Füchse Berlin : Fabian Wiede: Der Vorzeige-Nachwuchsspieler

Fabian Wiede von den Füchsen Berlin ist vor dem Heimspiel gegen Hannover wegen starker Leistungen wieder ins Nationalteam berufen worden.

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Fulminante Rückkehr. Fabian Wiede hat wegen schwacher Leistungen die WM verpasst, jetzt zeigt er sein großes Talent.
Fulminante Rückkehr. Fabian Wiede hat wegen schwacher Leistungen die WM verpasst, jetzt zeigt er sein großes Talent.Foto: dpa

Im Prinzip hätte er die E-Mail vom Bundestrainer gar nicht öffnen müssen, der Inhalt war ja bekannt. Aus Gründen der Fürsorge hat es Fabian Wiede dann doch getan und noch einmal schwarz auf weiß nachgelesen, was ihm sein Vereinstrainer bereits tags zuvor eröffnet hatte: dass Wiede wieder zum Kreis der Handball-Nationalmannschaft gehört. Dagur Sigurdsson hat den 21-Jährigen zum ersten Lehrgang der Saison 2015/16 eingeladen, zum Supercup vom 6. bis 8. November also. Die Nominierung ist der Lohn für konstant gute Leistungen des Rückraumspielers in den zurückliegenden Wochen und Monaten. Dass sein Klub, die Füchse Berlin, vor dem Heimspiel gegen Hannover-Burgdorf (15 Uhr, Schmeling-Halle) mit bisher nur einer Niederlage die nach Minuspunkten drittbeste Mannschaft der Liga sind, liegt nicht zuletzt an Wiede.

„Fabi hat eine unglaublich positive Entwicklung genommen“, sagt Bob Hanning, der Manager der Füchse und ehemalige Jugendtrainer Wiedes, „im Moment gibt es wenige bessere Linkshänder in Deutschland.“ Steffen Weinhold vielleicht, den trickreichen Kieler, aber der ist zehn Jahre älter und einige internationale Turniere erfahrener als Wiede. Zudem sind gute Linkshänder ohnehin eine seltene Spezies im Vergleich zu ihren Kollegen, die mit rechts werfen. Deshalb ist das Lob noch einmal als besonders groß einzuschätzen.

Wiede ist neben dem an der Schulter verletzten Paul Drux so etwas wie der Vorzeige-Nachwuchsspieler der Füchse und hat sich besonders während der Abwesenheit von Drux in den Vordergrund gespielt. Es ist allerdings auch noch nicht lange her, dass er weit weniger unumstritten war. In der Jugend kam es schon mal vor, dass sich seine Kollegen beim Trainer über Wiede beschwerten. „Das war keine einfache Zeit, weil sich Fabi noch selbst gesucht hat“, sagt Hanning, „es hat seine Zeit gedauert, bis er gelernt hat, dass man sich in einem Teamsport auch mal unterordnen muss.“ Diese Erkenntnis, gepaart mit großem Talent und Fleiß, haben ihn schließlich zu dem gemacht, der er heute ist: ein für sein Alter ziemlich kompletter Spieler, torgefährlich, physisch gut und auch für die Drecksarbeit in der Defensive zu gebrauchen. Sprich: ein Spielertyp, wie ihn auch Bundestrainer Sigurdsson mag.

"Fabian ist ein richtiger Siegertyp"

„Vielleicht ist es ein Vorteil, dass mich Dagur noch aus der Zeit bei den Füchsen kennt“, sagt Wiede, „aber ich glaube, dass er vor allem nach sportlichen Aspekten aufstellt.“ Und da ist der junge Mann aus Bad Belzig über jeden Verdacht erhaben. „Fabi ist ein richtiger Siegertyp“, sagt Hanning, „das war er schon in der Jugend.“ Vielleicht hin und wieder eine Spur zu egoistisch, aber eben auch furchtlos, wenn es gilt, Verantwortung zu übernehmen. Die Bilanz jedenfalls spricht für Wiede: Seitdem er vor sieben Jahren aus dem Nachwuchs des VfL Potsdam zu den Füchsen gewechselt ist, hat er sieben Titel gewonnen, vier in der Jugend, drei mit den Profis. Das Vertrauen, das sie auch in schwierigen Zeiten in Wiede gesetzt haben, hat er längst zurückgezahlt. „Man merkt, dass er jetzt ein erwachsener Mann ist“, sagt Hanning.

Wiede selbst sagt, dass er den Sprung zu den Profis bei einem anderen Verein vielleicht gar nicht geschafft hätte. Die sogenannte Anschlussförderung, also der Übergang vom Talent zum A-Nationalspieler, war über Jahre eines der zentralen Probleme im deutschen Handball – weil den Talenten oft durchschnittliche Spieler aus dem Ausland vorgezogen wurden. Bei den Füchsen sind sie bewusst einen anderen Weg gegangen. „Selbst wenn ich einen schlechten Tag hatte, wusste ich, dass ich wieder meine Chance kriegen würde“, sagt Wiede, „das war sehr beruhigend.“

Für seine erste richtige Schwächephase als Profi hatte sich Wiede zwar einen denkbar schlechten Zeitraum ausgesucht: die Monate vor der WM im Januar 2015, weshalb er das Turnier in Katar verpasste. Andererseits ist er umso stärker zurückgekommen. Im Januar findet die EM in Polen statt, „und es gibt sicher schlechtere Zeichen, als drei Monate vorher in den Kader berufen zu werden“, sagt Wiede.

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