Füchse gegen Hamburg : Respekt vertreibt Angst

Die Füchse-Handballer sind gegen den HSV Außenseiter, doch eine erneute Blamage wie beim Spiel gegen Kiel soll vermieden werden.

Hartmut Moheit

Mehrmals den Wurf antäuschen und damit den Torhüter in Bewegung bringen, dann nur nicht nach oben zielen, so stellt sich Konrad Wilczynski einen Siebenmeterwurf gegen Johannes Bitter vor. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Linksaußen der Füchse Berlin, der bisher in dieser Saison von 29 Strafwürfen nur 19 verwandelt hat, heute in genau diese Situation kommen wird: Zu einem Siebenmeter gegen den 2,05 Meter großen deutschen Nationaltorhüter in den Reihen des HSV Hamburg, dessen Team am Mittwoch in der Schmeling-Halle (19 Uhr, live im DSF) der Gegner ist.

„Wichtig ist, dass ich wieder Selbstvertrauen mitbringe“, sagt Wilczynski. Das zu realisieren, wird aber nicht nur für ihn allein, der nach einem Formtief langsam in Schwung kommt, zu einer schweren Aufgabe. „Den HSV sehe ich derzeit als das beste Klubteam der Welt, stärker noch als den THW Kiel, gegen den wir zuletzt ja bekanntlich im Heimspiel 23:40 verloren haben. Berlin ist nur eine Zwischenstation“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning. „Wenn der HSV in diesem Jahr nicht Meister wird, mit dem Superteam, wann dann?“ Hanning fordert von den Füchsen „Respekt ja, aber keine Angst“.

Wie stark besetzt und vor allem motiviert die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb ist, hat sie gerade erst wieder in der Champions League beim Norwegischen Meister Fyllingen gezeigt. Trotz erdrückender Überlegenheit gab es kein Nachlassen, am Ende stand mit 48:17 der höchste Erfolg in der Vereinsgeschichte. „Die Füchse sind ein ganz anderes Kaliber“, sagt Schwalb vorsorglich, „es gibt keine Partie zweiter Klasse für uns.“

Erfolgreichster Werfer in Norwegen war der Däne Hans Lindberg, gegen den Konrad Wilczynski heute unmittelbar spielen wird. „Ein guter Spieler“, sagt der Berliner, „aber in der Bundesliga gibt es auf den Außenpositionen eigentlich nur gute Leute.“ Deshalb werde auch nicht dieser Zweikampf allein wichtig werden, sondern wie die Füchse gegen die offensive Abwehr des HSV über die Außen und am Kreis zum Zuge kommen werden. „Wir dürfen, im Gegensatz zur zweiten Halbzeit gegen Kiel, vor allem im Angriff keine hektischen Sachen machen. Die leichten Fehler brachten den Einbruch“, sagt Wilczynski.

Selbst für den ansonsten so überlegt reagierenden Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson war das zu viel, die Einstellung passte ihm nicht. Nach außen sprach der Isländer, er sei enttäuscht. Teamintern soll er lauter geworden sein. „Aber alles trotzdem stilvoll, nicht verletzend, und deshalb sind seine Worte bei uns auch angekommen. Er wollte uns wachrütteln“, berichtet Wilczynski und ergänzt: „Wir sind auf gutem Weg, unser Potenzial haben wir noch lange nicht ausgeschöpft.“

Dass nun ausgerechnet gegen den HSV der große Durchbruch erfolgt, gegen den es im Oktober noch ein 34:34 gab, verlangt auch der Chef und Ex-Trainer des HSV, Bob Hanning, nicht: „Da hatten wir sie in einer günstigen Situation erwischt, sie waren durch Terminstress etwas müde.“Aber Hamburg habe sich vor der Saison gezielt verstärkt, mit Igor Vori am Kreis und dem „jungen, bald wohl weltbesten Spieler Domogoj Duvnjak“ weiter an Qualität gewonnen. Und das, obwohl Pascal Hens seit geraumer Zeit wegen einer Verletzung fehle. „Ich erwarte eine ausverkaufte Schmeling-Halle“, sagt Hanning. Wegen der Füchse, klar, aber auch wegen des HSV, den live zu erleben für jeden Handball-Fan etwas Besonderes sei.

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