Füchse Berlin : Droht eine Saison voller Rückschläge?

Die deutliche Heimniederlage gegen Meister THW Kiel zeigt, wie weit die Füchse Berlin derzeit in der Handball-Bundesliga hinter ihren eigenen Ansprüchen zurückbleiben.

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Gesprächsbedarf. Trainer Dagur Sigurdsson im Dialog mit Kapitän Iker Romero.
Gesprächsbedarf. Trainer Dagur Sigurdsson im Dialog mit Kapitän Iker Romero.Foto: Imago

Dominik Klein konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er auf die Szene angesprochen wurde. „Das war sicherlich nicht die anspruchsvollste Aufgabe meiner Karriere“, sagte Klein. Weil die Füchse Berlin im Punktspiel gegen den THW Kiel über weite Strecken mit sieben Feldspielern und ohne Torhüter agierten, durfte der Kieler Linksaußen bei einem Tempogegenstoß ins leere Tor des Gegners werfen, nichts leichter als das. Umso erstaunlicher war, dass Klein seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 30:20 wie das Siegtor in einem Europapokalfinale bejubelte; mit lautem Schrei, geballten Fäusten und einem Blick auf die Bank, die ebenso exzessiv feierte.

„Das war Ausdruck der Erleichterung in der gesamten Mannschaft“, sagte Kiels Trainer Alfred Gislason später, „wir haben heute endlich mal so dominant gespielt, wie ich es mir vorstelle.“ Der 38:27-Sieg in Berlin, nach einem durchwachsenen Start des THW war er auch ein Signal an die Konkurrenz. „Wenn wir immer so spielen, wird es sehr schwer, uns zu schlagen“, ergänzte Gislason.

So unbestritten stark der Auftritt der Kieler am Samstag in der Max-Schmeling-Halle war, so verdeutlichte er aber auch die Diskrepanz zwischen dem amtierenden Meister aus Schleswig-Holstein und dem DHB-Pokalsieger aus Berlin. „Man rechnet sich vor jedem Spiel etwas aus“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, „aber heute waren wir chancenlos.“ Für das Tabellenbild bedeutete die vierte Niederlage der Füchse im achten Pflichtspiel der Saison den Absturz auf Rang zehn. Weil sich die Macher der Vereinshomepage irgendwann darauf verständigt haben, Niederlagen rot und Siege grün zu kennzeichnen, ist es mittlerweile doch ungewohnt rot geworden im Spielplan. „Ich weiß gar nicht, wann wir zuletzt so viele Minuspunkte zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison hatten“, sagte Kapitän Iker Romero.

In der vergangenen Hinrunde gaben die Füchse auch nur acht Punkte ab

Es war auf jeden Fall vor der Zeit des Spaniers, der mittlerweile in der vierten Saison für die Füchse spielt. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison haben die Berliner in der gesamten Hinrunde, also in 17 Spielen, acht Punkte an die Konkurrenz abgegeben, in der laufenden Spielzeit haben sie das in gerade mal acht Begegnungen geschafft. Angesichts dieser Statistik, aber auch basierend auf den Eindrücken der noch jungen Saison ist es keine gewagte These, zu behaupten, dass den Füchsen nach Jahren des sportlichen Aufstiegs eine Durchschnittssaison droht. Womöglich findet sie ihr Ende im Niemandsland der Tabelle, also irgendwo zwischen Rang sieben und elf. Nicht weniger frustrierend dürfte für alle Beteiligten der Fakt gewesen sein, dass es in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Max-Schmeling-Halle die höchste Heimniederlage seit eineinhalb Jahren setzte.

„Nach so einem Auftritt kann das nächste Spiel gar nicht früh genug kommen. Da will man sofort wieder auf die Platte und es besser machen“, sagte Trainer Sigurdsson, „ich hoffe, dass meine Spieler der gleichen Meinung sind.“ Zumindest diejenigen, die daran mitwirken können, die Lage wieder zu verbessern.

„Unsere Saison hat ja mit einigen Rückschlägen begonnen“, sagte Manager Bob Hanning mit Verweis auf die Vielzahl verletzter Stammspieler, die noch immer nicht genesen sind. „Unabhängig von dieser Situation müssen wir uns aber hinterfragen, was im Moment funktioniert und was nicht“, ergänzt Hanning. Zur letzten Kategorie gehört ohne Zweifel das Defensivverhalten der Füchse. „In den letzten Jahren war die Abwehr immer ein Faktor, der uns stark gemach hat“, sagt Hanning, „da müssen wir wieder hinkommen.“ Bis zum 26. Oktober hat die Mannschaft vier Mal Gelegenheit dazu, gegen Erlangen, Wetzlar, Melsungen und Nettelstedt. „Diese vier Spiele müssen gewonnen werden, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich erwarte ein deutliches Signal von der Mannschaft“, sagt Hanning.

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