Füchse : Charaktertest auf Japanisch

Die Füchse müssen sich erst gegen Großwallstadt, dann im Ju-Jutsu beweisen.

Hartmut Moheit
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Talent aus Reykjavik. Runar Karason spielt bei den Füchsen normalerweise im rechten Rückraum, aber derzeit hilft er erfolgreich...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - „Hajime!“ Dieses japanische Wort, das nichts anderes als die Aufforderung zum Kampf bedeutet, werden die Füchse-Spieler in der kommenden Woche lernen. Dann werden sie von Trainer Dagur Sigurdsson erstmals zum Ju-Jutsu in das Dojo „Budokan“ nach Friedenau geladen. „Es ist wichtig, immer wieder einmal über den Tellerrand hinauszuschauen und die Trainingsmethoden anderer Sportarten zu analysieren. Genau wie bei uns sind im Kampfsport Bewegung und Schnelligkeit elementare Bestandteile“, nennt Sigurdsson den Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme. Dass dies kein PR-Gag ist, sondern sich dahinter eine durchdachte Aktion mit möglichen Folgen verbirgt, sagt Manager Bob Hanning: „Im Kampfsport geht es, ähnlich wie beim Handball, um solche Dinge wie Gewandtheit, Reaktion und Intuition. Man erkennt aber auch, wer bereit ist, den Kampf anzunehmen, die Komfortzone zu verlassen. Ich erfahre also sehr viel über jeden Spieler, mehr als sonst.“

Für Hanning ist das besonders wichtig, denn mit dem heutigen Bundesligaspiel gegen den TV Großwallstadt (15 Uhr/Schmelinghalle) beginnt für ihn die bisher wichtigste Saisonphase. „Das wird ein Endspiel“, sagt Bob Hanning, „nach dem fünften Auswärtssieg zuletzt in Melsungen könnten wir wieder auf Platz acht vorrücken. Und dann in den noch ausstehenden vier Spielen bis zum Jahreswechsel unsere Ambitionen Richtung Europa glaubhafter werden lassen.“ Genau dafür braucht es ein Team, in dem sich jeder Spieler „förmlich zerreißt, seine Chance nutzt“. Der 31. Dezember ist für den umtriebigen Manager so eine Art Stichtag, an dem er auch Entscheidungen über Spielerverträge treffen wird. Wer bis dahin eben nicht bereit war, „den Kampf anzunehmen“, für den wird es im Falle eines zu Saisonende auslaufenden Vertrages nicht viele Argumente für eine Verlängerung geben. Das „Hajime!“ gilt fortan bei den Füchsen im Budokan und im Handball.

Ein sehr gutes Beispiel für Kampfeswillen gab es zuletzt in Melsungen, wo Rechtsaußen Markus Richwien wegen eines Infekts – nicht wie vom Boulevard verkündet der Schweinegrippe – ausgefallen war. Dafür bot Dagur Sigurdsson den jungen isländischen Landsmann Runar Karason auf. Auf der für ihn ungewohnten Position machte der 21-Jährige ein starkes Spiel, was Richwien ohne Neid registrierte. „Er hatte zuletzt ein paar Probleme, war nicht sehr erfolgreich“, sagt Richwien. „Deshalb freue ich mich vor allem für ihn, dass er wieder auf dem Weg nach oben ist.“ Auch heute gegen Großwallstadt wird Linkshänder Karason den Stamm-Rechtsaußen, der noch nicht wieder ganz fit ist, ersetzen.

Seine Chance nutzen und damit dem Team helfen, das ist es unter anderem, was Bob Hanning zum Ende der Hinrunde sehen möchte. Am liebsten von jedem Spieler, denn Extrageld für Neuverpflichtungen hat er nicht. Aber er vermutet auch, dass nicht jeder diesem hohen Anspruch eines Erstligaprofis im Handball mit Europacup-Ambitionen gerecht werden kann. Noch sei Zeit für den Gegenbeweis, sagt er und fordert deshalb auf auch für ihn etwas ungewohnte Art: „Hajime!“

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