Füchse in der Champions League? : Die Chance liegt im Promillebereich

Die Füchse rechnen kaum mit dem Champions-League-Startplatz des Handball-Pleiteklubs Atletico Madrid. Offen bleibt, was aus Madrids Trainer Talant Duschebajew wird.

von
Füchse-Spieler Evgeni Pevnov nach dem Champions-League-Aus gegen Atletico Madrid.
Füchse-Spieler Evgeni Pevnov nach dem Champions-League-Aus gegen Atletico Madrid.Foto: dpa

Talant Duschebajew verabschiedete sich von seinen Spielern, wie Trainer das eben so tun vor der Sommerpause: mit netten Worten und einem kurzen Ausblick. „Ich habe allen einen schönen Urlaub gewünscht und gesagt, dass ich mich schon auf die neue Saison freue“, berichtet Duschebajew. Ende Mai war das, kurz nach dem letzten Punktspiel Atletico Madrids in der spanischen Liga Asobal. Dass besagte Partie tatsächlich die letzte sein würde in der Vereinshistorie der spanischen Handball-Großmacht, damit war damals nicht zu rechnen.

Am Dienstag hat der dreimalige Champions-League-Sieger nun allerdings seine Auflösung bekannt gegeben. Die Gesellschafter des Vereins hätten entschieden, „ihre sportlichen Tätigkeiten wegen der aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht fortzusetzen“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Spieler und Trainer wurden umgehend freigestellt, ihre Verträge aufgelöst. „Das war ein Schock für uns“, sagt Duschebajew, „wir müssen uns jetzt alle kurzfristig nach Alternativen umsehen.“ Das gilt auch für den deutschen Nationalspieler Christian Dissinger, der erst vor wenigen Wochen einen Vertrag in der spanischen Hauptstadt unterzeichnet hatte.

Das Aus des Klubs, der in der heimischen Liga seit Jahren das einzig ernstzunehmende Gegengewicht zum großen FC Barcelona bildet, hat sich mehrfach angedeutet. In der jüngeren Vergangenheit, weil seit Monaten keine Spielergehälter gezahlt worden sein sollen, aber auch schon in der Zeit davor. Keine zwei Jahre ist es her, dass der Klub aus dem beschaulichen Ciudad Real ins große Madrid umzog und sich unter dem Dach des Traditionsklubs Atletico neu ansiedelte. „Das war der letzte verzweifelte Versuch, den Verein zu retten“, sagt Duschebajew heute, „wir haben uns in Sachen Wirtschaftlichkeit neue Impulse von diesem Umzug erhofft. Daraus ist leider nichts geworden.“ Letztlich konnte der Klub die Weltauswahl aus aller Herren Handballländer, die er seit jeher unterhält, nicht mehr finanzieren.

Der Rückzug des spanischen Vizemeisters könnte Auswirkungen auf einige deutsche Teams haben, auf die Füchse Berlin etwa oder den HSV Hamburg, die Ende August in zwei Ausscheidungsspielen den vierten deutschen Champions-League-Teilnehmer für die kommende Saison ermitteln. Weil Atletico sein Startrecht im Europapokal nicht wahrnehmen wird, erscheint es sogar denkbar, dass die Qualifikationsrunde zwischen den beiden Bundesligisten entfällt. Laut Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning liegen die Chancen für diesen Fall allerdings im Promillebereich. Ebenso sei es utopisch, über die Verpflichtung ehemaliger Madrilenen nachzudenken, ergänzte Hanning. „Das ist wirtschaftlich nicht zu stemmen, auch wenn es sportlich natürlich interessant wäre“, sagt Hanning.

Zumindest für Talant Duschebajew ist und bleibt die Bundesliga „sehr interessant“, sagt der ehemalige Welthandballer, dessen Name bereits vor einem Jahr mit dem HSV Hamburg in Verbindung gebracht wurde. Ebenso stellt er aber klar: „Ich gehe nur zu einem Verein mit guten sportlichen Perspektiven, auch wenn es in diesem Jahr wohl nicht mehr klappen wird.“ Denn die meisten Bundesligisten haben in dieser Woche bereits mit dem Training begonnen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar