Füchse Berlin : Respekt verschaffen ohne Druck

Die Füchse siegen gegen den SC Magdeburg mit 29:25.

Hartmut Moheit
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Formsuche. Michael Kubisztal kämpft nach einer Operation bei den Füchsen noch um seinen Stammplatz. -Foto: Heinrich

BerlinVersucht hat es Michal Kubisztal einige Male, aber es kam nichts dabei heraus. Seine Würfe waren für die Deckung des SC Magdeburg nicht sehr schwer zu blocken, und wenn doch einmal einer durchkam, stellte er den Torhüter kaum vor Probleme. „Ganz klar, ich habe noch nicht wieder die alte Leistungsfähigkeit, momentan bin ich vielleicht bei einem Dreiviertel davon“, sagt der Pole, der bei den Füchsen Berlin auf Halblinks eigentlich eine feste Größe sein soll.

Aber auch im dritten Spiel nach einer Operation an der Bandscheibe kämpfte Kubisztal erst wieder um den Anschluss, ein Tor gelang ihm in der neuen Handballsaison noch nicht. „Wir brauchen ihn dringend“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Deshalb gab er ihm auch beim SC Magdeburg wieder einige Chancen. Das 29:25, in einem kampfstarken Spiel und nach einem Vier-Tore-Rückstand zur Halbzeit, konnte somit auch Kubisztal ausgiebig bejubeln. „Das tat gut“, sagte er nur. Sigurdsson hatte zuvor auf dieser Position reagiert, in dem er Kjetil Strand aus der Mitte auf Halblinks beorderte und deshalb mit Bartlomiej Jaszka als Regisseur begann. Der Norweger Strand warf neun Tore und war erfolgreichster Füchse-Feldspieler. Wenn Kubisztal wieder richtig fit ist, womit Füchse-Manager Bob Hanning frühestens beim Spiel am 4. November in Wetzlar rechnet, ergeben sich für den Tabellenzehnten mit 4:6-Punkten dadurch einige Angriffsvarianten mehr. Sigurdsson wird dann vor der Aufgabe stehen, daraus eine Stärke zu entwickeln und damit die Füchse unberechenbarer zu machen.

Dass die Füchse in Magdeburg generell einige Angriffsschwächen offenbarten und damit dem Gegner leichte Konterchancen ermöglichten, verwundert Hanning nicht. „Wir sind doch noch eine große Baustelle, alles muss erst wachsen. Es liegt auch an so vielen Kleinigkeiten“, sagt der Berliner Manager. Das gehe bis in die privaten Bereiche der Zugezogenen. Beispielsweise bei Stian Vatne, der sich auch um seine drei Kinder und deren Integration kümmern muss. „Deshalb habe ich dem Team trotz der drei Niederlagen gesagt, dass ich zufrieden bin“, sagt Hanning. „Der Sieg jetzt war natürlich eine Befreiung für uns, ich würde sogar von einer Wachablösung sprechen.“ Schließlich habe so ein Team wie Magdeburg, trotz aller momentanen Probleme, einen Entwicklungsvorsprung von über 20 Jahren gegenüber den Füchsen. Hanning sagt einmal mehr, dass die Füchse den Erfolg nicht mit „schnellem Geld erkaufen wollen“, sondern stolz darauf seien, als einziger Bundesligist den Etat aufgestockt und auch gedeckt zu haben. Hanning sagt: „Natürlich täte uns auch so ein sicherer Rückraumwerfer wie beispielsweise der Kieler Filip Jicha gut, aber erstens kommt so ein Star noch nicht zu uns und zweitens hätte uns das finanziell überfordert.“

Der ehemalige Nationalspieler sowie Sportdirektor des SC Magdeburg und heutige TV-Experte Stefan Kretzschmar sieht im Fehlen eines sogenannten „Shooters“ im Rückraum der Füchse den Grund dafür, dass es für die Berliner für den Europacupplatz noch nicht reichen wird. Bob Hanning sagt, dass er gemeinsam mit Dagur Sigurdsson zunächst einmal den Mittelblock in der Deckung mit Stian Vatne und Torsten Laen verstärkt habe, der Angriff sich dennoch entwickeln wird. In den nächsten zwei Heimspielen gegen die Aufsteiger Hannover-Burgdorf am kommenden Sonntag (17 Uhr) und am 18. Oktober gegen die HSG Düsseldorf sollte gerade vorn die Chance bestehen, sich weiter zu festigen. Alles andere als zwei Siege wären dann doch ein sehr herber Rückschlag. „Zumindest für die Öffentlichkeit“, sagt Hanning. „Es ist zwar richtig, dass wir offiziell das Ziel mit dem Europacup hoch gesteckt haben, aber die Realisierung dauert nun mal ihre Zeit.“ Aber der Erfolg in Magdeburg wird auch bei der Konkurrenz nicht ohne Folgen bleiben. Die Füchse haben sich mit ihrem ersten Sieg in Magdeburg Respekt verschafft.

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