Füchse Berlin im Aufwind : Neues Team, alte Klasse

Nach den Topspielen reift bei den Füchsen Berlin die Erkenntnis, wieder vorne in der Handball-Bundesliga mitspielen zu können. "Ehrlich gesagt, habe ich damit nicht gerechnet", sagt Kapitän Iker Romero.

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Voll im Soll, und noch besser: Iker Romero und die Füchse sind besser als erwartet in die neue Saison gestartet.
Voll im Soll, und noch besser: Iker Romero und die Füchse sind besser als erwartet in die neue Saison gestartet.Foto: dpa

Die schönste Nachricht des Tages erreichte Bob Hanning am Sonntagabend, wobei Nachricht im Sinne von SMS zu verstehen ist. Torsten Laen hatte im heimischen Dänemark zum Handy gegriffen und einen Text an den Manager von Handball-Bundesligst Füchse Berlin geschickt – und Laen, der ehemalige Kapitän, war nach dem Spitzenspiel zwischen den Füchsen und den Rhein–Neckar Löwen voll des Lobes für das in der Sommerpause neuformierte Berliner Team, das dem Tabellenzweiten aus Mannheim gerade ein Remis abgerungen hatte (21:21). „Über die SMS habe ich mich fast noch mehr gefreut als über unseren starken Auftritt“, sagte Hanning, „denn offenbar haben wir uns in den ersten Wochen nicht nur in der Liga, sondern auch bei unserem Ex-Kapitän Respekt verdient.“

Keine zwei Monate sind vergangen, seitdem die Berliner mit einer berechtigten Mischung aus Ungewissheit und Skepsis in die neue Spielzeit gegangen sind. Nach einem gewaltigen personellen Umbruch schwebte über allem die Frage, wie konkurrenzfähig der auf sechs Positionen veränderte Kader sein würde. Nach den beiden Unentschieden gegen die Spitzenteams aus Flensburg (26:26) am vergangenen Wochenende und am Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen (21:21) ist nun beim Vorjahresvierten und darüber hinaus die Erkenntnis gereift, dass der Klub im achten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit wieder um die Qualifikation zur Champios League mitspielen kann, also um die ersten vier Plätze. „Wir waren ja in beiden Spielen näher am Sieg dran als der Gegner“, sagt Hanning, „deshalb überwiegt bei mir im Gegensatz zu unserem Trainer die Freude.“ Dagur Sigurdsson haderte am Sonntag – übrigens durchaus verständlich – lieber mit der Schiedsrichterleistung, als sich zum positiven Entwicklungsprozess seines Teams zu äußern.

Entgegen aller Prognosen ist Dauermeister THW Kiel der Konkurrenz mit 16:0 Punkten zwar schon wieder enteilt, „aber die Teams dahinter bewegen sich alle etwa auf dem gleichen Niveau“, sagt Füchse-Kapitän Iker Romero. „Wir freuen uns natürlich, dass wir im Moment zum Spitzentrio gehören“, ergänzt der Spanier, „aber ehrlich gesagt habe ich damit nicht gerechnet.“ Wenn da nur nicht die Niederlage zum Saisonauftakt in Melsungen dazwischengekommen wäre, die von allen Beteiligten als selten dämlich eingestuft wird – die Füchse wären erster Verfolger des THW. „Das erste Spiel war ganz großer Mist“, sagt Romero, „aber über die Meisterschaft müssen wir uns ohnehin nicht unterhalten, das wäre Quatsch.“ Trotzdem stehen die Chancen auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte in Anbetracht der jüngsten Eindrücke gar nicht so schlecht. Hanning hat im Sommer perspektivisch einen bedeutsamen Pokal als Ziel für die nächsten Jahre ausgegeben, am realistischsten erscheint diese Vorgabe im EHF-Pokal, der Anfang November mit der Gruppenphase beginnt. „Wenn wir verletzuungsfrei bleiben und so gut spielen wie gegen die Rhein-Neckar Löwen, zählen wir da zu den Favoriten“, sagt Kapitän Romero.

Diese Rolle könnte wiederum positive Auswirkungen auf den Zuschauerschnitt der Berliner haben. Am Sonntag war die Schmeling-Halle zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft, in den Begegnungen zuvor hatte der Klub die oberen Ränge meist gar nicht erst geöffnet. „Das ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen müssen“, sagt Hanning, „wobei ich die ganz große Krise nicht sehe, weil alle anderen Sportarten in diesem Bereich auch Probleme haben.“ Über ein paar mehr Zuschauer würden sich die Berliner trotzdem freuen – und über einen Besuch von Torsten Laen ohnehin.

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