Füchse schlagen Balingen klar : Predigt mit Wirkung

Lange tun sich die Füchse gegen Balingen-Weilstetten schwer, am Ende kommen sie dann aber doch zu einem 30:23-Sieg - vor allem dank Torwart Petr Stochl.

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Zum Abheben. Fabian Wiede (Mitte) von den Füchsen.
Zum Abheben. Fabian Wiede (Mitte) von den Füchsen.Foto: Imago

Petr Stochl hat da so eine Marotte, typisch Torhüter eben. „Wir sind nun mal ein bisschen anders“, sagt der Tscheche. Wobei das bisweilen durchaus von Vorteil sein kann, so wie am späten Sonntagnachmittag. Da hat sich Stochl durch seine Eigenart selbst vor einer Kabinenpredigt bewahrt. In der Halbzeit bleibt der Keeper der Füchse Berlin im Sinne einer fortgeschrittenen Erwärmung nämlich immer in der Halle. „Aber ich glaube schon, dass es ein bisschen lauter geworden ist in der Pause“, sagte Stochl, „wir haben bis dahin wirklich nicht gut gespielt.“

Andererseits hätte Stochl persönlich ohnehin keine Kritik treffen können, im Bundesliga-Punktspiel der Berliner gegen die Spielgemeinschaft Balingen-Weilstätten (HBW) war der 38-Jährige nach seiner Einwechslung für den glücklosen Silvio Heinevetter der mit Abstand beste Spieler der Füchse. „Petr hat uns die nötige Sicherheit gegeben“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. Nach einer deutlichen Leistungssteigerung setzte sich das Team des Isländers vor 6183 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle noch klar mit 30:23 (12:13) durch. „Die zweite Halbzeit war das Beste, was wir in dieser Saison von unserer Mannschaft gesehen haben“, sagte Manager Bob Hanning.

Die Füchse begannen reichlich nervös und hatten zunächst auch ein wenig Pech: Drei ihrer ersten vier Angriffe endeten mit Abschlüssen an den Pfosten respektive die Latte. Auf der Gegenseite erwischten die Gäste einen guten Start, nach zehn Minuten hatten sie sich einen Drei-Tore-Vorsprung erspielt (4:1) – basierend auf dem Mittel, das die Schwaben bereits in den Jahren zuvor unter Ex-Trainer Rolf Brack ausgezeichnet hatte: kompromisslose Defensive. Abgesehen davon war unter dem neuen Coach Markus Gaugisch allerdings nicht viel übrig geblieben aus dem unkonventionellen Taktikhandbuch seines Vorgängers, der bei eigenem Ballbesitz regelmäßig den Torhüter zu Gunsten eines Feldspielers opferte. Trotzdem taten sich die Berliner in der ersten Hälfte schwer: Fabian Wiede erzielte erst nach 18 Minuten den ersten Führungstreffer für die Füchse, die zur Pause aber 12:13 hinten lagen.

Nach Wiederbeginn legten die Berliner einen 7:1-Lauf hin, der das Spiel entschied. „Meine Spieler haben offenbar gedacht, dass man Handball auch aus dem Stand spielen kann, aber das wird in der Bundesliga gnadenlos bestraft“, sagte HBW-Coach Markus Gaugisch. „Andererseits war es vielleicht auch ganz gut, dass wir so eine Klatsche kassiert haben, weil alle mal wieder gesehen haben, was wir können uns was nicht“, ergänzte der Coach, dessen Team zuletzt mit überraschenden Siegen über Kiel und den HSV hatte aufhorchen lassen. Im Gegensatz zum letzten Duell am 26. Dezember brachten die Füchse ihren Vorsprung diesmal auch souverän über die Zeit. Am zweiten Weihnachtsfeiertag war ihnen beinahe das Kunststück gelungen, eine zweistellige Führung noch aus der Hand zu geben.

Bester Berliner Werfer mit sieben Toren war einmal mehr Petar Nenadic. Aber auch Konstantin Igropulo, Paul Drux und Fredrik Petersen mit je fünf Treffern wussten offensiv zu überzeugen. Und für die Defensive hatten sie am Sonntag ja Petr Stochl.

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