Füchse Berlin gegen SC Magdeburg : Das Duell der isländischen Trainer

Geir Sveinsson gegen Dagur Sigurdsson: Das Handball-Spiel SC Magdeburg gegen Füchse Berlin am Mittwoch ist auch das Duell zweier Isländer - und zweier Freunde.

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Magdeburgs Trainer Geir Sveinsson. Foto: p-a/dpa
Magdeburgs Trainer Geir Sveinsson.Foto: p-a/dpa

Geir Sveinsson kennt die Zahlen natürlich, was für eine Frage. Der 50-Jährige ist von Beruf Handballtrainer, und Handballtrainer mögen Statistiken. Zudem gilt er, wie eigentlich alle isländischen Kollegen, als besonders akribisch. Zehn Spiele also, so oft hat sein Klub in der Bundesliga zuletzt nicht mehr gewinnen können gegen die Füchse Berlin. Beziehungsweise: sein neuer Klub. „Ich war bislang nie dabei“, sagt Geir Sveinsson. Erst seit der Sommerpause trainiert er den SC Magdeburg, „und deshalb möchte ich über die Zeit davor auch nicht gern sprechen“. Klar ist für ihn nur: „Ich wünsche mir, dass diese Serie reißt.“ Am Mittwoch, im Verfolgerduell der Handball-Bundesliga zwischen dem SCM und den Füchsen Berlin (20.15 Uhr, live bei Sport1). Bei den Berlinern wird Fredrik Petersen fehlen: Der Linksaußen zog sich am Samstag in Nantes eine Zerrung am vorderen Kreuzband im linken Knie zu und fällt bis zum Jahresende aus.

In der Tabelle stehen beide Teams nah beieinander

Die Magdeburger erleben im Moment eine ungewöhnliche Glückssituation: Mit 19:11 Punkten stehen sie in der Tabelle vor den benachbarten Füchsen (18:12) auf Rang fünf, und der gute Saisonstart wird nicht zuletzt Sveinsson zugeschrieben. Auf der Trainerposition sollte nach einer enttäuschenden Saison wieder Beständigkeit einziehen beim Traditionsklub, die Voraussetzungen brachte der Neue auf dem Papier mit: vier Auslandsstationen als Profi, 340 Einsätze für sein Heimatland, Rekordnationalspieler. „Es macht mir Spaß. Magdeburg ist eine Handball-Stadt, die Stimmung in der Halle ist super, viele Emotionen“, sagt Sveinsson, „aber ich weiß auch, dass die Erwartungen hier immer groß sind.“

Große Erwartungen, das kennt sein Berliner Kollege, der rein zufällig auch Isländer ist. Und ein guter Freund dazu. Mit Füchse-Coach und Bundestrainer Dagur Sigurdsson, 41, hat Sveinsson gemeinsam im Nationalteam und Ende der Neunziger in Wuppertal gespielt, „wir kennen uns schon sehr lange“. Sigurdsson hat einmal erzählt, wie er und andere Jungnationalspieler damals aufschauten zu Kapitän Sveinsson. Später nahm der Rekordnationalspieler wie Sigurdsson vor ihm als Trainer von A1 Bregenz den Umweg Österreich, um schließlich eine Anstellung in Deutschland zu finden.

Sveinsson soll junge Spieler zu Profis formen

„Ich habe Dagurs Weg in den letzten Jahren beobachtet, er hat in Berlin eine ganz starke, erfahrene Mannschaft aufgebaut. Davor habe ich großen Respekt“, sagt Sveinsson vor dem ersten Duell der beiden Freunde als Bundesliga-Trainer. Ähnliches wünschen sich Verantwortliche und Fans in Magdeburg auch von ihrem Isländer. Perspektivisch will der Klub wieder dauerhaft international spielen und den Kader entsprechend verstärken. In der vorigen Woche überraschte der SCM dabei gleich mit einer interessanten Personalie, als der Klub die Verpflichtung von Finn Lemke zur Saison 2015/16 bekannt gab. Der 22-Jährige, 2,10 Meter groß und aktuell in Diensten des TBV Lemgo, gilt neben Paul Drux von den Füchsen als der kommende Mann im deutschen Handball auf der Position im linken Rückraum.

Sveinsson wird auch daran gemessen werden, ob es ihm – wie Sigurdsson in Berlin – gelingt, aus Jungprofis gestandene Bundesliga-Spieler zu formen. „Dafür müssen wir auch Zeit einplanen“, sagt Sveinsson, der in Magdeburg zunächst bis 2016 unter Vertrag steht. Erschwerend zu den großen Erwartungen kommt hinzu, dass die Bundesliga in diesem Jahr sehr ausgeglichen ist: Kurz vor Abschluss der Hinrunde trennen die fünftplatzierten Magdeburger nur vier Punkte von Rang 13. „Es ist die stärkste Handball-Liga der Welt“, sagt Sveinsson, „wenn man einen Gegner nicht ernst nimmt, bekommt man große Probleme.“

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