Füchse-Spieler Fabian Wiede : Wackeln wie die Großen

Handballer Fabian Wiede setzt bereits in seiner ersten Profi-Saison Akzente bei den Füchsen. Der 1,92 Meter große Rückraumspieler ist ein Symbol für die Nachwuchsarbeit der Berliner.

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Ausnahmetalent im Anflug: Fabian Wiede (am Ball) hat in seiner ersten Bundesligasaison bereits 13 Tore erzielt, unter anderem gegen Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen.
Ausnahmetalent im Anflug: Fabian Wiede (am Ball) hat in seiner ersten Bundesligasaison bereits 13 Tore erzielt, unter anderem...Foto: Sport Moments

Vor einem Jahr hätte Fabian Wiede diese Frage noch anders beantwortet. Sagt er selbst – und den entsprechenden Beweis findet man auch auf seiner Homepage. Da zählt Wiede in einem Interview seine Stärken auf: Übersicht, gutes Auge für den Mitspieler und sein Schlagwurf. Heute sagt der 19-Jährige: „Damit ist es jetzt erstmal vorbei, ich muss mir meine Stärken erst neu erarbeiten.“ Mittlerweile ist Wiede nämlich kein A-Junior mehr bei den Füchsen Berlin, sondern Profi. „Und da läuft es ganz anders.“

Es sind diese Sätze, die stellvertretend stehen für den Reifeprozess des Fabian Wiede. Äußerlich manifestiert sich dieser in gesteigerter Körpermasse und in dem Bart, den Wiede seit ein paar Wochen trägt. Und innerlich in der Gewissheit, „dass in der A-Jugend manchmal 80 Prozent gereicht haben, wohingegen ich bei den Profis immer 120 Prozent geben muss, wenn ich mithalten will“. In seinen bisherigen sieben Bundesligaspielen hat Wiede jedenfalls mehr als nur mitgehalten, er hat Akzente gesetzt, weshalb ihm auch im heutigen Auswärtsmatch der Berliner bei Hannover-Burgdorf (17.15 Uhr, live bei Sport1) gute Chancen auf einen Einsatz eingeräumt werden. „Ich hoffe natürlich, dass ich spielen werde“, sagt Wiede, „aber ich bin auch nicht so vermessen, dass ich es erwarte“, ergänzt er brav.

Man muss dazu wissen, dass Fabian Wiede, geboren im brandenburgischen Belzig, Kind einer Handballer-Familie, mehr ist als irgendein Nachwuchsspieler. Der 1,92 Meter große Rückraumspieler verkörpert die Nachwuchsarbeit der Berliner, er ist ein Symbol. Behutsam, aber ebenso zielstrebig hat ihn der Klub in den vergangenen Jahren aufgebaut, bereits im Alter von 18 Jahren durfte er mit den Profis nach Köln zum Final-Turnier der Champions League fahren und dort Spielpraxis sammeln. Nach vier nationalen Titeln mit den Füchsen im Jugendbereich befindet sich Wiede nun in der nächsten Entwicklungsstufe: vom Ausnahmetalent und Juniorennationalspieler hin zum Bundesligaprofi. Dass der Linkshänder diese Rolle eines Tages würde ausfüllen können, haben zwar die meisten im Verein, allen voran Manager und A-Jugend-Trainer Bob Hanning, erwartet. Dass Wiede aber bereits am Beginn seiner ersten Profisaison zu einer ernstzunehmenden Alternative für den im rechten Rückraum gesetzten, aber im Moment angeschlagenen Konstantin Igropulo werden würde, „das überrascht mich auch selbst“, sagt Wiede.

13 Treffer hat der in der Jugend als gnadenloser Egoist bekannte Distanzschütze bereits erzielt, unter anderem in den Spitzenspielen der Füchse gegen Flensburg und die Rhein–Neckar Löwen – also gegen Mattias Andersson und Niklas Landin, die wohl besten Torhüter der Liga neben Füchse-Keeper Silvio Heinevetter. Gegen die Löwen ließ er Gedeon Guardiola mit einer Körperfinte aussteigen, dass sich die Beobachter zwangsläufig die Frage stellten: Wer ist hier eigentlich spanischer Weltmeister und wer Bundesliga-Rookie? „Stimmt schon“, sagt Wiede darauf angesprochen und lacht, „mein Wackler ist nicht so schlecht – und in Sachen Wurfkraft habe ich mich auch gesteigert.“ Wenngleich er im Gegensatz zu seinem Freund und ehemaligen A-Jugend-Kollegen Jonas Thümmler verhältnismäßig viel Spielzeit erhält, weiß Wiede auch, „dass ich in dieser guten Phase nicht nachlassen darf“. Das gilt auf dem Feld und abseits davon. „Denn nebenher will ich noch mein Abitur machen – falls das mit der Profikarriere nicht klappt.“ Bislang deutet wenig darauf hin.

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