Füchse Berlin : Hauptsache turbulent

Nach einer aufregenden Sommerpause starten die Füchse in die neue Saison.

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Abwehrprobleme? Nach der Verletzung von Denis Spoljaric muss die Verteidigung vor Füche-Torwart Silvio Heinvetter (rechts) umgestellt werden.
Abwehrprobleme? Nach der Verletzung von Denis Spoljaric muss die Verteidigung vor Füche-Torwart Silvio Heinvetter (rechts)...Foto: dpa

Dagur Sigurdsson moderierte das Thema ganz gekonnt ab, indem er einen positiven Aspekt einbrachte. „Das einzig Gute an der Verletzung von Bartlomiej Jaszka ist der Fakt, dass er in unserer Abwehr keine Rolle spielt“, sagte der Trainer der Füchse Berlin vor gut einer Woche. Spielmacher Jaszka, der Ausgangspunkt nahezu jeder Offensivaktion, fehlt dem Handball-Bundesligisten zwar nach einer Schulteroperation für ein halbes Jahr. Doch Sigurdsson sagte: „Hinten müssen wir nichts Neues machen, das steht.“ Hinten spielt Jaszka nämlich so gut wie nie, der Pole darf bei gegnerischem Ballbesitz fast ausnahmslos auf die Ersatzbank und seine Kräfte sparen.

Ziemlich genau eine Woche später hat Sigurdssons Aussage allerdings keine Gültigkeit mehr. Vor dem ersten Spiel seines Klubs in der Bundesliga-Saison 2014/15 bei Frisch Auf Göppingen am Samstag (20.15 Uhr) wird der Trainer sehr wohl sein Defensivkonzept umstellen müssen, ob nun rein personell oder gar systematisch sei einmal dahingestellt. Den Berlinern ist am Wochenende auch noch ein altgedienter Abwehrstratege abhanden gekommen. Denis Spoljaric hatte im Training einen Schlag auf das Handgelenk bekommen und wurde umgehend operiert, weshalb jetzt auch der Kroate etwa drei Monate fehlen wird. Manager Bob Hanning spricht vom „Super-Gau“.

Andererseits passt die jüngste Meldung auch irgendwie zu dem, was sich in der Sommerpause so ereignet hat. Hinter dem deutschen Pokalsieger liegen turbulente Wochen: Neben den Krankenakten von Jaszka und Spoljaric und dem Gewinn der U-20-Europameisterschaft mit den Berlinern Fabian Wiede und Paul Drux beherrschte vor allem Sigurdsson die Schlagzeilen. Der Isländer wird für ein Jahr in einer Doppelfunktion sowohl die Füchse als auch die deutsche Nationalmannschaft betreuen, ehe er 2015 als hauptamtlicher Bundestrainer beginnt, im September wird Sigurdsson seinen ersten Lehrgang als Verantwortlicher des Deutschen Handball-Bundes (DHB) leiten. „Aber jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf die Füchse“, sagt der Isländer.

Damit dürfte Sigurdsson vorerst genug zu tun haben, „die Vorbereitung war nicht gerade optimal“, sagt er. Seine Hochtalentierten Drux und Wiede fehlten aus besagten Gründen, Kapitän Iker Romero klagte bereits in den ersten Übungswochen über körperliche Leiden, Jaszkas Ersatz Petar Nenadic muss sich erst mit den komplexen Abläufen in der Spielgestaltung vertraut machen, für Spoljaric wird es wohl keinen Ersatz geben. „Wir müssen ein bisschen Zeit einplanen, um die Routine der vergangenen Jahre zu erreichen“, sagt Sigurdsson. Auf die Ziele und die in den vergangenen Jahren gewachsene Erwartung hat das jedoch keinen Einfluss. „Wir wollen wieder international spielen“, sagt Sigurdsson. Dazu wäre wiederum ein Platz unter den ersten sechs in der Bundesliga vonnöten.

„Wichtig ist, dass wir einen guten Start erwischen“, sagt der Trainer, „aber gleich das erste Spiel wird nicht einfach.“ Frisch Auf Göppingen hat im Sommer seinen Kader verstärkt und mit dem früheren schwedischen Nationalspieler Magnus Andersson einen neuen Trainer verpflichtet. „Ich erwarte frischen Wind“, sagt Sigurdsson. Genau wie der Berliner Trainer müssen heute auch die Göppinger auf eine ihrer zentralen Personen verzichten. Nationalspieler Michael Kraus hat in der Sommerpause gegen die Meldepflicht der Anti-Doping-Kommission des DHB verstoßen, über seinen Fall wird am kommenden Mittwoch verhandelt.

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