Füchse Berlin : Die Füchse als lässige Beobachter

Weil die Konkurrenz in der Handball-Bundesliga patzt, steuern die Füchse trotz der Niederlage in Kiel auf die Champions League zu.

Erik Eggers
Händeringen. Kiels Henrik Lundström (rechts) schnappt dem Berliner Markus Richwien um Fingerbreite den Ball weg. Foto: Fishing4
Händeringen. Kiels Henrik Lundström (rechts) schnappt dem Berliner Markus Richwien um Fingerbreite den Ball weg. Foto: Fishing4Foto: Fishing4

Christian Sprenger, Rechtsaußen des THW Kiel, hat über seinen Kumpel Silvio Heinevetter vor ein paar Wochen berichtet, er habe in seinem Schrank mehr Mützen als Unterhosen. Am Sonntagabend präsentierte der Handballtorwart in Kiel eine extravagante Ausgabe seiner Sammlung: Etwas, das wie ein Tigerkopf aussah, und an diesem Kopf bommelten zwei längere Zöpfe, ebenfalls im Tigerchic gehalten. „Gut siehst Du aus“, frotzelte THW-Trainer Alfred Gislason, der Heinevetter aus gemeinsamen Magdeburger Zeiten kennt, im Kabinentrakt. „Ich wäre froh, wenn ich das gleiche von Dir sagen könnte“, zeigte sich Heinevetter schlagfertig und verließ lachend die Halle.

Der Humor, das erzählte diese Szene, ist den Füchsen Berlin in der Kieler Arena nicht abhanden gekommen, trotz der herben 26:35 (13:16)-Niederlage beim deutschen Rekordmeister. Dass der THW ihnen nun den zweiten Platz wieder abgenommen hat, nahmen die Gäste recht lässig zur Kenntnis. Denn sie hatten sich keineswegs desolat präsentiert. Sondern bis zur 40. Minute die Kieler Rückraumstars mit ihrer aggressiven 6:0-Deckung und lang vorgetragenen Angriffen ziemlich genervt.

Das Lob, das Gislason danach seinem isländischen Landsmann bei den Füchsen Dagur Sigurdsson zollte, war daher keineswegs ironisch gemeint. „Wir haben nur deshalb gewonnen, weil wir heute eines unserer besseren Spiele gezeigt haben“, sagte Gislason. „Berlin ist eine sehr starke Mannschaft geworden über die Jahre. Und wenn wir nicht aufpassen, können sie sehr schnell wieder Zweiter werden.“ Auch Füchse-Manager Bob Hanning mochte sich nicht grämen über den Zusammenbruch zwischen der 46. und 50. Minute, als Kiel von 25:21 auf 31:21 davonzog. Er genoss vielmehr die Handballkunst des THW. „Wenn der THW mit solch einer Dominanz auftritt, dann macht mir selbst das Zuschauen Spaß. Das war der THW Kiel, wie man ihn auch zu absolut guten Zeiten gesehen hat.“

Die Gründe für die Niederlage sah Hanning in der WM. Den zwei Hauptfiguren der Berliner Erfolgsserie im Herbst, dem isländischen Linkshänder Alexander Petersson und dem polnischen Regisseur Bartlomiej Jaszka, stecken die Belastungen des Weltturniers noch in den Knochen. Da half dann auch der starke Auftritt des Halblinken Sven-Sören Christophersen (sechs Tore) nicht. Als Jaszka heraus musste, habe man die Linie etwas verloren, analysierte Sigurdsson lakonisch. Viel wird davon abhängen, ob sich Jaszka und Petersson wieder fangen in den nächsten Wochen

Trotz der Niederlage ist der dritte Platz, der die Champions-League-Teilnahme sichert, keineswegs unrealistisch, denn die Rhein-Neckar Löwen, die ärgsten Verfolger, leisteten sich ein 26:26-Remis gegen Wetzlar und weisen vier Punkte Rückstand auf. Voraussetzung ist allerdings, dass der dünne Kader verletzungsfrei bleibt, das weiß auch Sigurdsson. „Wenn wir unserer Linie treu bleiben, werden wir zu Hause schwer zu schlagen sein und auswärts auch einige Punkte holen“, sagte der 37-Jährige. „Wo wir dann im Juni stehen, weiß ich auch nicht. Wenn wir Glück haben, kommen wir durch, aber es kann sich auch schnell ändern.“

Übersetzt heißt dies: Bleiben alle gesund, spielen die Füchse nächste Saison in der Champions League.

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