Sport : Frust und Hoffnung

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Und nun? Das Grundgesetz ändern, die Wirtschaft verschrotten, den Papst zwecks göttlicher Hilfe eindeutschen? Genau. Wir können Letten nicht besiegen, patzen gegen Tschechiens zweite Wahl, haben Ärger mit der EU – gerade reicht es noch zur Gewohnheit, gegen die Holländer nicht zu verlieren. Da stehen wir also, wir Deutschen, wir Pfeifen – wie das Land, so sein Fußball: zweitklassig.

Und wie wäre es, wenn wir jetzt die Trauer über das Vorrundenaus beiseite schieben, die Emotionen verdrängen, irgendwie verdrängen, mit Mühe verdrängen und Nüchternheit für die Analyse hervorzwängen? Wo sind wir dann? Und wo werden wir sein? 2006, wenn die WM im eigenen Land startet?

Ich bin fast sicher: weit. Wenn wir Ruhe bewahren, jetzt keine hysterische Trainerdiskussion beginnen, auch wenn die ängstliche Anfangsformation mit nur einem einsamen Kuranyi schon diskussionswürdig wäre (aber wahrscheinlich ist die Hoffnung nach Ruhe nur ein Wunsch). Und sonst? Ein Jens Nowotny ist unter Druck inzwischen überfordert. Christian Wörns auch. Schneider läuft etwas hinterher. Und Didi Hamann spielte nichts mehr, was den deutschen Fußball nach vorne bringen könnte. Soweit die Defizite.

Und wo ist die Hoffnung? Uns ist die Qualifikation für die WM im eigenen Land erspart geblieben. Das ist doch die Zeit für Experimente, die Zeit für Jungs wie Podolski, der rein kam und Wirbel machte, Hinkel, Lahm, Friedrich, Kuranyi, Schweinsteiger etc. Da kann man doch Hoffnung sehen und Zukunft, wie der junge Mann aus München den Ball zum Führungstor auf Ballack spielte. Es hat nicht gereicht, noch nicht. Noch ist der deutsche Fußball nicht wieder Spitze, aber bin ich Phantast, wenn ich einen Weg sehe? Die Franzosen, die wir so bewundert haben, haben zehn Jahre gebraucht für den Generationswechsel, wir sind seit der letzten EM im Jahre vier. Für Verzweiflung besteht kein Anlass.

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