Füchse Berlin : Handball auf Probe

Die Füchse Berlin suchen einen Linkshänder – der Kroate Sekulic wird getestet, vielleicht auch der Tunesier Sioud.

Hartmut Moheit

BerlinEs ist wie vor einer Ziehung im Lotto: Man träumt vom Hauptgewinn, hofft auf die kleinste Quote und befürchtet, dass gar nichts herauskommt. In einer ähnlichen Situation befindet sich Jörn- Uwe Lommel, obwohl er einschränkend feststellt: „Den ganz großen Treffer können wir so kurz vor dem Saisonstart nicht mehr landen.“ Große Euphorie vor der Erstligapremiere sieht anders aus als jene Stimmung, die bei den Füchsen Berlin derzeit herrscht. Nachdem Mark Bult am Knie operiert werden musste, geht beim Aufsteiger in die Handball-Bundesliga die Unsicherheit um.

Seitdem wartet Lommel jeden Tag auf den erlösenden Anruf von Geschäftsführer Bob Hanning. Bei ihm hat er zuletzt regelrecht um einen neuen Linkshänder gebettelt. Der Coach sagt: „Wir sind nicht blauäugig, ohne Linkshänder im halbrechten Aufbau haben wir in der Bundesliga kaum Chancen.“ Lommel erklärt, warum das so ist: „Da fast alle Teams mit einer 6:0-Deckung spielen, sind Rechtshänder auf der halbrechten Position leicht auszurechnen.“ So blieben Überraschungsmomente aus, auch der gegnerische Torhüter stehe beim Wurf eines Rechtshänders von rechts im besseren Winkel.

Der Erste, den die Füchse vermittelt bekommen haben, war der zwei Meter große Kroate Andrej Sekulic. Doch Lommel bleibt nach dessen erstem Training in Berlin skeptisch: „Er ist ein Weltenbummler, der bisher immer die beste Lösung für sich gesucht hat. Ich weiß nicht, ob er uns mit dieser Haltung wirklich helfen kann. Wir definieren uns nun mal über Tempo und Athletik.“ Solange Sekulic aber keinen Vertrag bekommen hat, kann er in offiziellen Spielen nicht getestet werden. Dabei gäbe es heute die ideale Gelegenheit dazu. Ab 18 Uhr spielen die Füchse beim Swiss-Life-Cup in der Kiriat-Bialik-Halle in Lankwitz gegen die Schweizer Spitzenteams Kadetten Schaffhausen und Grasshopper Zürich.

Lommel aber kann in Sachen Linkshänder weiterhin nur auf seine Trainingseindrücke bauen. Möglicherweise präsentiert ihm Bob Hanning in den nächsten Tagen noch einen weiteren Kandidaten – das könnte Sobhi Sioud sein. Der 32 Jahre alte tunesische Nationalspieler trainiert beim französischen Champions-League-Teilnehmer Montpellier. Aber auch Sioud dürfte, ähnlich dem Kroaten Sekulic, eher nur einer kleiner Gewinn für die Füchse sein, sonst wäre er in Montpellier schon gebunden.

Warum Bob Hanning sich überhaupt auf ein solches Vabanquespiel einlässt, ist der Situation bei den Füchsen geschuldet. Der junge, talentierte Linkshänder Gabor Langhans, gerade vom Pfeifferschen Drüsenfieber genesen, steht noch am Anfang seiner Karriere. Es bleiben als Notlösung mit Pavel Prokopec und Frank Schumann zwei Rechtshänder.

Mit Mark Bult war die Position einmal optimal besetzt. „Ich bin so sauer, dass ich nicht spielen kann“, sagt der Holländer, der am Montag aus dem Krankenhaus entlassen wurde. „Jetzt beginne ich mit dem Reha-Training, die Kniebeugung bekomme ich schon wieder mit 60 Grad hin“, berichtet Bult. Er war als Spieler ein Hauptgewinn für die Füchse – bis er sich verletzte.

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