Füchse Berlin : Ratlos vor der Zukunft

Bei der enttäuschenden Niederlage gegen Göppingen merken die Handballer der Füchse Berlin, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen

Hartmut Moheit

Berlin - Geplant war sie schon lange, aber jetzt kam die kleine Auszeit für Bob Hanning genau zum richtigen Zeitpunkt. Einen Tag nach dem 30:31 gegen Frisch Auf Göppingen war der Füchse-Geschäftsführer gestern mit den Angestellten der Geschäftsstelle zum „Teambuilding“ in Neustadt an der Ostsee; beim Segeln in der Lübecker Bucht versuchte er in erster Linie „mal den Kopf frei zu bekommen“. Zu tief saß bei ihm die Enttäuschung über das Zustandekommen der unerwarteten Niederlage am Vorabend. „Da war unfassbar, eine Fünf-Tore-Führung in der Schlussphase noch aus den Händen zu geben“, sagt Hanning. „Jetzt ist das Team gefordert, deshalb mische ich mich auch mal nicht ein.“

Allen beim Handball-Bundesligisten aus Berlin ist klar, dass Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinanderklaffen, dafür braucht es keinen erhobenen Zeigefinger durch den Chef. „Als wir zum Schluss so klar führten, kam tatsächlich das Gefühl auf, dass nichts mehr passieren kann“, erzählt Mark Bult. „Dann ging alles sehr schnell und plötzlich ging nichts mehr.“ Was sich nach der Pleite in der Kabine abspielte, beschreibt der Holländer ebenfalls: „Keiner hat mehr gesprochen, alle waren ratlos.“ Die Spieler haben nun Zeit, einen Lösungsansatz für die Wende zu finden. Und sich die Frage zu stellen: Was habe ich falsch gemacht?

Trainer Dagur Sigurdsson, der sein Team „nach guten wie nach schlechten Spielen erst einmal in Ruhe lässt“, will heute nach dem Videostudium die Fehler analysieren. „Wir müssen einfach konstanter werden“, fordert der Isländer, der auch „viele gute Szenen gesehen“ hat. Es fehle ja nicht viel, aber was letztlich zählt, sei der momentane Punktestand von 2:6 Zählern. Die Niederlage in eigener Halle gegen Göppingen wurde aber auch durch zwei Phasen geprägt, die ausgesprochen negativ liefen. Neben den entscheidenden Schlussminuten , in denen die Füchse nach deutlicher Führung beim 30:25 sieben Gegentore in Folge kassierten, war auch der Beginn des Spiels mit 1:5 nicht wie gewünscht gelaufen. Füchse-Kapitän Torsten Laen sieht darin „noch mangelndes Selbstvertrauen und damit eine fehlende Leichtigkeit“. Der Däne sagt: „Wir müssen für jedes Tor zu viel kämpfen, es fehlen die einfach erzielten Treffer.“

Offensichtlich müssen die Füchse ihre neue Wertigkeit in der Handball- Bundesliga, in der sie als Team der Zukunft gehandelt werden, erst so richtig verinnerlichen. Die Kunst für Dagur Sigurdsson wird ab heute darin bestehen, seinen Spielern das bis zum Spiel am Sonntag beim SC Magdeburg nachhaltig einzutrichtern. Dass dies geht, kann Laen aus seiner Erfahrung als Spieler beim Champions-League-Sieger Ciudad Real bestätigen. „In einer solchen Situation zeigt sich der Charakter einer Mannschaft“, sagt er. „Nicht erst im Spiel danach, sondern auch im Training vorher sind wir alle gefordert.“ Erst eine Mannschaft, die eine solche Erfahrung einer sehr bitteren Niederlage in einen Gewinn umzuwandeln versteht, sei etwas Besonderes, sagt Laen. Er traut das den Füchsen zu.

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