Füchse Berlin gewinnen Klub-WM : Petr Stochl rettet Sieg und Etat

Im Klub-WM-Finale besiegen die Füchse Berlin MVM Veszprem 28:27 und sichern dabei die Summe, die in Ermangelung eines Hauptsponsors bislang fehlte.

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Machte sein wohl bestes Spiel im Trikot der Berliner: Torwart Petr Stochl.
Machte sein wohl bestes Spiel im Trikot der Berliner: Torwart Petr Stochl.Foto: Imago/Sebastian Wells

Als die Sirene ertönte, stürmten sie alle auf ihn los, weil sie genau wussten, bei wem sie sich zuallererst zu bedanken hatten. Von ganz jung bis... nun ja, ganz alt ging leider nicht, da hätte sich Petr Stochl schon selbst umarmen und knuddeln müssen. Mit seinen 39 Jahren ist der Torhüter nicht nur erfahrenster, sondern auch mit Abstand dienstältester Angestellter bei den Füchsen Berlin – und am Donnerstagabend war wieder einmal zu sehen, warum ihn der Handball-Bundesligist noch nicht in die Sportlerrente entlassen hat

Im Finale um den „Super Globe“ zeigte Stochl sein vielleicht bestes Spiel im Trikot der Berliner und verhalf seinem Team zum Sieg bei der Weltmeisterschaft für Klubmannschaften. In der Duhail Sports Hall von Doha setzten sich die Berliner nach Verlängerung mit 28:27 (24:24, 15:13) gegen das ungarische Spitzenteam MVM Veszprem durch. Die Berliner krönten damit ihren viertägigen Ausflug nach Katar: Nach dem THW Kiel (2011) sind sie erst der zweite deutsche Klub, der das vom Weltverband IHF ausgerichtete Turnier gewinnen konnte – und der erste, dem das als eingeladener Teilnehmer, sprich: dank einer Wildcard, gelang.

Neben dem Titel durften sich die Füchse als finanziellen Lohn für einen berauschenden Abend auch über einen hübschen Scheck in Höhe von 400.000 Dollar freuen – ziemlich genau jene Summe also, die ihnen in Ermangelung eines Hauptsponsors bislang gefehlt hatte im Jahresetat. Um den Erfolg – abgesehen von Geld – tatsächlich und emotional zu bewerten, genügte nach der Schlusssirene aber ein Blick in die abgekämpften Gesichter aller Beteiligter. Silvio Heinevetter etwa hatte Tränen in den Augen, ebenso der junge Willy Weyhrauch. Und Petr Stochl rannte einfach nur noch wild schreiend durch die Halle. Es war, daran bestand kein Zweifel, ein historischer Abend für den Bundesligisten.

Dank des überragenden Petr Stochl konnten sich die Berliner schnell eine kleine Führung erspielen

Zwei Tage nach dem sensationellen Halbfinal-Sieg gegen den amtierenden Champions-Leauge-Sieger FC Barcelona begannen die Berliner so entschlossen, wie es dem Anlass angemessen war. Dank eines von Beginn an überragenden Petr Stochl im Tor konnten sie sich schnell eine kleine Führung erspielen (7:4). Die Internationalmannschaft der Ungarn, gespickt mit alten und nicht ganz so alten Starspielern aus aller Herren Länder, ließen sich aber nie abschütteln, auch nach der Pause (15:13) nicht.

In der zweiten Halbzeit sahen geschätzte 2000 Zuschauer ein hochklassiges und an Dramatik schwer zu übertreffendes Match, beide Teams bearbeiteten sich nach allen legalen und illegalen Regeln der Kunst. Mit Ablauf der regulären Spielzeit nagelte Rückraumspieler Fabian Wiede einen Wurf an das Lattenkreuz, zuvor hatten beide Teams mehrfach die Chance vergeben, sich entscheidend abzusetzen – weil sie entweder an Stochl oder dem nicht weniger glänzenden Mirko Alilovic im Tor der Ungarn gescheitert waren.

In der Verlängerung kassierten die Berliner schnell zwei Gegentore und schienen das Spiel beim 24:26 aus der Hand zu geben. Dann trafen nacheinander die Neuzugänge Drago Vuckovic und Kent Robin Tönnesen und drehten ein Spiel, an das sie sich bei den Füchsen noch lange erinnern werden.

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