Füchse Berlin : Alter Trainer, neuer Mut

Die Füchse wechseln zum Saisonende zwar den Coach, aber bis dahin kämpfen sie um einen Europacupplatz.

Hartmut Moheit
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Wilczynski

Berlin - So einer wie Konrad Wilczynski, der stellt sein Handy nicht ab. Dafür ist der Österreicher in Diensten der Füchse Berlin viel zu offen in seiner Art – und freundlich jedermann gegenüber sowieso. So ließ der Linksaußen am Dienstag das permanente Klingeln über sich ergehen und beantwortete seelenruhig Fragen über Fragen. Und Wilczynski hatte – gewissermaßen als Kronzeuge – sehr viel zu erzählen. „Dagur Sigurdsson ist ein ganz feiner, geradliniger Typ“, beschrieb er unter anderem den Isländer, der ab Sommer 2009 neuer Trainer des Handball-Erstligisten sein wird. Doch irgendwann hatte er alles über jenen 35-Jährigen erzählt, mit dem er schon in Bregenz in einem Team stand, und der nun die österreichische Nationalmannschaft trainiert.

„Aber jetzt ist jetzt, wir wollen in dieser Saison noch sehr viel erreichen“, sagte Wilczynski und lenkte damit geschickt zum aktuellen Bundesliga-Geschehen über und zum Spiel gestern Abend bei der SG Flensburg-Handewitt (siehe Kasten). Der Füchse-Mannschaftsrat, zu dem neben Wilczynski noch Kapitän Petr Stochl und Kjetil Strand gehören, hat sich gemeinsam mit Trainer Jörn-Uwe Lommel und Geschäftsführer Bob Hanning extra auf dieses Spiel und danach eingeschworen. Strand konnte allerdings aktiv nicht helfen, denn seine Fußverletzung erweist sich als recht langwierig. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass er in diesem Jahr kein Punktspiel mehr bestreiten kann. Aber die besten Spiele seit dem Aufstieg im vorigen Jahr hatten die Füchse zuletzt auch ohne den norwegischen Regisseur und Rückraumschützen bestritten.

„Jetzt müssen wir nur auf uns schauen, überlegen, wo wir uns weiter verbessern können und was wir in dieser Saison anstreben“, sagte Wilczynski. Hanning wagte sogar eine klare Prognose: „In den fünf Spielen nach dem in Flensburg holen wir zehn Punkte.“ Gegen Balingen, Minden, Gummersbach, Melsungen und Stralsund. Damit hätten die Füchse aus seiner Sicht die Chance, „auf einem Europacupplatz zu überwintern“. Das eigentliche Saisonziel – Platz acht bis zwölf – möchte er dennoch nicht korrigieren. Aber ein Blick auf die Tabelle nach dem Spiel in Flensburg macht deutlich: Die Füchse liegen trotz der Niederlage als Neunte in Sichtweite zu Rang fünf. Jörn-Uwe Lommel ließ auch keine Zweifel aufkommen, dass er trotz seines Ausstiegs nach vier Jahren bei den Füchsen absolut motiviert ist. „Ich werde weiter sehr akribisch arbeiten, alles für die Füchse geben“, sagte er. „Das Berliner Handball-Projekt soll so gut wie möglich weiterentwickelt werden.“

Wenn es nach ihm ginge, sollten die Füchse nach der Aufregung der letzten Tage sofort wieder zur Tagesordnung übergehen. Im Team selbst ist der avisierte Trainerwechsel ohnehin nicht mehr das ganz große Thema. „Gerüchte in dieser Richtung gab es doch schon einige Zeit. Natürlich redet man mal darüber, aber wir sind Profis und können damit umgehen“, beschrieb Konrad Wilczynski dann noch einmal, wie der ganze Trubel im Inneren des Teams wirkte. Für viele Spieler sind jetzt Vertragsverhandlungen wichtiger, und nicht alle werden ein neues Angebot bekommen. Aber dazu wollte sich Wilczynski dann doch partout nicht äußern. Sein Kontrakt läuft bis 2011, solange, wie zunächst auch der von Dagur Sigurdsson.

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