Füchse Berlin : Das Ende vom Anfang

Die Handballer der Füchse Berlin haken Saison ab und planen Großes für die kommende Spielzeit. Mit dem Zuschauerzuspruch sind die Füchse schon jetzt sehr zufrieden.

Hartmut Moheit

Am späten Samstag saßen sie alle noch einmal beim Essen zusammen, Geschäftsführer Bob Hanning, Trainer Jörn-Uwe Lommel mit seiner Frau und die Gesellschafter der Füchse Berlin. „Es ist in den zurückliegenden Wochen sehr viel passiert, oft wurde auch der Stil nicht gewahrt, aber es gibt immer ein Leben danach“, beschreibt Hanning den Anlass und die Stimmung an diesem Abend. Der gelungene Saisonabschluss zuvor, den die Bundesligaprofis beim 40:33 (22:16) gegen Melsungen regelrecht zelebriert hatten und der mit Rang zehn und 30 Pluspunkten die Erfüllung des Saisonziels bedeutete, ließ auch nicht anderes erwarten. Ende gut, alles gut?

„Jein, ein paar Dinge müssen schon aufgearbeitet werden“, sagt Hanning. Vor allem mit Blick auf die sehr anspruchsvolle Zielstellung für die neue Saison, die für die Füchse am 5. September in Minden beginnen wird, ist er mit der Entwicklung einiger Spieler nicht zufrieden. „Von Kreisspieler Rico Göde und Rechtsaußen Markus Richwien hatte ich eine schnellere Entwicklung erwartet, da sehe ich noch ein deutliches Steigerungspotenzial“, sagt Hanning. Dass diese Einschätzung auch auf andere zutrifft, hatte er zuvor mit der Verkürzung der Vertragslaufzeiten von Mark Bult und Kjetil Strand verdeutlicht. Er spricht auch von einem „Sättigungsprozess“, der nach der Bekanntgabe der Trennung von Trainer Lommel und sechs Spielern zum Saisonende sehr früh eingesetzt habe. Hanning gibt selbstkritisch zu: „Das habe ich unterschätzt.“

Doch selbst die lange Negativserie in diesem Jahr führte nicht dazu, dass sich die Fans von den Füchsen abwandten – im Gegenteil. Mit gut 7000 Zuschauern im Durchschnitt stehen die Berliner in ihrem zweiten Erstligajahr in der Statistik auf Rang vier. Gern erinnert Hanning daran, dass „im ersten Jahr gerade mal 17 Dauerkarten verkauft worden waren“. Jetzt sind es über 2000. „Unser Projekt ist in der Stadt voll angenommen worden, wir haben uns etabliert“, sagt Hanning.

Das alles sei nur ein Vorgeplänkel gewesen zu dem, was jetzt kommen soll. Schon der Gegner im Saisoneröffnungsspiel am 27. August, der Champions-League-Sieger Ciudad Real aus Spanien, kann als Symbol dafür gewertet werden. Der Blick geht eindeutig nach oben, „zunächst in Richtung Platz sechs bis acht und damit Europacupplatz“, wie es Hanning ausdrückt. Dafür haben sich die Füchse auch ganz wesentlich verstärkt. Von Ciudad Real kommt der Däne Torsten Laen, aus Aragon in Spanien der 34 Jahre alte Norweger Stian Vatne, aus Island Runar Karason und vom SC Magdeburg Nationaltorhüter Silvio Heinevetter. „Diese Verpflichtungen bedeuten für uns eindeutig einen Schritt in Richtung internationalen Handball“, sagt Dagur Sigurdsson, der neue Füchse-Trainer. Er steht ab Mitte Juli vor der Aufgabe, sehr schnell ein neues Team zu Formen.

Dafür werden die Profis in ein Trainingslager nach Naumburg fahren, dort allerdings nicht allein den Verein präsentieren. „Von der C-Jugend bis zu den Profis werden dort Füchse-Teams die neue Saison angehen“, sagt Bob Hanning. Bei aller internationaler Ausrichtung im Team und der Saisonzielstellung, die eigene Nachwuchsentwicklung bleibt parallel dazu ein Hauptanliegen. „So wird eben Vormittags der C-Jugend-Torwart auch mit einem Heinevetter, dem Vorbild, trainieren“, kündigt Hanning an. Die von ihm sehr oft betonte „Berlinisierung der Füchse“, war schon dem scheidenden Trainer Jörn-Uwe Lommel sehr wichtig, Dagur Sigurdsson denkt ebenso.

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