Füchse-Gegner : Teure Stars sind in Magdeburg die Ausnahme

Die Füchse eifern der Nachwuchsarbeit ihres Vorbildvereins SC Magdeburg nach. Am Dienstag treffen beide Teams vor 15 000 Zuschauern in Berlin aufeinander.

Hartmut Moheit
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Ein Fuchs aus Magdeburg. Markus Richwien kam 2006 nach Berlin.Foto: ddp

Berlin - Mit seinen 35 Jahren hatte Dagur Sigurdsson am Samstag einen ganz großen Auftritt. Zwar ist der zukünftige Trainer der Füchse Berlin bei Valur Reykjavik offiziell als Geschäftsführer tätig, daneben trainiert er die österreichische Nationalmannschaft der Männer, aber beim isländischen Pokalfinale war er noch einmal selbst als Spieler in Aktion zu sehen. Zwei Tore steuerte er zum Erfolg seines Teams bei. „Das hat Spaß gemacht, wird aber die Ausnahme bleiben“, sagte Sigurdsson danach. Damit gilt auch als ziemlich sicher, dass Sigurdsson in der kommenden Saison den Altersdurchschnitt der Füchse nicht heben wird. „Im Gegenteil“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning, „Dagur liegt der Nachwuchs besonders am Herzen.“ Nicht ohne Grund seien vor kurzem drei Berliner Talente bei ihm zum Training in Reykjavik gewesen.

Vor drei Jahren hatten die Füchse keine zweite Mannschaft

Im Bundesligaspiel am Dienstag gegen den SC Magdeburg (20 Uhr, live im DSF) vor fast 15 000 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof werden sie zwar noch nicht spielen, aber das soll in der kommenden Saison schon ganz anders sein. „Wir investieren enorm viel in den Nachwuchs“, erklärt Hanning, der froh ist, dass die zweite Mannschaft gerade den Regionalligaaufstieg geschafft hat. „Die Talente bekommen damit eine größere Bewährungschance.“ Damit ist bei den Füchsen, die vor drei Jahren nicht einmal eine zweite Mannschaft hatten, in sehr kurzer Zeit etwas entstanden, worauf beim SC Magdeburg schon seit Jahren die Erfolge basieren. Bob Hanning gibt zu: „Was dort seit Jahren in der Talentförderung passiert, hat für uns Vorbildcharakter.“

Magdeburg ist mit seiner zweiten Mannschaft sogar in der Zweiten Liga etabliert, hat damit noch einen Vorsprung. Zuletzt waren es mit Steffen Coßbau und Frank Grohmann zwei Außenspieler, die den Sprung in die Erste Liga geschafft haben. „Das ist der Weg für die Zukunft, denn die meisten Vereine werden sich die teuren Stars in Zukunft nicht mehr leisten können“, sagt Bob Hanning. Beim SC Magdeburg sind die Zeiten eines Olafur Stefansson, Joel Abati oder Gueric Kervadec längst Geschichte. In finanzielle Not geraten, sind die Investitionen in die Talente zur Tugend geworden.

Kooperation mit Sport-Eliteschulen

Letztlich haben auch die Füchse davon profitiert. Rechtsaußen Markus Richwien kam 2006 aus Magdeburg. Dass die Berliner neben ihm für diese Position zu gern auch Nationalspieler Christian Sprenger verpflichtet hätten, ist kein Geheimnis. Da das nicht geklappt hat, geben sie in der neuen Saison Johannes Sellin aus den eigenen Reihen eine Chance.

Stärkere Identifikation mit dem Team

„In der kommenden Saison wollen wir mit dem SC Magdeburg auf Augenhöhe sein“, verkündet Bob Hanning zuversichtlich. Aber er weiß auch, bis sich die Kooperationsverträge mit Sport-Eliteschule und dem Handballverband, die Zusammenarbeit mit den Berliner Vereinen sowie der hauptamtliche Jugendtrainer wirklich auszahlen, „wird es etwa noch fünf Jahre dauern“. Spieler wie Sellin, der mit Gabor Langhans und Colja Löffler in Reykjavik war, oder Alexander Voß, der gegen Magdeburg für den verletzten Martin Murawski zum Einsatz kommen soll, sind die Vorboten. Hanning hat die gesamte Konzeption von Anfang an als „Berlinisierung“ beschrieben. Auch in dieser Beziehung können die Füchse vom heutigen Gegner lernen. Die „Magdeburgisierung“ hat gerade in dieser finanziell schwierigen Saison zum Zusammenhalt geführt. Die Fans identifizieren sich auch deshalb stärker mit ihrem Team. Heute werden 4000 Anhänger die Magdeburger in Berlin unterstützen. Ob sie gegen die Berliner ankommen können, wird ganz vom Spielverlauf abhängen.

„Letztlich müssen alle ein großes Spiel zeigen“, sagt Bob Hanning, es werden schließlich viele Sponsoren in der Halle sein. Es werde künftig schwieriger werden, die Etats aufzubringen. Auf keinen Fall dürfe zuerst der Nachwuchs darunter leiden. Auch Dagur Sigurdsson denkt so. „Sein Bekenntnis zum Nachwuchs war letztlich entscheidend, dass wir ihn verpflichtet haben“, sagt Hanning.

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