Sport : Fuchs und Nationalspieler

Handballer Christian Rose hat schon 60 Länderspiele bestritten und soll nun Berlin in der Zweiten Liga zum Erfolg führen

Hartmut Moheit

Berlin - Als die Spieler der Füchse Berlin am Mittwochabend in der Max-Schmeling-Halle das nagelneue Handball-Parkett testen, muss Christian Rose zusehen. „Im Moment sind spezielle Übungen für mich wichtiger, um das frisch operierte Knie für die Saison zu stabilisieren“, sagt der 28-Jährige. „Aber am Freitag gegen Flensburg bin ich dabei.“ Das ist ohnehin erstaunlich genug. Denn Rose ist deutscher Nationalspieler, und davon gibt es in der Zweiten Liga nicht gerade viele.

Nach sechs Jahren bei Wallau-Massenheim und zuletzt bei TuSEM Essen in der Bundesliga folgte Rose vor allem dem Ruf von Bob Hanning, dem ehemaligen Kotrainer des Nationalteams und heutigen Füchse-Manager. „Ich bin jetzt drei Wochen mit den Jungs bei den Füchsen zusammen“, sagt Rose, „alles tolle Kerle, die mir auch privat schon geholfen haben.“

Bundestrainer Heiner Brand hat den Weg Christian Roses, seiner Nummer drei auf der rechten Rückraumposition, sehr genau verfolgt. Er sieht ihn „auch als Zweitligaspieler weiter im Kader der Nationalmannschaft“. Brand, der ohnehin ständigen Kontakt zu seinem ehemaligen Kotrainer Hanning pflegt, gibt aber zu: „In der Ersten Liga wäre er mir natürlich lieber gewesen.“ Als aber den Essenern die Profilizenz verweigert worden war, hatte der 60-malige Nationalspieler keine große Wahl mehr: entweder mit TuSEM in die Regionalliga oder zu den Füchsen nach Berlin.

Christian Rose ging nach Berlin und muss sich nun erst einmal an seine neue Rolle gewöhnen. Im Vergleich zu seiner Zeit in Essen verdient der gebürtige Coburger zwar 30 bis 40 Prozent weniger Gehalt, ist aber der einzige Vollprofi bei den Füchsen. „Ich bin mir bewusst, dass ich hier eine junge Mannschaft führen soll“, sagt er.

Dass ihm eine vielversprechende Leistung bereits heute im ersten Testspiel der Saison um 20 Uhr in der Schmeling- Halle gegen Pokalsieger und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt aus der Ersten Liga gelingt, findet der Linkshänder nicht ganz so wichtig. „Wir wollen schon die Kirche im Dorf lassen“, sagt er, „jedes Punktspiel in der Zweiten Liga wird einen viel höheren Wert für uns haben.“

Dennoch, gegen die Norddeutschen müssen die frisch umbenannten ehemaligen Reinickendorfer Füchse ihren Fans zumindest den Eindruck vermitteln, dass es sich lohnt, auch nach dem Umzug vom Horst-Korber-Zentrum am Olympiastadion in den Bezirk Prenzlauer Berg im Ostteil der Stadt zu ihnen zu kommen. Der namhafte Gegner, der bis auf den gerade am Knie operierten kroatischen Olympiasieger Blazenko Lackovic sein bestes Team aufbieten wird, eignet sich hervorragend für ein solches Unterfangen. Die SG fordert nicht einmal eine Antrittsprämie. Geschäftsführer Thorsten Storm spricht von einem Signal, das die Flensburger damit setzen wollen, „für ein Projekt, damit es bald wieder Erstliga-Handball in Berlin geben kann“.

Auch bei Roses ehemaligen Mitspielern hat sich die Aufbruchstimmung in Sachen Männer-Handball in Berlin bereits herumgesprochen. „Ich telefoniere laufend mit ihnen, ob mit Jan-Olaf Immel, Jens Thiedke oder Oliver Roggisch, und keiner hat an mir gezweifelt, dass ich als Nationalspieler in der Zweiten Liga gelandet bin.“ Es soll ja auch nur für eine Saison sein. In Berlin dagegen möchte Christian Rose schon ein wenig länger bleiben.

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