Füchse - Gummersbach 27:27 : Ein Wurf, ein Sprung, ein Punkt

Die Füchse erkämpfen in den dramatischen letzten vier Sekunden des Bundesligaspiels gegen Gummersbach noch ein 27:27. Damit können sie einen Rückstand von fünf Punkten ausgleichen und dürfen weiter vom Europacup träumen.

Christian Hönicke

Berlin - Es hatte den Anschein, als wollte die Serie der guten Nachrichten für die Füchse kurz vor dem Jahresausklang gar nicht mehr abreißen. Bob Hanning ist wieder Berliner Manager des Jahres, die Mannschaft und Konrad Wilczynski wurden in ihren Kategorien Zweite, im halbrechten Rückraumspieler Runar Karason aus Island steht ein weiterer Neuzugang für die kommende Saison fest – das alles wurde minutenlang im Viervierteltakt mit den nun auch in der Schmeling-Halle vorrätigen Klatschpappen gewürdigt. Auch nach dem letzten Heimspiel des Jahres kamen die Anfeuerungsinstrumente für den Berliner Handball-Bundesligisten zu den Klängen von „Oh, wie ist das schön“ ausgiebig zum Einsatz. Maßgeblich zu dem stimmungsvollen Ausklang beigetragen hatte Bartlomiej Jaszka, der gegen den VfL Gummersbach vier Sekunden vor Schluss zum umjubelten 27:27 (13:16) traf.

Gummersbach war die meiste Zeit klar überlegen

Lange, eigentlich das ganze Spiel über, hatte es allerdings gar nicht unbedingt nach einem klatschpappenfreundlichen Ende ausgesehen. Im von Hanning ausgerufenen Endspiel um die Chancen auf eine Europacup-Teilnahme war der Tabellensiebte aus Gummersbach größtenteils klar überlegen. Nach der Niederlage in Minden wirkten die Füchse auch gestern bisweilen unkonzentriert. „In der ersten Halbzeit haben wir klarste Chancen nicht genutzt“, sagte der Berliner Trainer Jörn-Uwe Lommel. „Und immer wenn wir den Ball verloren haben, war der Gegenstoß sofort drin – dafür ist Gummersbach zu toll und zu international besetzt.“

Mehr als neun Minuten lang blieben seine Spieler durch viele unpräzise oder überhastet ausgespielte Angriffe oder eine der zahlreichen Paraden von Nandor Fazekas ohne eigenen Torerfolg und mussten die Gummersbacher vor 6524 Zuschauern von 7:8 auf 7:13 davonziehen lassen. Dass der Rückstand zur Halbzeit nur drei Treffer betrug, lag vor allem an Michal Kubisztal. Der beste Berliner erzielte insgesamt acht Treffer – einen davon mit einem Freiwurf in der Schlusssekunde des ersten Durchganges, im Liegen an der vielköpfigen Mauer vorbei. „Das war psychologisch unwahrscheinlich wichtig“, sagte Lommel. „Daran kann man sich dann aufziehen.“

Ausgleich in Unterzahl mit dem letzten Angriff

Weil sich vor allem die Abwehr steigerte, kamen die Füchse am Spielende bis auf zwei Tore heran. Wiewohl fünf Minuten vor Schluss alles vergebens schien: Gummersbach zog wieder auf 26:22 davon, und „wir hatten einen ganz freien Wurf“, sagte Gummersbachs Coach Sead Hasanefendic. „Wenn der reingegangen wäre, wäre das Spiel entschieden gewesen.“ Doch der zuvor bisweilen unglücklich wirkende Petr Stochl hielt diesmal – und später noch einmal beim 26:27. Die Füchse hatten bei ihrem letzten Angriff plötzlich in Unterzahl die Chance auf den Ausgleich. Mark Bult kam für Stochl als Feldspieler aufs Parkett, vier Sekunden vor Schluss zog Jaszka aus dem Rückraum ab, die Maschen bogen sich, die Klatschpappen knallten auf Hochtouren. Doch das Spiel war noch nicht zu Ende.

Torwart Stochl glänzte in letzter Sekunde

Die Digitaluhr zeigte 59 Minuten und 59 Sekunden, als Robert Gunnarsson den Ball nach einem schnellen Anwurf von der Mittellinie in Richtung des leeren Berliner Tores schleuderte, „und dann kommt der Stochl reingerast, springt ein paar Meter hoch in die Luft und wehrt das Ding noch ab“, sagte Hasanefendic nicht ohne Bewunderung. „Das war einmalig.“ So konnte sein Kollege Lommel später von einem glücklichen, aber auch „verdienten Punkt“ sprechen. Und auch Bob Hanning durfte angesichts des weiterhin aussichtsreichen neunten Tabellenplatzes zufrieden sein: „Das Ziel Europacup ist immer noch zu erreichen.“

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