Füchse : Höchstleistung von den Medizinern

Die Handballer der Füchse stehen vor dem heutigen Spiel gegen Magdeburg vor einem Charaktertest ihres erfolgreichen Teams.

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Der Trainer plant um. Füchse-Coach Dagur Sigurdsson muss in diesen Tagen mit seinem Personal rochieren.
Der Trainer plant um. Füchse-Coach Dagur Sigurdsson muss in diesen Tagen mit seinem Personal rochieren.Foto: dpa

Richtig freuen konnte sich niemand. Dabei hätten die Füchse nach dem 28:19 in Wetzlar allen Grund dazu gehabt. Das Ergebnis bedeutete schließlich den 13. Erfolg im 16. Bundesligaspiel der Saison und damit die Festigung des zweiten Tabellenplatzes. Aber einige Umstände vermiesten die Stimmung der Berliner dennoch gründlich. „Ich weiß nicht, wer gegen Magdeburg spielen kann“, sagt Dagur Sigurdsson. Für den Füchse-Trainer ist von vornherein vor dem heutigen Derby in der Max-Schmeling-Halle (20.45 Uhr, live auf Sport 1) klar: „So dringend haben wir unsere Fans noch nie gebraucht wie in diesem Spiel.“

Das geringste Übel für die Füchse war noch die beschwerliche Rückreise. Aus dem geplanten Flug war wegen des Schneechaos nichts geworden. So hatte man schließlich kurzfristig den Füchse-Bus geordert, der das Team aus Erfurt abholte. Bis dorthin war es ebenfalls per Bus chauffiert worden. Am Montagmorgen um vier Uhr traf die Mannschaft schließlich in Berlin ein. Es sollte ein Tag werden, der von der medizinischen Abteilung um Mannschaftsarzt Jürgen Bentzin und Physiotherapeut Fabian Kittmann Höchstleistung verlangte. „Ausgang völlig offen“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. „Es kann sein, dass alle wieder spielen können, möglich ist aber auch, dass einige Leistungsträger ausfallen werden.“

Besonders der Gesundheitszustand von Sven-Sören Christophersen bereitet ihm Sorgen. Nach einem „brutalen, vorsätzlichen Foul“, wie es Hanning ausdrückt, war der Nationalspieler in Wetzlar hart auf Rücken und Kopf geknallt. Er konnte zwar in der zweiten Halbzeit wieder zweimal kurz eingesetzt werden, aber der steife Rücken und die Schmerzen blieben später nicht aus. Der sich gut einfügende Fabian Böhm war umgeknickt, Alexander Petersson hatte die Fahrt wegen einer Verletzung erst gar nicht angetreten und Bartlomiej Jaszka konnte wegen seiner Fußverletzung kaum spielen. Am besten sah am Montag noch die Situation bei dem an einem grippalen Infekt erkrankten Silvio Heinevetter aus, der sich bereits wieder etwas wohler fühlte. Aber auf seiner Torhüterposition haben die Füchse dank eines starken Petr Stochl die geringsten Probleme. „Wir müssen jetzt aus der Situation das Beste machen“, sagt Trainer Dagur Sigurdsson. Er weiß aber auch: „Selbst wenn alle Spieler wieder dabei sind, werden sie nicht in Bestform spielen können.“

So wird die Begegnung mit dem SC Magdeburg, dem Tabellensiebten, für die Füchse auch zu einem Charaktertest. Vor allem für die Wechselspieler, von denen sich Michal Kubisztal in Wetzlar mit acht Toren bestens in Szene setzen konnte. „Wenn wir dieses Spiel gewinnen, auch die Dezemberspiele gegen Hannover und Lübbecke, dann haben wir auf dem Weg zu einem Europacupplatz die besten Karten“, erklärt Bob Hanning. Dass er gleichzeitig über Verstärkungen für die neue Saison nachdenkt, gibt er ebenfalls zu. Noch nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren möchte er den Namen Jewgeni Pewnow von der TSG Friesenheim. Die Verpflichtung des 21 Jahre alten russischen Nationalspielers, die bereits von Friesenheims Trainer Thomas König bestätigt wurde, hätte wohl nicht nur Auswirkungen auf die Kreisposition. Vor allem für Linksaußen Konrad Wilczynski dürfte es sehr schwer werden, seinen auslaufenden Vertrag in Berlin verlängert zu bekommen. Mehr Klarheit ist in der WM-Pause im Januar zu erwarten.

Aktuell haben die Füchse andere Sorgen. Aber auch die Hoffnung, dass für sie der Dienstagabend vielleicht sogar mit doppelter Freude enden könnte. Ein Sieg gegen Magdeburg und ein gutes Los für das DHB-Pokal-Viertelfinale, das Tennisspielerin Sabine Lisicki in der Halbzeitpause ziehen wird, ist ihr Wunsch. Dann hätten sie bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag Zeit, die Blessuren etwas zu lindern.

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