Füchse Berlin : Kapitale Suche

Die Handballer der Füchse Berlin müssen mit Erfolgen weitere Sponsoren anlocken. Denn nur so ist der wirtschaftlichen Abstand zur Ligaspitze aufzuholen.

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Kein Geld. Mark Bult muss auf eine Vertragsverlängerung warten, bis neue Sponsoren gefunden sind.
Kein Geld. Mark Bult muss auf eine Vertragsverlängerung warten, bis neue Sponsoren gefunden sind.

Berlin - Bloß nicht gleich wieder der THW Kiel. Bob Hanning hat eine plausible Erklärung dafür, warum er mit seinen Füchsen im Pokal-Achtelfinale noch nicht auf den deutschen Rekordmeister treffen möchte: „Unsere Fans bekommen in der Schmeling-Halle schon genug Spitzenhandball geboten.“ Beispielsweise am heutigen Sonntag (17 Uhr, live bei Sport 1) das Bundesligatopspiel gegen jene Kieler, vor dem Füchse-Jugendnationalspieler Ramon Tauabo die Begegnungen der nächsten Cuprunde auslosen wird. Dabei ist es ja keinesfalls so, dass die Berliner vor dem Team von Trainer Alfred Gislason in Ehrfurcht erstarren, aber es gibt eben auch leichtere Aufgaben für den 14. Dezember. Dass sich die Füchse trotz ihres beachtlichen Abschneidens in der schwersten Champions-League-Gruppe, des gelungenen Starts in die aktuelle Bundesligasaison und der guten Bilanz gegen Kiel keinesfalls als gleichwertig mit dem prominenten Gegner betrachten können, liegt allein schon im wirtschaftlichen Bereich begründet.

Gerade hat der THW-Aufsichtsrat seinen Gesellschaftern mitgeteilt, dass im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust von einer halben Million Euro zu registrieren sei. Dass dies nicht zwangsläufig dazu führt, Gehälter zu kürzen oder teure Stars abzugeben – und damit die Qualität der Mannschaft zu schwächen –, wurde nur durch eine Kapitalaufstockung der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG durch weitere Gesellschafter auf bis zu drei Millionen Euro erreicht. Damit ist das Thema praktisch erledigt, wie der Aussage von Geschäftsführer Klaus Elwardt in der „Financial Times Deutschland“ zu entnehmen ist: „Das alles hat keine Auswirkung auf die aktuelle und neue Saison.“ Inoffiziell wird der Kieler Etat auf 13 Millionen Euro geschätzt.

Die Situation in Kiel wirft ihren Schatten auf die gesamte Liga. Bob Hanning sagt: „Wenn Kiel schon eine halbe Million Euro fehlt, kann es den anderen Vereinen ja nicht viel besser gehen.“ Dass die Schere zwischen ärmeren und reicheren Vereinen damit immer weiter auseinandergeht, bleibt nicht folgenlos. Hanning findet es wichtig für die Bundesliga, dass Teams wie Hüttenberg, Wetzlar oder Balingen wettbewerbsfähig bleiben, und nennt die spanische Liga als warnendes Beispiel: „Wenn Atletico Madrid gegen Academia Octavio aus dem Ligamittelfeld 52:27 gewinnt, dann kommen eben nur noch 400 Zuschauer.“

In einer Ligasitzung am 7. November, zu der die großen Vereine eingeladen werden, soll erneut an deren soziale Verantwortung appelliert werden. Dass auch die Füchse mächtig zu kämpfen haben, ihren Etat von etwa 4,8 Millionen Euro zu realisieren, verschweigt ihr Geschäftsführer nicht. Immerhin haben sich zuletzt zwei Großsponsoren der Füchse verabschiedet.

Und die Chancen durch die erstmalige Teilnahme an der Champions League? Hanning erklärt dazu: „Da ist noch nicht das gekommen, was wir uns erhofft haben.“ Seine Kritik richtet sich dabei auch an den neuen Füchse-Vermarkter Ufa-Sports. Zwei Champions-League-Pakete im Wert von insgesamt 120  000 Euro seien nicht verkauft worden. „Und nur von warmen Worten wird man nicht satt“, sagt Hanning. Die Füchse hatten sich, wie berichtet, erst von ihrem vorherigen Vermarkter IMG getrennt.

Dennoch sieht Hanning den Kurs der Füchse als solide finanziert an. Er lehnt es ab, mehr Gelder aus der Nachwuchsförderung in den Profibereich zu stecken. Aber der Manager weiß auch, dass seine Spieler bei Vertragsverlängerungen mehr verdienen wollen. „Wir dürfen dabei das Machbare nicht aus den Augen verlieren“, warnt er. „Wir geben ja nicht ohne Grund Alexander Petersson zur neuen Saison ab und haben noch keine neuen Verträge mit Mark Bult oder unseren Außenspielern abgeschlossen.“

Trotzdem sind die Füchse zu sportlichem Erfolg verdammt, wollen sie für potenzielle neue Sponsoren attraktiv bleiben. Neben der Champions League und der Bundesliga wäre auch das Pokal-Final-Four eine ideale Chance zur Kräftigung des eigenen Images. Es gehört auch ein wenig Losglück dazu, um dieses Ziel erreichen zu können. Im Vorjahr waren die Füchse im Viertelfinale gescheitert – am THW Kiel.

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