Füchse-Trainer als Handball-Bundestrainer : Bob Hanning lockt Dagur Sigurdsson

Auf der Suche nach einem neuen Trainer für das Handball-Nationalteam wurde DHB-Vize Bob Hanning offenbar in seinem Klub, den Füchsen Berlin, fündig - bei Dagur Sigurdsson.

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"Kein Kommentar". Mehr ist Dagur Sigurdsson bisher zum Thema Bundestrainer nicht zu entlocken.
"Kein Kommentar". Mehr ist Dagur Sigurdsson bisher zum Thema Bundestrainer nicht zu entlocken.Foto: dpa

Die Statements ähneln sich verdächtig, sowohl in der Formulierung als auch in ihrer Inhaltlosigkeit. Nein, sagt Bernhard Bauer, der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), in der Bundestrainerfrage werde es „erst eine Nachricht geben, wenn alle Gespräche abgeschlossen sind.“ Sein für den Bereich Leistungssport zuständiger Vizepräsident, namentlich Bob Hanning, sagt nur: „Wenn der DHB etwas mitzuteilen hat, dann werden wir das auch tun.“

Nach Informationen des Tagesspiegel verdichten sich allerdings die Anzeichen, dass der Verband intern bereits einen Nachfolger für Martin Heuberger gefunden hat, dessen auslaufender Vertrag nach der verpassten WM-Qualifikation im Sommer nicht verlängert worden ist. „Die Sache ist längst klar“, sagt ein Eingeweihter. Demnach sollen unterschriftsreife Verträge für eine Zusammenarbeit mit Dagur Sigurdsson ausgearbeitet worden sein. Der Isländer trainiert seit fünf Jahren die Füchse Berlin, also jenen Klub, den Hanning als Geschäftsführer leitet.

Dagur Sigurdsson zeigte, dass er Talente zu Stars formen kann

Bislang war lediglich bekannt, dass der DHB seit einigen Wochen Gespräche mit potenziellen Kandidaten führt, in den letzten Tagen waren schließlich auch konkrete Namen durchgesickert. Ein Anwärter war Ljubomir Vranjes, der junge Trainer vom frisch gekürten Champions-League-Sieger SG Flensburg-Handewitt. Nach aktuellem Stand ist der Schwede aber keine Option mehr. Sein Klub hat bereits klargestellt, dass der 40-Jährige den erst kürzlich verlängerten und nun bis 2017 gültigen Vertrag in Schleswig-Holstein zu erfüllen gedenke. „Für eine Doppelfunktion über zwei oder drei Jahre wird es in der Liga auch keinen Konsens geben“, sagt Uwe Schwenker, Präsident der Handballbundesliga (HBL). Vranjes soll dem Vernehmen nach ohnehin bereits abgesagt haben.

Kiels ehemaliger Erfolgstrainer Noka Serdarusic war offenbar ebenso schnell aus dem Rennen – weil er nicht wirklich ins Anforderungsprofil des DHB passt. Aus seiner Zeit bei Rekordmeister Kiel ist der heute 63-Jährige nicht unbedingt deshalb in Erinnerung geblieben, weil er deutsche Talente weiterentwickelt hätte.

Die Entscheidung soll bis zum Supercup 19. August fallen

Genau an diesem Punkt kommt Dagur Sigurdsson ins Spiel. In den vergangenen Jahren hat der Isländer den Nachweis erbracht, talentierte junge Männer zu Profis formen zu können. Paul Drux, 19, und Fabian Wiede, 20, spielten beispielsweise im April eine wichtige Rolle, als die Füchse den DHB-Pokal gewannen. Zwar besitzt Sigurdsson – genau wie Vranjes – bei seinem Klub noch gültige Arbeitspapiere bis 2017, nach Informationen des Tagesspiegel hat er sich aber vertraglich eine Ausstiegsklausel zusichern lassen, die im Sommer 2015 gezogen werden kann. So lange wäre eine Doppelfunktion durchaus denkbar, zumal Sigurdsson diese Konstellation kennt. Nach seinem Wechsel zu den Füchsen im Sommer 2009 führte er Österreichs Nationalteam bei der Europameisterschaft 2010 in die Hauptrunde.

Sigurdsson selbst äußert sich nicht zu den Gerüchten, über seinen Manager Wolfgang Gütschow ließ er nur zwei Worte ausrichten: „Kein Kommentar.“ Es ist allerdings bekannt, dass Sigurdsson bereits vor einem Jahr ein Angebot für den besonders bei Isländern begehrten Posten als dänischer Nationaltrainer erhalten hat – und mit Verweis auf seinen Vertrag bei den Füchsen absagte. Schwer vorstellbar, dass sich der 41-Jährige eine vergleichbare Chance beim DHB noch einmal entgehen lässt.

Bob Hanning ist offenbar genervt von den Spekulationen. „Dagur ist schon der vierte oder fünfte Trainer, der von den Medien durchs Dorf gejagt wird“, sagt der DHB-Vize, „deshalb äußere ich mich auch nicht weiter dazu.“ Bis zum Supercup am 19. August werde es eine Stellungnahme des Verbands geben, ergänzte Hanning.

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