Füchse Berlin: Heinevetter bleibt : Berlin braucht mehr Silvios

Nicht nur aus sportlicher Sicht ist Heinevetters Vertragsverlängerung sinnvoll. Der Handball-Torhüter ist einer der wenigen Stars der Sportstadt Berlin. Ein Kommentar

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Foto: imago/Contrast

Silvio Heinevetter ist ein Derwisch im Tor. Der Handballer tobt und brüllt bei der Arbeit, er rollt mit den Augen und diskutiert hitzig mit den Schiedsrichtern. Es bleibt jedem Sportfan überlassen, ob er das sympathisch findet oder Heinevetters Art zu spielen schätzt. Klar ist aber: Der Torwart der Füchse ist ein unverwechselbarer Charakter. Deswegen darf man dem Berliner Handball-Klub dazu gratulieren, dass er Heinevetters Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2020 verlängert hat. Denn Gesichter werden im Sport immer wichtiger – natürlich nicht nur im Handball.

Gerade in einer Stadt wie Berlin reicht es für einen Sportverein nicht mehr, einfach nur erfolgreich zu sein. Ein Klub muss eine Marke sein, im besten Fall hat er eine Geschichte, die er erzählen kann – und Gesichter, die überall erkannt werden. Die Füchse haben sich vor einigen Jahren geschickt als „Jäger“ positioniert und vermarktet, mittlerweile ist der Weltpokalsieger Teil des Handball-Establishments. Auch wenn Heinevetter nicht immer unumstritten war, ist er diesen Weg seit seiner Ankunft in Berlin 2009 mitgegangen. Vermutlich wird er seine Karriere in Berlin beenden: Wenn sein neuer Vertrag ausläuft, wird er 36 Jahre alt sein.

Für die Füchse geht Heinevetters Wert weit über das Sportliche hinaus. Der impulsive Torwart taugt vielleicht weniger als Identifikationsfigur als beispielsweise der junge Nationalspieler Paul Drux, hohen Wiedererkennungswert hat Heinevetter aber allemal. Andere Vereine, wie beispielsweise Alba Berlin, tun sich deutlich schwerer damit, markante Leistungsträger langfristig an sich zu binden. Allerdings ist der globale Basketballmarkt auch kaum mit der Situation in der eher überschaubaren Handballwelt vergleichbar. Die Eisbären und der 1. FC Union leben zu großen Teilen von ihrer Stimmung und ihrer Folklore. Zu Hertha BSC geht wohl kaum ein Zuschauer, um dem dienstältesten Hertha-Profi Fabian Lustenberger zuzujubeln. Liebling der Ostkurve war dann schon eher Ronny, der Brasilianer wirkte zuletzt aber eher wie ein Maskottchen denn als Leistungsträger.

Womöglich wird auch Heinevetter im Herbst seiner Karriere nicht mehr ständig Spitzenleistungen bringen. Aber wenn sich Berliner Sportfans im Jahr 2020 unterhalten und sagen: „Die Füchse? Da spielt doch der alte Heinevetter, dieser Verrückte!“, hat sich die Vertragsverlängerung schon gelohnt.

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