• Füchse-Torwart Petr Stochl im Interview: „Ich gehe vor meinen Kindern ins Bett“

Füchse-Torwart Petr Stochl im Interview : „Ich gehe vor meinen Kindern ins Bett“

Füchse-Torhüter Petr Stochl über Aberglaube, Regeneration und die ewige Jugend seiner Spezies. Am Mittwoch könnte der Tscheche nach langer Verletzungspause im Heimspiel gegen Nettelstedt wieder im Tor stehen.

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Peter Stochl, 39, spielt seit 2006 bei den Füchsen. Stochls älterer Bruder Jan ist ebenfalls Torhüter und spielt in der Bundesliga beim HC Erlangen.
Peter Stochl, 39, spielt seit 2006 bei den Füchsen. Stochls älterer Bruder Jan ist ebenfalls Torhüter und spielt in der Bundesliga...Foto: Imago/Camera 4

Herr Stochl, viele Handball-Torhüter sind abergläubige Menschen, die zum Beispiel zuerst mit dem linken Fuß aus dem Bett steigen oder zuerst den rechten Schuh zubinden. Welches Ritual pflegen Sie vor Spielen?

Ich weiß, dass es viele Torhüter so machen, ich komme ja aus einer Torhüterfamilie. Mein Großvater war Fußballtorwart, mein Vater Eishockeytorhüter, und mein Bruder steht beim Handball ja auch im Tor. Aber bei mir ist das nicht so ausgeprägt mit dem Aberglauben. Mich würde das nervös machen. Was mache ich denn, wenn ich vergessen sollte, mein Glücksbringer-Shirt in die Tasche zu packen? Mein Ritual ist das normale Aufwärmprogramm vor dem Spiel, und das hat sich über die Jahre nicht geändert. Oder besser gesagt: Es hat sich kaum geändert.

Wie meinen Sie das?

Ich werde nächstes Jahr 40, und das merke ich immer häufiger. Wenn wir spielen, bin ich immer mindestens eine Stunde vor dem Anpfiff in der Halle, weil es natürlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, bis ich warm bin und meine Spagate und andere Übungen gemacht habe. Früher habe ich dafür vielleicht 15 Minuten gebraucht. Aber im Alter dauert das eben alles länger, das gilt auch für die Regeneration.

Im Punktspiel der Füchse Berlin gegen Nettelstedt am Mittwoch (um 19 Uhr in der Max-Schmeling-Halle) könnten Sie zum ersten Mal nach wochenlanger Verletzung und Rückenproblemen wieder von Beginn an im Tor stehen. Wie stehen die Chancen?

Das muss der Trainer entscheiden. Grundsätzlich bin ich gesund und habe keine Schmerzen mehr. Andererseits habe ich einen Monat nicht richtig trainiert, deshalb wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis ich wieder bei 100 Prozent bin, bis die Schnelligkeit und die Beweglichkeit zurück sind. Aber wissen Sie, worüber ich mich richtig geärgert habe?

Nämlich?

Über den Zeitpunkt der Verletzung. Mir ist das ja direkt im ersten Spiel nach dem Gewinn der Klub-WM passiert. Vorher hatte ich in neun Jahren bei den Füchsen nur ein einziges Spiel verpasst, jetzt sind fünf dazugekommen. Andererseits kann ich froh sein, dass ich in meiner Karriere von großen Verletzungen verschont geblieben bin. Das ist der Vorteil des Torhüters: Die Belastung ist nicht so groß wie bei Feldspielern, Körperkontakt gibt es auch nur ganz selten.

Bei vielen Handball-Torhütern hat man den Eindruck, dass sie mit zunehmendem Alter sogar besser werden.

Ja, absolut. Selbst wenn man nicht mehr so schnell oder so athletisch ist wie zu besten Zeiten, profitiert man von den Erfahrungen aus hunderten Spielen, von kleinen Situationen, an die man sich erinnern kann. Ich lese und antizipiere das Spiel und auch die Würfe der Gegner ganz anders als noch vor zehn Jahren. Mit diesen Erfahrungswerten kann man andere Schwächen wettmachen. Als Feldspieler wäre das mit 39 oder 40 Jahren unmöglich.

"Schlaf ist ein wichtiger Faktor - ich muss auf meinen Körper aufpassen"

Inwiefern müssen Sie Ihre Lebensweise dem fortgeschrittenen Alter anpassen?

Ich gehe jeden Abend um halb zehn ins Bett, noch vor meinen Kindern. Spaß beiseite: Schlaf ist ein wichtiger Faktor, deswegen lege ich mich immer schlafen, sobald ich müde bin. Ich weiß, dass ich auf meinen Körper hören und auf mich selbst aufpassen muss, wenn ich weiter auf hohem Niveau spielen möchte.

Auf die Füchse wartet nach dem Bundesliga-Spiel eine weitere wichtige Partie: Am Samstag geht es um die Qualifikation für die Gruppenphase im EHF-Pokal gegen das französische Spitzenteam Chambery.

Ich hatte ja gehofft, dass wir gegen Pilsen spielen, meinen Heimatverein, aber das hat leider nicht geklappt. Jetzt haben wir den schwerstmöglichen Gegner zugelost bekommen, das wird eine Herausforderung. Andererseits sind wir der Titelverteidiger, und als solcher sollten wir in der Lage sein, gegen jeden Gegner im Wettbewerb zu gewinnen. Wir hatten ja zwischenzeitlich eine kleine Schwächephase, aber zuletzt haben wir auch nicht so gute Spiele wieder gewonnen. Das war wichtig für den Kopf. Außerdem darf man nicht vergessen, dass wir im Sommer sechs neue Spieler und einen neuen Trainer bekommen haben und dass mit Paul Drux und Mattias Zachrisson zwei Stammspieler schon seit Monaten fehlen. Dafür spielen wir doch ziemlich gut.

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