Füchse Berlin : Bietigheim vor der Nase, Europa im Sinn

Die Füchse Berlin nähern sich der entscheidenden Saisonphase mit zwei Finalturnieren. Doch die Berliner Handballer ringen weiter um Konstanz.

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Trainer Dagur Sigurdsson.
Trainer Dagur Sigurdsson.Foto: dpa

Silvio Heinevetter kann die Frage mittlerweile nicht mehr hören, und vielen seiner Teamkollegen geht es genauso. Deshalb hat der Torhüter der Füchse Berlin kürzlich einen Satz von sich gegeben, der in etwa erahnen lässt, was sie im Verein im Allgemeinen so halten von der laufenden Bundesliga-Saison: „Ich habe seit geraumer Zeit nicht mehr auf die Tabelle geschaut.“ Andernfalls wäre Heinevetter noch einmal schwarz auf weiß vor Augen geführt worden, was quasi Gewissheit ist: Nach einer durchwachsenen Spielzeit werden sich die Berliner zum ersten Mal seit Jahren nicht auf direktem Weg über die Bundesliga für den Europapokal qualifizieren, sondern bestenfalls über den DHB- respektive EHF-Pokal. Selbst ein Sieg im heutigen Heimspiel gegen Bietigheim (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) dürfte daran nichts ändern. Der Aufsteiger aus dem Schwabenland ist übrigens – kleiner Hinweis für Silvio Heinevetter – abgeschlagener Tabellenletzter.

So gesehen überrascht es nicht, dass sich die Berliner am heutigen Tag zunächst mit anderen Gegnern als jenem aus Bietigheim werden beschäftigen müssen. Vor dem Anpfiff des Bundesliga-Spiels findet die Auslosung für das Finalturnier im EHF-Cup statt, das am Wochenende 16./17. Mai in Berlin ausgetragen wird. Im Lostopf befinden sich neben dem alten Lieblingsrivalen HSV Handball der dänische Vertreter Skjern HB sowie Gorenje Velenje aus Slowenien. Bis zum Halbfinale im DHB-Pokal am 9. Mai gegen Magdeburg ist es das vorläufig letzte Pflichtspiel der Füchse, weil der Klub seine Auswahlspieler danach für Nationalmannschaftslehrgänge und die anstehende EM-Qualifikation abstellen muss.

Ist es in dieser Phase nicht enorm schwierig, den Kader für derart belanglose Begegnungen wie gegen Bietigheim zu motivieren und bei Laune zu halten, zumal erfahrene Kräfte wie Konstantin Igropulo, Iker Romero, Evgeni Pevnov oder Petar Nenadic den Verein am Saisonende verlassen? Trainer Dagur Sigurdsson bestreitet diesen Verdacht mit Nachdruck. „Im Gegenteil: Es hilft sogar, dass wir zwei große Finalturniere vor den Augen haben“, sagt der Isländer. „Alle wollen zu diesem Zeitpunkt fit sein, wollen Spielanteile bekommen“, ergänzt der Trainer, „deshalb muss jeder bis zum Schluss mitziehen.“ Neben dem üblichen Anspruchsdenken eines hauptberuflichen Trainers steckt hinter Sigurdssons Aussagen in allererster Linie der Wunsch, seine sechste und letzte Saison bei den Füchsen mit einem weiteren Titel zu veredeln. Ab Sommer arbeitet der 42-Jährige nach sechs Jahren in Berlin bekanntlich nur noch als deutscher Nationaltrainer.

Um seinem Wunsch entsprechen zu können, sollten sich die Berliner schleunigst von den Leistungsschwankungen verabschieden, die sie seit Monaten begleiten. „Wir sind schon weiter als noch in der Hinrunde“, sagt Sigurdsson, „aber wir haben trotzdem noch regelmäßig schlechte Phasen drin – das darf uns einfach nicht passieren.“ Andernfalls droht tatsächlich eine Saison ohne Europapokalteilnahme. Es wäre ein trauriges Ende der Ära Sigurdsson.

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