Füchse Berlin : Handballer in einer neuen Krise

Die Füchse-Handballer sind sich nach der Pleite in Hamburg selbst ein Rätsel. Der Blick auf die nächsten Spiele macht Sorge.

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Schon wieder aufgehalten. Den Handballern der Füchse Berlin geht es wie ihrem Angreifer Iker Romero (mit Ball) in Hamburg: Sie können sich in dieser Saison in der Bundesliga nicht so wie erwartet durchsetzen.
Schon wieder aufgehalten. Den Handballern der Füchse Berlin geht es wie ihrem Angreifer Iker Romero (mit Ball) in...Foto: dpa

Wer diesem Abend tatsächlich noch eine gute Nachricht aus Berliner Sicht abgewinnen wollte, der musste schon kreativ sein. Oder nicht ganz zurechnungsfähig. Es gab sie dann aber doch noch, spät zwar, aber immerhin. Und sie war, wenig überraschend, personeller Natur: Colja Löffler ist wieder zurück, nach einer Knieoperation und dreimonatiger Verletzungspause hat der Linksaußen der Füchse Berlin am Sonntag wieder ein paar Minuten auf der ihm angestammten Position gespielt. Angesichts der langen Verletztenliste, mit der Berlins Handball-Bundesligist seit dem Saisonstart zu kämpfen hat, hätte Löfflers Rückkehr eine der positiven Geschichten sein können im Punktspiel beim HSV. War sie aber nicht, im Gegenteil: Sie ging fast unter. Weil es die Berliner geschafft hatten, die Fragen in eine ganz andere Richtung zu lenken: Wie war dieser miserable Auftritt, wie war dieses Resultat (25:33) nur zu erklären in diesem so wichtigen Spiel?

Manager Bob Hanning tat im Anschluss an die einseitige Begegnung etwas, was er normalerweise nie tut: er verließ umgehend die Halle, ohne ein Statement abzugeben. „Ich gehe jetzt lieber, weil ich sonst etwas sage, was ich später vielleicht noch bereuen werde“, erklärte Hanning und verschwand. Das passte zum allgemeinen Stimmungsbild der Berliner am Sonntagabend: Sie waren mächtig angefressen. „Es kann passieren, dass ein, zwei Spieler einen schlechten Tag haben, aber es kann nicht sein, dass es allen so geht“, sagte Trainer Dagur Sigurdsson, „da muss ich mich als Trainer auch fragen, was ich in der Woche falsch gemacht habe.“

Nach dem Abpfiff beorderte Sigurdsson sein Team deshalb mit Nachdruck in die Kabine. Rückraumspieler Fabian Wiede wurde von Sportkoordinator Volker Zerbe zurückgepfiffen und durfte das vereinbarte Fernsehinterview im Sinne des Selbstschutzes dann doch nicht geben. Die Füchse hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits um Kopf und Kragen gespielt, jetzt sollten sie sich nicht auch noch um Kopf und Kragen reden.
Die Füchse glaubten die Krise gerade überwunden

Dabei hatten sich die Berliner nach zuvor sechs Pflichtspielen ohne Niederlage auf einem guten Weg gewähnt: Dank der kleinen Serie hatten sie zu den Europapokalplätzen aufgeschlossen, die Krise nach dem durchwachsenen Saisonstart schien beendet. „Und dann kommt uns so ein Spiel dazwischen, das ist schwer zu erklären“, sagte Sigurdsson. Dass sich der Trainer zahlreiche kritische Nachfragen gefallen lassen musste, hing nicht zuletzt mit dem Ort des Geschehens sowie den Eindrücken von vor sieben Monaten zusammen: Für das Punktspiel beim HSV waren die Berliner erstmals in die Hamburger Arena zurückgekehrt, in der sie im April mit dem DHB-Pokalsieg ihren bisher größten Erfolg erlebt hatten. Am Sonntag wirkte das Füchse-Team allerdings bestenfalls wie eine lustlose, abgehalfterte Version der Mannschaft, die seinerzeit den ersten Titel der Vereinsgeschichte geholt hatte.

Entsprechend hart fiel das Urteil des Trainers aus. „Ich sage es nicht gern, aber bei vielen hat mir einfach die Bereitschaft gefehlt“, sagte Sigurdsson. Gut möglich, dass einige Spieler mit dem Auftritt in Hamburg das Risiko erhöht haben, ihren im Sommer auslaufenden Vertrag bei den Füchsen nicht verlängert zu bekommen. Dass sich Manager Hanning solche Spiele wie gegen den HSV mehr oder minder freiwillig merkt, ist ohnehin bekannt.

Wie also geht es jetzt weiter? „Wir haben extrem schlecht gespielt, keine Frage“, sagte Sigurdsson, „aber wir dürfen jetzt nicht schwarzmalen für die nächsten Wochen.“ Bei einem Blick auf den Spielplan muss allerdings die Frage gestattet sein, wie das genau funktionieren soll. Nach den Qualifikationsspielen zur Gruppenphase des EHF-Pokals gegen Nantes müssen die Berliner in der Bundesliga bei den traditionell heimstarken Teams aus Magdeburg und Flensburg antreten, anschließend kommt Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen in die Max-Schmeling-Halle.

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