Füchse : Berlin als Bonus

Die Stadt ist ein großer Vorteil der Füchse beim Vertragspoker um ihre Stars Heinevetter und Laen.

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Das Gesicht der Füchse. Torwart Heinevetter mit Freundin Simone Thomalla. Foto: ddp Foto: ddp
Das Gesicht der Füchse. Torwart Heinevetter mit Freundin Simone Thomalla. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - In schwierigen Momenten schaut Bob Hanning aus seinem Bürofenster auf den Gendarmenmarkt. Damit könne er seine Stimmung eigentlich immer heben, sagt er. Derzeit aber sei der Blick auf den Platz „eher eine wohltuende Zugabe“. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin empfindet angesichts der Leistungen des Tabellendritten in der Handball-Bundesliga eine totale Befriedigung. Selbst die Gefahr, dass mit Silvio Heinevetter ein überragender Spieler das Team nach dieser Saison verlassen könnte, beunruhige ihn nicht. „Da bin ich ganz entspannt, das sehe ich auch noch nicht“, sagt Hanning. Spätestens seit Manager Thorsten Storm Interesse signalisiert hat, ist es kein Geheimnis mehr, dass die Rhein-Neckar Löwen den Nationaltorhüter gern verpflichten würden. Der Champions-League-Teilnehmer ist am Sonntag in der Schmeling-Halle zu Gast (17.30 Uhr, live bei Sport1). Zusätzliche Paraden für die Bewerbungsmappe benötigt Heinevetter nicht mehr. „Er ist für jedes Top-Team interessant“, sagt Bob Hanning und gibt unumwunden zu: „Einem deutlich besseren Angebot würden wir nicht folgen.“

Dass die Rhein-Neckar Löwen diese finanziellen Möglichkeiten haben, ist bekannt. Ihr Welthandballer des Jahres 2009, Torhüter Slawomir Szmal, wechselt nach Kielce. Am Geld wird adäquater Ersatz kaum scheitern, ob sie nun für den Dänen Niklas Landin, Mirko Alilovic aus Celje oder Heinevetter bieten. Einen Vorteil haben die Füchse, und das verschweigt auch der gerade 26 Jahre alte Heinevetter nicht: „Berlin ist eine spannende Stadt, in der ich sehr gern lebe.“

Ansonsten hält sich der Füchse-Torwart mit jeglichen Äußerungen zum aktuellen Stand der Vertragsverhandlungen zurück – aus Respekt vor den handelnden Personen, wie er es ausdrückt. Von seinem Chef Hanning ist nur zu hören, dass man in den Vorstellungen „nicht meilenweit voneinander entfernt“ sei. Hanning sagt aber auch, dass er für keinen Spieler der Welt vom wirtschaftlichen Konzept des Vereins abweiche. „Gerade war wieder ein Spielerberater aus Spanien bei mir und hat mir tolle Angebote gemacht“, sagt er. „Aber was haben wir davon, wenn wir im Dezember große Stars holen und schon im nächsten Jahr die Gehälter nicht mehr bezahlen können. Ich stehe dafür, dass das nicht passiert.“ Dass man mit solider Geschäftspolitik auch erfolgreich sein kann, stellen die Füchse derzeit in der Bundesliga unter Beweis.

Es ist unumstritten, dass Silvio Heinevetter in der Berliner Erfolgsgeschichte eine maßgebliche Rolle spielt. „Silvio ist das Gesicht der Füchse nach außen, er hat etwas zu sagen, man kann sich an ihm reiben, und seine Leistungen sind teilweise sensationell“, lobt Bob Hanning. Ende Oktober, spätestens Anfang November möchte er das Thema abgeschlossen haben, möglichst mit einem neuen Zweijahresvertrag für seinen Keeper. „Ich lasse mich niemals von Entscheidungen treiben“, bekräftigt Hanning und bezieht das auch auf den zum Saisonende auslaufenden Vertrag des Füchse-Kapitäns Torsten Laen.

Der Däne sagt dazu: „Ich bin schon über vier Jahre im Ausland und kann in meinem Alter noch in Dänemark mit Handball Geld verdienen. Ein Teil meines Herzens zieht mich zurück.“ Aber auch in diesem Fall sieht Hanning gute Chancen, seinen „Super-Kapitän“ zum Bleiben zu bringen. Ein Ziel schweißt die Füchse momentan zusammen: Europa. „Schaffen wir den Europacupplatz, dann könnten wir in der kommenden Saison damit sicherlich eine Menge mehr Geld verdienen“, so Hanning. Die Hektik, die andere beim Bezwinger von Kiel und Flensburg erzeugen wollen, will er nicht an sich heranlassen. „Wir haben derzeit im Team keine Baustellen“, sagt Hanning, als seien für ihn alle Entscheidungen bereits gefallen. Dann blickt er noch einmal gelassen aus seinem Bürofenster.

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