Füchse Berlin : „In Spanien kürzt man die Gehälter“

Der dänische Handballstar Torsten Laen erklärt, wieso er im Sommer vom spanischen Spitzenklub Ciudad Real zu den Füchsen nach Berlin wechselt.

Interview: Erik Eggers
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Ab Juli ein Fuchs. Torsten Laen.Foto: dpa

Herr Laen, Sie spielen ab der nächsten Saison bei den Füchsen. Wie kam es dazu?

Die Frage ist leicht zu beantworten. Ich war mit der dänischen Nationalmannschaft im Herbst bei einem Testspiel in Österreich, dort hat mich Dagur Sigurdsson angesprochen, der neue Trainer der Füchse. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, nach Berlin zu gehen.

Sie hatten viele Angebote. Warum gehen Sie nicht in die prosperierende dänische Liga zurück, so wie viele Ihrer Kollegen?

In Dänemark habe ich mit meinem Heimatverein Svendborg alles gewonnen, was man in Dänemark gewinnen kann. Außerdem reizt mich die Bundesliga als beste Liga der Welt. Ich freue mich schon riesig, die Atmosphäre in den deutschen Handballhallen kennenzulernen.

Und warum bleiben Sie nicht in Spanien?

Auch in Spanien habe ich mit Ciudad Real alles gewonnen, was man gewinnen kann. Zudem leidet die Liga dort ziemlich unter der ökonomischen Krise. Bei vielen Profis sind dort die Gehälter stark gekürzt worden.

Viele dänische Profis spielen an der deutsch-dänischen Grenze, in Flensburg. Sie sind nun der erste Däne in Berlin.

Ich bin zwar der erste Däne, aber mit Sigurdsson und Kjetil Strand sind ja zwei weitere Skandinavier dabei. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine skandinavische Tradition in Berlin. Alle Kollegen sagen, dass Berlin ein interessantes Projekt ist. Und dass Manager Bob Hanning dort seit Jahren seriöse Arbeit leistet.

Mögen Sie die Stadt?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich war erst einmal in Berlin. Und das ist schon lange her, das war kurz nachdem die Mauer gefallen war. Den Vertrag habe ich unterschrieben, ohne dafür in Berlin gewesen zu sein. Dazu war keine Zeit, wegen der vielen Spiele, die ich mit Ciudad Real absolvieren muss. Aber Berlin hat bei uns Dänen einen ausgezeichneten Ruf. Viele Landsleute fahren dorthin, um einzukaufen. Und viele schauen mit großem Interesse auf die entstehende Architektur und solche Dinge.

Was hat Hanning Ihnen gegenüber als Ziel für die nächsten zwei Jahre formuliert? Das Erreichen der Champions League?

(Lacht) Natürlich nicht. Er hat mir erklärt, dass der Verein nicht alles auf einmal machen will, sondern kontinuierlich aufsteigen will. Hanning will keine Utopie, sondern er bleibt realistisch, das hat mir sehr gut gefallen. Auch mir ist klar, dass die Füchse erst wenige Jahre in der Bundesliga spielen. Und dass es in Deutschland große Mannschaften gibt, die man nicht in einem Jahr überholen kann.

Wie lautet Ihr persönliches Ziel?

Ich will viel spielen und so der Mannschaft weiterhelfen. In Ciudad Real war ich oft nur im Angriff im Einsatz, aber das widerspricht meiner Idee vom Handball. Ich sehe mich als modernen Kreisläufer, der auch in der Abwehr seine Arbeit macht. In Berlin ist beides für mich möglich, auch das war ein Grund, bei den Füchsen zu unterschreiben. Und ich will unbedingt wieder im Europapokal spielen. Dazu reicht in Deutschland ja manchmal auch ein achter Platz, wenn die vorderen Klubs einen Europapokal gewinnen. Auf dieses Ziel Europapokal-Teilnahme werde ich ab Sommer 2009 hinarbeiten.

Das Gespräch führte Erik Eggers.

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