Füchse Berlin : Kein Anschluss unter Dagurs Nummer

Nach drei Siegen in einer Woche in Bundesliga und Champions League erteilt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson seinem Team zwei trainingsfreie Tage.

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Hände hoch oder ... Markus Richwien (r.) von den Füchsen Berlin kurz vor dem Schuss.
Hände hoch oder ... Markus Richwien (r.) von den Füchsen Berlin kurz vor dem Schuss.Foto: dpa

Das bisschen Luxus hatte er sich nun wirklich verdient. 50 Minuten war Dagur Sigurdsson vor der Wechselbank auf- und abmarschiert, wie man ihn kennt. Kontrollierend, agierend, gestikulierend. Dann tat der Trainer der Füchse Berlin etwas, das bei ihm ganz selten zu sehen ist. Er setzte sich auf seinen Platz und schaute ganz entspannt zu, einfach so. Der Isländer streckte die Beine aus, einmal verschränkte er sogar kurz die Arme hinter dem Kopf. Gut, seine Mannschaft führte im Champions-League-Spiel gegen die Kadetten Schaffhausen auch 27:21 und gewann später 31:27 (14:11). Das Bild nach diesem vorentscheidenden Tor von Iker Romero sagte in diesem Moment aber ein wenig mehr aus, etwa: Job erledigt. Durchatmen.

Berlins Bundesliga-Handballer haben eine anstrengende Woche hinter sich, Sigurdsson fasste sie so zusammen: „Drei Spiele, 7000 Kilometer, fünf Nächte im Hotel, ein Bus.“ Immerhin waren die Reisestrapazen erfolgreich. Der Pflichtaufgabe in Großwallstadt (25:18) ließen die Füchse zwei weitere Siege im Europapokal folgen: am Sonntag ins Szeged (29:22) und eben am Mittwoch gegen Schaffhausen (31:27). Mit 6:2 Punkten belegen sie in der Vorrundengruppe D aktuell den zweiten Platz, wobei sich vier der sechs Teams für das Achtelfinale qualifizieren. „Wir haben uns eine sehr gute Position erarbeitet“, sagte Torhüter Petr Stochl, der überraschend für Silvio Heinevetter beginnen durfte und mal wieder herausragend hielt. „Das ist gut für die Stimmung“, ergänzte der Tscheche.

Mit der Stimmung war das zuletzt so eine Sache bei den Berlinern, die Ergebnisse stimmten ja. Von 13 Pflichtspielen seit Ende August haben die Füchse nur eines verloren, beim FC Barcelona, dem Champions-League-Sieger von 2011. Trotzdem leistete sich Sigurdssons Mannschaft zu Saisonbeginn bisweilen seltsame Aussetzer, die intern wie öffentlich für ein wenig Unruhe sorgten. „Auch heute habe ich wieder ein paar Fehler gesehen“, sagte Stoch, „aber die Entwicklung stimmt, wir waren zuletzt viel souveräner, vor allem in der Defensive.“ Selbige Erkenntnis hob auch Sven-Sören Christophersen hervor: „Es hat einer gewissen Zeit bedarft, in die Spur zu finden“, sagte der Rückraumspieler, „die Big Points hat die Mannschaft aber geholt.“

Der Bundesliga-Tabellenführer spielt sich also langsam ein – gegen Schaffhausen verfestigte sich dieser Eindruck. Erste Konturen von Sigurdssons taktischem Konzept haben sich mittlerweile zu einem deutlichen Bild ergeben. Die erste Sieben der Berliner steht, einzige Variable ist die Torhüterposition, die mit dem Gespann Heinevetter/Stochl so ausgeglichen stark besetzt ist wie bei keiner anderen deutschen Mannschaft. Interessant wird es, wenn bei den Feldspielern die Rotation einsetzt. Edelreservist Iker Romero kommt irgendwann Mitte der jeweiligen Halbzeit aufs Feld und darf dann ein paar Minuten mitwirken, ähnlich verhält es sich bei Evgeni Pevnov, der am Kreis Kapitän Torsten Laen entlastet. Neben diesen zentralen Wechseln gibt es im System Sigurdsson viele kleine – oder zumindest die Möglichkeit, auf fast jeder Position adäquaten Ersatz zu bringen: Sellin für Richwien, Löffler für Nincevic, Igropulo für Bult oder auch gern umgekehrt, all das führten die Füchse gegen den Schweizer Meister aus Schaffhausen mal wieder auf.

Coach Sigurdsson ist zum Durchwechseln gezwungen, wenn sein Team die Belastungen des Terminkalenders unbeschadet überstehen soll. „Heute ist uns das gut gelungen“, sagte Sven-Sören Christophersen nach dem Sieg über Schaffhausen, „wir haben trotz der vielen Wechsel eine konstante Leistung gebracht.“ Dabei hatte sich Christophersen an der Wurfhand eine schwere Prellung und einen Blutergusse zugezogen. „Knochen, Muskel und Sehnen sind in Ordnung, das war das Wichtigste“, sagte der 27-Jährige am Donnerstag nach einer Untersuchung. Vielleicht kommt dem Rückraumspieler das DHB-Pokal-Spiel in Nettelstedt, nämlich in sechs Tagen, also womöglich zu früh.

Zwei von diesen sechs Tagen durften Christophersen und seine Kollegen gänzlich nach eigenem Ermessen gestalten, Trainer Sigurdsson erteilte dem Team trainingsfrei. „Und mein Handy“, sagte der Isländer, „das hat auch frei.“ Manchmal tut ja ein wenig Abstand voneinander ganz gut, auch wenn es gerade läuft. Wie war das noch gleich? Drei Spiele, ein Bus, 7000 Kilometer...

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