Füchse Berlin : Wo, bitte, geht’s zur Champions League?

Die Füchse Berlin wissen selbst noch nicht, wie das mit dem Eintritt in Europas Handballelite genau funktioniert. Geschäftsführer Bob Hanning will die EHF anrufen - die soll ihm das Procedere erklären.

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Glasige Augen. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning verfolgte am Dienstag infektgeschwächt den historischen Sieg gegen Frisch Auf Göppingen.
Glasige Augen. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning verfolgte am Dienstag infektgeschwächt den historischen Sieg gegen Frisch Auf...Foto: Photowende

Berlin - Mit glasigen Augen verabschiedete sich Bob Hanning in Richtung des heimischen Bettes. Ein aufkommender Infekt machte dem Füchse-Geschäftsführer nach dem 28:24 (18:11)-Erfolg gegen Frisch Auf Göppingen sehr zu schaffen. Aber auch ohne den hätte er am späten Dienstagabend wohl nicht mehr den ganz klaren Blick gehabt. „Ja, wenn ich bedenke, dass wir vor fünf Jahren noch um den Klassenerhalt in der zweiten Liga bangen mussten und vor 300 Zuschauern gespielt haben, kann einem das jetzt Erreichte schon die Freudentränen in die Augen treiben“, sagte er noch kurz.

Dass die Füchse in dieser Saison nach Europa wollten, hatte Hanning ja nie verhehlt, aber das Thema Champions League lange Zeit nur „Träumern und Fantasten“ überlassen. Nun aber muss er sich ernsthaft damit beschäftigen. Wie das alles funktionieren soll, weiß der umtriebige 43-Jährige allerdings noch nicht.

Am einfachsten wäre es für die Füchse, sie würden sich als mindestens Bundesliga-Dritter noch direkt für die Gruppenphase qualifizieren. Zunächst einmal müssen sie aber von dem ausgehen, was feststeht: Als sicherer Vierter sind sie ein Kandidat für die Qualifikation. „Wir werden uns mit der europäischen Handball-Federation in Verbindung setzen und uns den weiteren Weg erklären lassen“, sagt Hanning. Seine Hauptfragen lauten: Wie bekommen die Füchse einen Platz in einer der Qualifikationsgruppen? Welche Chance besteht und zu welchen Bedingungen können sie eines dieser Turniere selbst austragen?

Ein gutes Beispiel bieten die Rhein-Neckar Löwen. Sie sind zu Saisonbeginn diesen Weg gegangen und letztlich die großen Gewinner geworden. Erst holten sie sich beim sogenannten Wildcard-Turnier in der Europahalle in Karlsruhe den Platz in einer Vorrundengruppe, knapp neun Monate später spielen sie sogar im finanzträchtigen Final Four, das Ende dieses Monats in Köln ausgetragen wird. Damit sind dem Verein schon mal 495 000 Euro garantiert.

Dass die Füchse damit nicht spekulieren können, ist klar, aber allein für die Teilnahme in der Gruppenphase der Champions League waren in dieser Saison 40 000 Euro ausgeschüttet worden. Insgesamt bezahlt die EHF Marketing GmbH diesmal ein garantiertes Preisgeld von über drei Millionen Euro an die 24 Teilnehmer aus. Das alles erklärt, warum die Füchse die unerwartete Chance des Jahres sich nicht entgehen lassen wollen. „Wir denken jetzt aber nicht ans Geld, sondern bereiten uns gezielt auf die letzten Spiele vor. Das Team ist in guter Form, alles andere wird sich zeigen“, sagt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, dem trotz des erfolgreichen Saisonverlaufs die Erdung immer besonders wichtig ist.

„Wer weiß, ob uns das so schnell noch einmal gelingt?“, sinniert dagegen Bob Hanning schon mal in diesen Tagen, selbst in seinen ursprünglichen Planungen überholt von der Realität. Für ihn bedeutet es auch, den Etat kräftig aufzustocken. Denn erst einmal kostet die Champions League viel Geld, ohne Garantie auf eine Amortisation. „Unsere Partner haben bereits signalisiert, dass sie uns in dieser Frage unterstützen werden“, sagt Hanning hoffnungsvoll. So lange die aktuelle Saison aber nicht beendet ist, möchte er nicht zu viel über die Zukunft sprechen. Schließlich müssen die Füchse noch zur HSG Ahlen-Hamm, empfangen die HSG Wetzlar und treten abschließend beim wieder aufstrebenden SC Magdeburg an. „Ich hatte eigentlich gehofft, dass es in Magdeburg um nichts mehr geht“, sagt der von dort zu den Füchsen gekommene Markus Richwien.

Aber es könnte am 4. Juni ab 16.30 Uhr doch zu einem wahren Endspiel kommen. Voraussetzung dafür ist ein Punktverlust der Rhein-Neckar Löwen oder auch des THW Kiel, wovon weniger auszugehen ist. Mit drei Siegen in den letzten Saisonspielen wären die Füchse dann plötzlich auf einem Medaillenrang und damit sensationell sicher in der Champions League. Dass dann Bob Hanning feuchte Augen aus einem anderen Grund als am Dienstagabend haben dürfte, wäre nicht verwunderlich.

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