Sport : Frustabbau

Warum sich Schwimmer und Funktionäre streiten

Frank Bachner

Berlin - Paul Biedermann ist gerade 17 Jahre alt. Aber bei den Junioren-Europameisterschaften 2004 im Schwimmen gewann er die 200 m Freistil in 1:48,62 Minuten. Bei den Deutschen Meisterschaften sechs Wochen zuvor hätte er damit Platz zwei belegt und sich für Athen qualifiziert. Biedermann gewann insgesamt drei Titel bei der Junioren-EM. Das ganze deutsche Team fuhr mit sieben Gold-, acht Silber- und fünf Bronzemedaillen nach Hause. Bilanz 2003: sechsmal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze.

Wenn also die fünfmalige Weltmeisterin Hannah Stockbauer erklärt, die deutsche Jugendarbeit im Schwimmen sei verbesserungsbedürftig, betreibt sie eher Frustabbau als eine Fehleranalyse. Die 22-Jährige hat bei den Olympischen Spielen in Athen versagt, ohne dafür Gründe nennen zu können. Stattdessen hat sie nun öffentlich Chef- Bundestrainer Ralf Beckmann angegriffen, ebenso Funktionäre und den Teampsychologen Ulrich Kuhl. Doch dem Angriff mangelt es aber an Substanz. Beckmann hat mit einer Mischung aus Strenge und Sensibilität zerstrittene Athleten zu einem erfolgreichen Team geformt. Auch ihm hat es Stockbauer zu verdanken, dass sie 2003 drei WM-Titel gewann. Dass sie dagegen bei der EM 2002 unterging, hat sie allein zu verantworten. Sie ließ fast keinen PR-Termin aus und ignorierte Warnungen ihres Trainers.

In Athen hat kein einziger Schwimmfunktionär Stockbauer angegriffen, Beckmann hat sie sogar vehement verteidigt. Diesen Ralf Beckmann hat Christian Keller, der Aktivensprecher der deutschen Schwimmer, am Ende von Olympia fast hymnisch gelobt. „Wir alle hoffen, dass er vielleicht sogar bis 2012 weitermacht“, verkündete Keller. Beckmann hat Strukturen geändert, er hat die Arbeit der Bundes- und der Vereinstrainer besser verzahnt. Dass jetzt auch Thomas Rupprath die Weltmeisterin Stockbauer unterstützt und sich fragt, ob es neben Beckmann auch noch den Bundestrainer Manfred Thiesmann geben muss, verstehen deshalb wenige Verantwortliche in der Schwimmszene. Thiesmann hat eine bedeutsame Aufgabe im Team.

Und der Psychologe Kuhl hatte nie die Aufgabe, Sportler einzeln zu therapieren. Er fungierte als Berater der Trainer, er sollte die Kommunikation zwischen Betreuern und Athleten optimieren. Das hat er nach Aussagen vieler Athleten auch gut gelöst.

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