Füchse Berlin : Zu gut, um dreckig zu sein

Füchse-Kapitän Torsten Laen hat den THW Kiel bewundern gelernt – heute trifft er ihn in Berlin.

Hartmut Moheit

Berlin - Ein wenig fühlt sich Torsten Laen gerade an die letzten zwei Jahre bei Ciudad Real in Spanien erinnert. „Da standen wir im Champions-League-Finale jeweils dem THW Kiel gegenüber und kaum jemand traute uns nach verlorenen Hinspielen noch den großen Triumph zu. Plötzlich waren wir zum Außenseiter geworden. Dann haben wir gegen dieses Top-Team doch das Unmögliche möglich gemacht“, erzählt der Däne aus Odense. Zwar ist sich der 29-Jährige bewusst, dass er seine jetzige Mannschaft, die Füchse Berlin, nicht mit Ciudad Real auf eine Stufe stellen kann, aber eine Überraschung schließe er nicht aus. Nach dem Sieg zuletzt in Lübbecke seien die Füchse für das heutige Spiel gegen den THW Kiel in der Schmeling-Halle (20.45 Uhr, live im DSF) noch zusätzlich motiviert. „Das ist schon ein riesengroßer Unterschied, ob du nach Misserfolgen in so ein Spiel gehst – oder eben nach der bisher besten Saisonleistung.

„Allein Kiel entscheidet zwar, ob du eine Chance hast“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning, „aber für diesen Fall musst du eben zu einer außergewöhnlichen Leistung in der Lage sein.“ Vom Grunde her trennen die Füchse und den THW Welten. Als nur ein Beispiel dafür stehe der Transfer des Franzosen Daniel Narcisse: 1,3 Millionen Euro betrug seine Ablösesumme und bei Kiel verdiene er 30 000 Euro Netto im Monat. Hanning rechnet vor: „Das sind in dieser Saison allein zwei Millionen Euro für einen Spieler, was mehr als die Hälfte unseres gesamten Saisonetats entspricht.“ Das sei nicht refinanzierbar, und überhaupt ginge es für die Füchse nicht um Etaterhöhungen, sondern „in den heutigen schwierigen Zeiten um eine Bestandssicherung“. Beim THW Kiel ist Narcisse aber nur ein Star unter vielen. Thierry Omeyer, Filip Jicha, Kim Andersson, Marcus Ahlm, Momir Ilic oder der deutsche Ex-Nationalspieler Christian Zeitz gehören ebenfalls zu den hochdotierten Assen beim 15-maligen Deutschen Meister und Champions-League-Sieger 2007.

„Es macht jedes Mal großen Spaß, gegen diese Mannschaft zu spielen“, sagt Torsten Laen. „Sie demonstriert einen technischen Handball, fair und schnell, da gibt es keine dreckigen Aktionen gegen den Gegner. Auch deshalb ist Kiel für mich das größte Team.“ Für den 142-maligen dänischen Nationalspieler steckt aber noch viel mehr dahinter, als allein über Stars auf jeder Position zu verfügen. „Kiel ist mit den Jahren auch als Kollektiv gewachsen, dazu stellt der THW zu Hause eine Religion dar“, sagt Laen. Dafür war in den zurückliegenden Jahren ein Spieler verantwortlich, der in dieser Saison nicht mehr dabei ist: der Schwede Stefan Lövgren. „Sein Fehlen merkt man schon“, meint Laen, „aber sie sind auf dem besten Weg, den Regisseur, das fehlende Herz zu ersetzen.“

Füchse-Kapitän Torsten Laen sieht gegen Kiel auch eine persönliche Chance, mit Blick auf eine Berufung in das Team des Titelverteidigers für die EM im Januar in Österreich. Spiele gegen so einen Gegner „werden auch von unserem Nationaltrainer verfolgt, in Dänemark gibt es ja deutsches Fernsehen“. Ursprünglich hatte Coach Ulrik Wilbek geplant, wegen Laen in der kommenden Woche das Füchse-Spiel gegen Hamburg am kommenden Mittwoch in Berlin live zu verfolgen. Darauf verzichtet er, Laen weiß aber, dass „er meine Leistung gegen die Bundesliga-Top-Teams so oder so registriert“. Auch dänische Zeitungen wie „Extrabladet“ verfolgen seinen Weg. Das war zuletzt in den zwei Jahren bei Ciudad Real nicht anders.

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