Füchse hoffen auf ihr Publikum : Macht mal lauter!

Die Füchse Berlin setzen am Sonntag im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Atletico Madrid große Erwartungen in ihr Heimpublikum.

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Diesmal haben sie die Halle im Rücken: Gegen Atletico Madrid hoffen die Füchse auf die Unterstützung ihrer Fans.
Diesmal haben sie die Halle im Rücken: Gegen Atletico Madrid hoffen die Füchse auf die Unterstützung ihrer Fans.Foto: dpa

Martialische Sprüche sind eigentlich nicht die Sache von Dagur Sigurdsson. In dieser Woche hat der Trainer der Füchse Berlin allerdings eine Ausnahme gemacht. „So wie ich von meiner Mannschaft erwarte, dass sie sich zerreißt, erwarte ich das auch von den Zuschauern“, sagte Sigurdsson vor dem Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Atletico Madrid am Sonntag (18 Uhr, Max-Schmeling-Halle und live bei Eurosport). „Wenn wir eine Chance haben wollen“, ergänzte der Isländer, „dann muss die Halle brennen.“

Sigurdssons Statement unterstreicht die Bedeutung der Partie für den Handball-Bundesligisten und steht stellvertretend für die gesteigerte Erwartungshaltung an seine Zuschauer. Mit dem Publikum hat sich in den vergangenen Jahren nämlich auch die Atmosphäre in der Schmeling-Halle verändert. Der Trend geht weg vom klassischen Event- und hin zum Fachpublikum. Das hat auch Markus Richwien beobachtet, einer der dienstältesten Spieler im Füchse-Kader und gebürtiger Magdeburger. Also einer, der die Parameter für ein Fachpublikum von zu Hause kennt. „Die Leute in Berlin haben mittlerweile ein feines Gespür für den Sport entwickelt“, sagt der Rechtsaußen, „sie wissen, wann sie sich einfach nur bespaßen lassen können und wann sie ein Pfeifkonzert abliefern müssen.“ Dazu haben natürlich auch die zum Teil rauschhaften Europapokal-Spiele beigetragen. Spiele wie das heutige gegen Madrid.

Manager Bob Hanning stuft diese Entwicklung in drei Phasen ein. „Zu Zweitliga-Zeiten haben wir 9.000 Freikarten verteilt und vielleicht 600 Leute in der Halle begrüßt“, sagt Hanning, „wir haben damals kaum Zuschauereinnahmen generiert.“ Nach dem Aufstieg im Jahr 2007 stieg das Handball-Interesse in Berlin zwar merklich und im Schnitt kamen in der ersten Bundesliga-Saison 6500 Zuschauer in die Halle – damals viertbester Wert aller Klubs. Die Sache hatte allerdings einen Haken. „Die meisten sind nicht wegen uns gekommen, sondern wegen der Gegner“, sagt Hanning. Mittlerweile befinden sich die Füchse in der dritten Phase, quasi in der Berlinisierung. „Die Hälfte unserer Zuschauer kommt aus dem Westteil der Stadt, die andere aus dem Osten und dem Umland“, sagt Hanning, „ und darauf sind wir stolz.“

Einen besonderen Stimmungsumschwung habe man vor zweieinhalb, drei Jahren registriert, erinnert sich Markus Richwien. „Da begannen sich die Leute mit uns zu identifizieren, weil wir plötzlich selbst Stars in der Mannschaft hatten und erfolgreich aufgetreten sind“, sagt der Nationalspieler. Als oberster Beleg dafür gilt das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen Ademar Leon vor einem Jahr, als die Füchse sensationell einen Elf-Tore- Rückstand aus dem Hinspiel aufholten, getragen von 9.000 Kehlen. „Die Fans hatten damals großen Anteil am Halbfinal-Einzug“, sagt Richwien, „so eine Atmosphäre habe ich in der Halle nie zuvor erlebt.“

So soll es idealerweise auch heute gegen Atletico Madrid wieder sein. „Es ist enorm wichtig, von der Tribüne aus Druck auf den Gegner und die Schiedsrichter aufzubauen“, sagt Richwien, „dann wird vielleicht die ein oder andere knifflige Entscheidung zu unseren Gunsten ausgelegt.“ Dieses Phänomen erlebten die Berliner auch im Hinspiel in Madrid (29:29), als in der Schlussphase einige seltsame Entscheidungen gegen sie getroffen wurden. „In unserer Halle läuft es für die Spanier hoffentlich genauso“, sagt Richwien. Und dass er diesbezüglich optimistisch ist: „Vor einigen Jahren hatten wir nur Zuschauer – heute haben wir Fans.“

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