine große Euphorie ausgebrochen: Der Uefa-Cup zählt in St. Petersburg mehr als alles andere, noch nie waren die Russen – früher stets im Schatten der Moskauer Klubs – in einem europäischen Finale.

Obwohl die Bayern um die Stärken und die Motivation des Gegners wissen mussten, spielten sie zunächst so, als würden sich die Dinge schon von selbst zu ihren Gunsten fügen. Immerhin hatte Miroslav Klose schon in der zweiten Spielminute einen Schuss in Richtung St. Petersburger Tor abgegeben, Verteidiger Roman Schirokow konnte erst auf der Linie klären. Das sah vielversprechend aus für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld, war es aber nicht. Denn gleich der erste Schuss der Russen aufs Tor der Bayern war ein Treffer: Pawel Pogrebnjak hämmerte einen Freistoß aus 20 Metern zentral aufs Tor. Der Schuss durch die Münchner Mauer wurde ermöglicht, weil Franck Ribéry zur Seite sprang.

Sein Fehler beim Freistoß passte ein wenig zum missglückten Auftritt des Franzosen, Ribéry war zwar sehr bemüht, es gelang ihm aber zu wenig. Die offensiven Aktionen der Bayern wirkten nach dem Rückstand ohnehin etwas hilflos – nur ein Kopfball von Luca Toni bedeutete in der ersten Halbzeit noch ein wenig Gefahr für das Tor der Russen. Auf der anderen Seite sah das anders aus. Die Russen waren lauf- und zweikampfstärker. Konstantin Syrjanow spurtete in den Sechzehn-Meter-Raum der Bayern, ließ dann Zé Roberto und Demichelis aussteigen und verwandelte aus sechs Metern ins linke Eck. Oliver Kahn war ohne Abwehrchance. Spätestens da gab es auf den Rängen des mit 21 500 Zuschauern gefüllten Petrowski-Stadions kein Halten mehr. Die Fans feierten, Feuerwerkskörper wurden gezündet.

Das Desaster nahm für die Bayern dann im zweiten Durchgang seinen Lauf, ihre höchste Saisonniederlage sollte noch richtig hoch werden. Viktor Faysulin gelang per Kopfball das 3:0 für Zenit. Pogrebnjak gelang sogar noch das 4:0. Die höchste Europacup-Niederlage für die Bayern seit 31 Jahren war besiegelt.

Vom Erreichen des Finales um den Uefa-Cup am 14. Mai in Manchester waren die Münchner gestern erstaunlich weit entfernt. „Wir haben eine katastrophale Leistung gebracht“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. Stürmer Luca Toni fand sogar: „Wir müssen uns eigentlich bei den Fans entschuldigen, so schlecht war das.“ Auch Karl-Heinz Rummenigge konnte seiner Mannschaft nur einen misslungenen Auftritt attestieren. Der vor dem Spiel so zuversichtliche Vorstandsvorsitzende sagte: „Die Mannschaft spielt seit Monaten drei Mal die Woche.“ Manche Spieler könnten einfach nicht mehr. Im Uefa-Cup müssen sie sich nun in dieser Saison auch nicht mehr anstrengen, die Profis aus München. Tsp

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