Füchse Berlin : Panik am Punkt

Die Füchse Berlin schwächeln beim Wurf vom Siebenmeterpunkt – in Veszprem wartet nun wieder ein starker Torhüter.

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Wenn der Wurfarm zittert. Ivan Nincevic und die Füchse Berlin zeigten zuletzt Schwächen beim Strafwurf.
Wenn der Wurfarm zittert. Ivan Nincevic und die Füchse Berlin zeigten zuletzt Schwächen beim Strafwurf.Foto: dapd

Berlin - Plötzlich beginnt der Arm zu zittern, ausgerechnet im entscheidenden Moment. Yips nennen Golfer dieses Muskelzucken, das sogar Topspieler wie Bernhard Langer jahrelang beim Putten gequält hat. Als Lehrbeispiel gilt Langers Auftritt bei den British Open 1988, als er an Loch 17 fünf Putts für eine Entfernung von einem Meter zum Loch benötigte. Ob es Yips auch im Handball gibt, ist zwar noch nicht erforscht worden. Aber einige Ursachen, beispielsweise Stress in engen und wichtigen Spielen, könnten eine Erklärung dafür liefern.

„Da ist etwas dran“, sagt der Linksaußen der Berliner Füchse, Ivan Nincevic. „Wenn du erst einmal verunsichert bist, hinterfragst du an der Linie jeden Wurf.“ Der Kroate, aber auch Mitspieler wie Mark Bult oder Iker Romero schienen bis zum Spiel beim Bergischen HC am vergangenen Mittwoch einige Male von Yips besiegt worden zu sein. Warum Nincevic nun beim 32:29-Sieg in Wuppertal alle fünf Strafwürfe verwandelte? Einstellungssache. „Ich wollte diese Siebenmeter werfen und habe mir eingeredet, dass ich sie diesmal auch verwandle.“ Selbst bei einem Fehlversuch wollte er, entgegen dem Prinzip, wieder antreten.

Nun hofft man bei den Füchsen, dass die Schwäche vom Punkt rechtzeitig vor dem heutigen Champions-League-Spiel beim ungarischen Serienmeister MKB Veszprem (17 Uhr, live auf Eurosport) überwunden wird – auch wenn der gegnerische Torhüter wieder Mirko Alilovic heißt, der im Hinspiel (24:29) drei Siebenmeter hielt. Insgesamt vergaben die Füchse an diesem Tag 21 Würfe. „In Veszprem erwartet uns eine besonders heiße Atmosphäre, die es nirgendwo anders so gibt“, sagt Nincevic. Für Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson sind das zwar nicht zu unterschätzende Faktoren. Allerdings sieht er die Bundesliga als ideale Einstimmung auf die Champions League an. „Für uns geht es doch in jedem Spiel hoch her, selbst gegen Abstiegskandidaten“, sagt der Isländer. „Außerdem stehen unsere Siebenmeterwerfer ständig Weltklassetorhütern gegenüber“. Immerhin weisen die Füchse vom Siebenmeterpunkt eine Trefferquote von über 70 Prozent auf. Den Liga-Bestwert hält in dieser Kategorie Momir Ilic (Kiel/95,3) vor Hans Lindberg (Hamburg/86,4) und Anders Eggert (Flensburg/85,5). „Wir trainieren das“, versichert Sigurdsson, „aber die Siebenmeter sind nur ein kleiner Teil von dem, was wir ständig verbessern müssen.“

Aber eben auch ein wichtiger für das Selbstvertrauen der Werfer. Ivan Nincevic war gegen den Bergischen HC jedenfalls auch im Feldspiel einer der Besten. Von der Verunsicherung aus der Partie gegen Veszprem war mehr nicht viel zu spüren. „Nach dem Spiel war ich doch sehr geknickt“, erzählt Nincevic, „aber so eine Niederlage bedeutet ja nicht das Ende der Welt.“ Obwohl der Kroate sogar darüber nachdachte, nie wieder Siebenmeter zu werfen. Dieses Tief hat er aber schnell überwunden. Auch in Veszprem kann sich Nincevic vorstellen, beim Siebenmeterpfiff sofort den Ball zu fordern. „Wir sprechen uns da ab“, sagt er zwar. Wenn Nincevic zum Leder greift, wird es ihm ohnehin niemand wegnehmen.

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